Writer's Guide
Der
WG stammt von Sandra Gerth und sie hat ihn uns freundlicherweise zur Verfügung
gestellt, damit noch mehr Autoren von ihm profitieren können. Das Original
findet ihr in dieser Yahoo-Group unter
Files oder ihr könnt ihn auch der Einfachheit wegen über die hier im
Inhaltsverzeichnis angegebenen "Download"-Links herunterladen.
1. Allgemeines zu dieser Anleitung
Verfasser dieser Anleitung
Dieser „Writer’s
Guide“ wurde in erster Linie von Sandra Gerth geschrieben. Zu den Abschnitten über
Dateiformat, Textgestaltung und Planung hat Elke Löschner wertvolle Beiträge
geleistet.
Zur Anleitung selbst
Es gibt keine „beste“ Methode, Fanfics – oder
generell - zu schreiben. Vieles ist Geschmackssache und liegt im Ermessen des
Autors. Es gibt jedoch einige Prinzipien, an die man zumindest kennen sollte.
Ich werde versuchen, ein paar davon darzustellen, aber ihr solltet dabei immer
bedenken, dass es meist nur Richtlinien sind, innerhalb derer man einen gewissen
Spielraum hat. Man kann Geschichten nicht in ein Schema pressen.
Dies hier soll keine „Bibel“ für Autoren sein, sondern ein paar
Tipps und Anregungen von jemandem, der selbst genügend Fehler beim Schreiben
gemacht hat - und noch macht (Wenn ich eines beim Schreiben dieser Anleitung
gelernt habe, dann das!). Wenn jemand Fehler in den nachfolgenden Erklärungen
findet oder wenn ihr Verbesserungsvorschläge, Kritik oder weitere Fragen
habt, dann lasst es mich einfach wissen.
Wichtigste Hauptregel beim Fanfiction-Schreiben ist, Spaß dabei
zu haben!
Dies bitte bei den weiteren Erläuterungen immer im Auge behalten!
(Anmerkung der Administration: In dieser Anleitung wird meist das Fandom der
Serie "JAG
- Im Auftrag der Ehre" als Beispiel verwendet.)
2. Was ist überhaupt Fanfiction?
Klar, wissen wir eigentlich alle, aber hier noch mal eine kurze Definition (von
einer Englischlehrerin *g*): „Fanfiction can be defined as a style of
writing based on an existing novel, television show or comic book.“ Fanfiction
oder Fanfics (kurz: FFs) sind Geschichten (aber auch Gedichte, Skripts oder Lieder),
die Fans über Charaktere und Rahmenbedingungen schreiben, die sie nicht
selbst erschaffen haben, sondern die aus einer TV-Serie, einem Film, Comic oder
Buch stammen.
3. FORMalitäten
3.1. Dateienformat und Textgestaltung
a) Dateityp
In den meisten Archiven sind einfache Textdateien ohne Formatierungsinformationen
erwünscht ("plain text"). Auch in größeren Mailinglisten
empfiehlt sich das Textformat, da es auch in der Digest-Version (alle Mails eines
Tages werden dem Empfänger als eine große E-Mail geschickt) problemlos
angezeigt wird. Inhalte anderer Formate werden nämlich nicht in die Digest-Version übernommen,
was generell auch für E-Mail-Anhänge gilt.
Per Konvention sollten Textdateien einen Namen mit der Endung ".txt" tragen.
Erstellt man den Text nicht mit einem entsprechenden Texteditor wie z. B. "Wordpad", "PFE" o. ä.,
sondern mit einem Textverarbeitungsprogramm wie "MS Word", "Word
perfect" o. ä., so gibt es meist eine Möglichkeit, den Inhalt
beim Speichern als einfachen Text in einer Datei mit der Endung ".txt" abzulegen.
Wenn man hier noch Wahlmöglichkeiten hat, empfiehlt sich die Auswahl von "Nur
Text + Zeilenwechsel".
Die Zeilenlänge in einer Textdatei sollte ca. zwischen 60 und 72 Zeichen
pro Zeile liegen.
Wer auf "Digests" keine Rücksicht zu nehmen braucht und wem "plain
text" zu schmucklos ist, kann auch das HTML-Format verwenden, das von jedem
Webbrowser und von vielen E-Mail-Programmen unterstützt wird. Man kann es
mit einem Texteditor erstellen (etwas mühsam) oder einen speziellen HTML-Editor
benutzen (wie man ihn auch zur Gestaltung von Webseiten verwendet). Textverarbeitungsprogramme
wie "MS Word" bieten heute i. A. auch die Möglichkeit, den Text
als HTML-Datei (Endung ".html" oder ".htm") zu speichern.
Man erhalte sich aber immer auch die Originaldatei im ".doc"-Format
(o. ä. je nach Programm) für nachträgliche Änderungen.
b) Textgestaltung
In Textdateien gibt es keine speziellen Gestaltungsmöglichkeiten. Hervorhebungen
kann man hier z. B. durch GROSSSCHREIBUNG oder *besondere Zeichen* erreichen.
Der Schrifttyp ist z. B. ebenfalls nicht in der Datei kodiert und hängt
also nur davon ab, was beim Leser eingestellt ist. Hinweise zur Textgestaltung
mit Hilfe von Absätzen finden sich weiter unten ("Gliederung innerhalb
der Szenen").
Arbeitet man mit einem Textverarbeitungsprogramm oder HTML-Editor sollte man
auf einfache, klare Textgestaltung Wert legen. Komplizierte Funktionen von "MS
Word" und ähnlichen Programmen werden bei der Konvertierung nach HTML
eventuell verfälscht oder entfallen ganz, da HTML eigentlich nur die Textstruktur,
nicht aber das genaue Aussehen des Textes definiert. Sehr viel hängt dabei
letztlich von den Browser-Einstellungen des Lesers ab. Exotische Fonts, die niemand
auf seinem Rechner hat, werden dann z. B. durch einen Standardfont wie "Roman" oder "Arial" ersetzt.
Schriftattribute wie bold oder italic können aber ohne Bedenken, wenn auch
nicht zu reichlich, verwendet werden.
Generell sollte man sich bei der Gestaltung an das KIS-Prinzip halten: "keep
it simple". Weniger ist oft mehr.
Auf jeden Fall ist auf ein gut lesbares Format zu achten. Stellt im Word-Dokument
die Funktion „Blocksatz“ ein und schreibt nicht im „Fließtext“,
sondern macht regelmäßig Absätze!
3.2. Der „Kopf“ einer
Fanfic
An den Anfang jeder Fanfic gehören folgende Formalien, an die man sich – wenigstens
ungefähr - halten sollte (in Klammer sind optionale Angaben):
Titel:
Autor:
E-Mail:
( Ratings: )
Typ / Kategorie:
( Version: )
Episoden:
Inhalt:
Disclaimer:
Titel, Autor und E-mail-Adresse erklären sich eigentlich von selbst. Anmerkungen
zum Rest:
Ratings:
Das Rating in englischsprachigen Fanfics basiert auf dem amerikanischen
Film-Rating-System. Es wird in deutschen Fanfics kaum verwendet. Trotzdem hier
eine kurze Erklärung.
G: Für Kinder geeignet, enthält keine Kraftausdrücke, Sex oder
Gewalt.
PG: nur gelegentlich ein wenig Gewalt, Küsse oder Flüche, aber nicht
detailliert.
R: enthält Sex, Gewalt und Kraftausdrücke, nicht geeignet
für
Minderjährige.
NC-17: dasselbe wie R in noch stärkerem Ausmaß, nur für Erwachsene
geeignet.
(Anmerkung der Administration: Diese Ratings verwenden wir in unserem Archiv
nicht mehr, da sie dem Copyright der Motion
Picture Association of America unterliegen. Informationen über unsere
Alterskennzeichnung findet ihr in den Richtlinien.)
Typ / Kategorie:
Das Exlibris-Archiv unterscheidet zwischen zwei Schritten:
Schritt 1:
Die Geschichte sollte in eine der folgenden Kategorien passen:
|
C
|
Crossover
|
Benutzt Charaktere von JAG und einer anderen Serie, Film oder Buch. |
|
|
J
|
JAG-Story
|
Enthält hauptsächlich Action und Abenteuer. |
|
|
S
|
Story
|
Konzentriert sich mehr auf Interaktion zwischen den Charakteren als auf
Handlung. Enthält nicht viel Action oder Abenteuer. |
|
|
V
|
Vignette
|
In Ich-Form geschrieben; ein Charakter denkt über etwas nach. Kann
auch Dialog enthalten, aber keine Action / Abenteuer. Für gewöhnlich
sind Vignetten sehr kurz, meist nur eine Szene. |
Schritt 2:
Die Geschichte sollte in eine / mehrere der folgenden Kategorien
eingeordnet werden:
|
R
|
Romance
|
Es sollte angegeben werden, welche Personen beteiligt
sind, z.B. Harm/Meg; Harm/Mac; Mac/andere; AJ/Mac etc. |
|
|
H
|
Humor
|
Humorvolle Geschichte |
|
|
A
|
Angst
|
Die Hauptcharaktere erleben körperliche oder
emotionale Schmerzen; die Geschichte kann traurig oder beängstigend
sein. |
|
|
Ad
|
Adventure
|
Die Geschichte enthält viel Action; die Charaktere
können mit einem Fall beschäftigt sein. |
Wenn eure Geschichte nicht eindeutig in eine der Kategorien passt, ist das
nicht weiter schlimm. Es ist nur als Orientierungshilfe für die Leser
gedacht, weil z.B. nicht jeder gerne „H/M-Romance“ liest.
Version:
meint das Datum der letzten Änderung, z.B. November 2000
Wer
mag, kann auch das Datum der ersten Version permanent stehen lassen, sollte
es mal Streit geben, wer welche tolle Idee zuerst gehabt hat ... Nicht lachen,
das gibt es wirklich!
Episoden / Spoiler:
Bitte die Episoden angeben, auf die in der Fanfic Bezug
genommen wird, z.B. „Amerika wird erpresst“, „Der Verfolger“, „Boomerang,
Teil I“ etc. Wer sich die Spannung nicht verderben lassen will, weiß dann,
dass er die Geschichte besser nicht liest.
Inhalt:
Schreib ein paar Sätze zum Inhalt, die sagen, um was es geht,
den (potentiellen) Leser neugierig machen, aber auch noch nicht zuviel vorwegnehmen.
Disclaimer:
Hier sollte man deutlich machen, dass die Charaktere uns nicht
gehören; etwas in der Art wie: „Alle Rechte an der Fernseh-Serie
JAG und ihren Charakteren gehören Donald P. Bellisario, Belisarius Productions,
CBS und Paramount.“
Wenn man Lieder oder ähnliches in der Geschichte
verwendet, wäre es gut, hier den Verfasser und / oder Sänger zu nennen.
Sonstiges:
Evtl. Anmerkungen, Widmungen und Danksagungen.
4. Vor dem Schreiben
4.1. Recherchen
Vor das Schreiben der Fanfiction selbst hat der „liebe Gott“ eine
gründliche Recherche gestellt. Wenn man vorhat, über ein bestimmtes
Thema zu schreiben, dann sollte man sich vorher darüber informieren. Wer
z.B. keine Ahnung von Medizin und Anatomie hat, sollte vielleicht nicht unbedingt
eine Obduktion beschreiben, ohne sich erst ein wenig kundig zu machen. Am besten
ist es natürlich immer, sich Informationen aus erster Hand zu beschaffen,
aber wer hat schon (um beim Beispiel zu bleiben) immer gleich einen Arzt griffbereit
oder kann mal schnell nach Südamerika reisen, weil ein Teil der Geschichte
dort spielen soll?
Hilfreiche Informationsquellen sind hier Bibliotheken, Büchereien, Bekannte
(z.B. jemand, der denselben Beruf ausübt wie eure Hauptperson) und natürlich
das Internet. Zu Suchmaschinen und sonstigen Infoquellen siehe auch Teil 3
dieser Anleitung („Quellen übers und fürs Schreiben“).
Für manche Fanfics, v.a. solche, die sich auf die Beziehungen zwischen
den Personen konzentrieren, sind keine / kaum Recherchen nötig – jedenfalls
keine über ein bestimmtes Thema. Allerdings sollte man sich die Zeit nehmen,
sich einige JAG-Episoden wirklich aufmerksam anzusehen und statt auf die Handlung
mal darauf zu achten, wie die Personen handeln und sprechen. Beobachtet dabei
auch ihre Körpersprache und typisches Mienenspiel. Die Charakterisierungen
und die Art, wie Dialoge geschrieben werden, sollten wirklich auf der Serie
basieren, sonst ist es keine Fanfiction (siehe Punkt 2: Definition). Die Mimik
des Admirals kann man z.B. nicht auf dieselbe Weise beschreiben wie die von
Harm.
Will man über einen Fall, ein Verhör / Zeugenbefragung oder eine
Gerichtsverhandlung schreiben, sollte man sich vorher genau ansehen / anhören,
wie Personen in solchen Situationen sprechen und agieren. Vor Gericht ist die
Sprache formaler und es gibt bestimmte Formeln und feststehende „Redewendungen“,
die immer wieder vorkommen. Hilfreiche Episoden sind z.B. „Ein Held vor
Gericht“, „Rendezvous mit dem Tod“, „Blutige Entscheidung“ und „Sex
und Disziplin“.
4.2. Struktur & Plot
Thema:
Zu Planung und Struktur ein paar Gedanken von Elke, die ich in dem
Gesagten nur unterstützen kann:
Besonders gut werden nach meinem Eindruck Geschichten, bei denen sich der Autor
recht klar ist, was er mit seiner Geschichte ausdrücken, darstellen oder
erreichen will. Um sich darüber klar zu werden, hilft es vielleicht, wenn
man im Voraus versucht, die neue Geschichte in das oben skizzierte Klassifikationsschema
einzuordnen und zwischendurch überprüft, ob man sich noch im "Zielbereich" befindet.
Planen oder nicht Planen?
Eine Frage, die mir häufig gestellt wird, ist
die, ob ich am Anfang der Geschichte schon weiß, wie sie enden wird.
Die Antwort ist: Ja – aber natürlich habe ich noch nicht den genauen
Wortlaut im Kopf, nur die ungefähre Idee. Beispiel: Wenn ich also über
einen Mordprozess schreibe, so würde ich mir vorher überlegen, wer
der Mörder ist. Ich denke mir schon zu Anfang eine Grundhandlung aus und
bei langen Fanfics (> 50 Seiten; aber was für euch lang ist müsst
ihr selbst wissen) erstelle ich eine Art Gliederung, in der ich wichtige Ereignisse
stichpunktartig in der Reihenfolge, in der ich sie erzählen will, aufliste.
Das ist jedoch Geschmackssache und bleibt jedem selbst überlassen.
Raten würde ich nur, vorher einen ungefähren „Grundriss“ von
der Geschichten im Kopf zu haben. Auf diese Weise weiß man immer, wohin
das, was man da gerade schreibt, eigentlich führen soll und vermeidet,
dass man am Schluss die ganze Geschichte umschreiben muss, weil sonst nichts „passt“.
Vielleicht trägt es auch dazu bei zu verhindern, dass man – gerade
als „Anfänger“ – nach den ersten beiden Szenen dasitzt
und nicht mehr so recht weiter weiß.
Wie lang soll meine Story sein?
Diese Frage kann man nicht allgemeingültig
beantworten. Auf jeden Fall sollte die Geschichte nicht zu langatmig sein,
aber es sollten auch keine wesentlichen Dinge fehlen. Zur Orientierung: Ein
Buch besteht durchschnittlich aus 90.000 bis 125.000 Wörtern und jede
Szene ist durchschnittlich 1.000 bis 5.000 Wörter lang.
Plot: Plot ist die Struktur der Ereignisse in einer Geschichte und die kausale
Beziehung zwischen ihnen. Alle Ereignisse der Geschichte sollten wie eine Kette
miteinander verbunden sein, wobei jedes Ereignis die Folge des vorigen Ereignisses
und die Ursache des folgenden Ereignisses ist. Plotting bedeutet, Verbindungen
zwischen Ereignissen zu erschaffen und sie in der richtigen Reihenfolge anzuordnen.
Die Ereignisse sollten natürlich und unausweichlich aufeinanderfolgen
und auseinander hervorgehen.
Jedes Element (Namen, Ereignisse, Orte, Handlungen etc.) sollte nicht zufällig
sein, sondern eine Bedeutung haben. Man sollte sich immer fragen: Warum dieser
Ort/Name/Dialog etc. und nicht ein anderer? Jede Szene sollte mindestens einen
Zweck erfüllen: den Plot vorwärtsbewegen oder eine Person charakterisieren.
Bevor man eine Szene schreibt, sollte man wissen, warum sie überhaupt
geschrieben werden muss – welche Information enthält sie, die der
Leser braucht, oder welche Eigenschaft der Figuren wird enthüllt? Wenn
der Leser die Szene überspringen kann, ohne etwas Wesentliches zu verpassen,
sollte man die Szene löschen oder umschreiben.
Jede Geschichte hat 3 Teile: Anfang, Mitte und Schluss. Wissen wir ja alle,
aber sehen wir uns das noch mal etwas genauer an:
Der Beginn:
Ein guter Anfang ist wichtig. Er bestimmt, ob der Leser weiterliest
oder nach einer anderen Geschichte sucht.
Der Beginn sollte: ·
- Die Hauptperson(en) einführen
- Das Setting und die Zeit einführen: Kümmere dich also um das Wo, Wer,
Wann, Wie und Warum der Situation. Diese Fragen sollten in den ersten paar
Seiten beantwortet werden.
- Eine Krise oder ein Problem einführen
- Die
Neugierde des Lesers wecken mit etwas Ungewöhnlichem, Überraschendem
(„narrative hook“)
Es ist wichtig, den Leser gleich am Anfang zu fesseln. Um den Leser neugierig
zu machen und ihm zum Weiterlesen zu bringen, kann man mit einem „Hook“ beginnen,
d.h. einem Haken, der sich die Aufmerksamkeit des Lesers „angelt“.
Das bedeutet nicht unbedingt, dass man mit einem Mord, explodierenden Gebäuden
oder Actionszenen beginnen muss – ganz im Gegenteil: Es ist eher unratsam,
mit einer Actionszene zu beginnen, denn der Leser kennt die Hauptperson noch
nicht gut genug, so dass es ihm egal ist, ob der Hauptperson etwas geschieht
oder nicht.
Ein Hook kann alles sein, was das Interesse des Lesers weckt, etwas Mysteriöses, Überraschendes,
Schockendes. Der Charakter kann gerade dabei sein, etwas ihm völlig Neues
oder etwas Bedrohliches zu tun. Die Geschichte kann in einer Krise beginnen.
Hooks lassen sich auch durch eine interessante Dialogzeilen oder Charaktergedanken
erzeugen.
Auf jeden Fall sollte die Geschichte mitten im Geschehen beginnen. Widerstehe
der Versuchung, dem Leser erst lang und breit zu erklären, wie alles soweit
gekommen ist – die Erklärungen kommen später. Der Leser soll
anfangen, sich Fragen zu stellen: Wer ist diese Person? Warum ist sie in dieser
Situation? Wie geht es weiter? Man sollte der Hauptperson gleich in der ersten
Szene ein Problem zu überwinden, ein Konflikt zu lösen, ein Ziel
zu erreichen geben. Wie sie das tut ist dann der Plot der Geschichte. Eine
Person, die nicht unter Druck steht, erscheint statisch und gibt dem Leser
das Gefühl, dass das ganze Buch langweilig sein wird. Beginne deine Geschichte
also, kurz vor, während oder kurz nach dem verändernden Ereignis,
das das Leben des Charakters aus seinen gewohnten Bahnen wirft und ihn zum
Handeln zwingt.
Anhäufungen von Informationen und seitenlange Beschreibungen der Umgebung
sind keine gute Eröffnung. In den ersten Kapiteln ist es eine gute Faustregel,
dem Leser nie mehr zu verraten, wie er unbedingt wissen muss, um die Spannung
aufrechtzuerhalten.
Man sollte am Anfang nicht zu viele neue Personen einführen, weil das
den Leser nur verwirrt und es ihm erschwert, Sympathien zu entwickeln und sich
mit den Figuren zu identifizieren.
Der Mittelteil:
Hier werden Charaktere, Handlung und Konflikte entwickelt.
Die Mitte der Geschichte kann eine knifflige Angelegenheit sein; hier kann
die Spannung leicht nachlassen. Baue eine unerwartete Wendung der Handlung
ein, eine Enthüllung über die Figuren. Lass den Leser in jedem Kapitel
eine neue, interessante Tatsache entdecken.
Wichtigster Begriff ist hier KONFLIKT! Der Plot besteht aus einer Reihe von
Konflikten / Problemen, die die Charaktere zu überwinden haben. Konflikt
ist der „Motor“ der Geschichte. Wenn alle Probleme gelöst
sind, ist die Geschichte vorbei.
Drei Arten von Konflikten:
- Individuum vs. Selbst = interner Konflikt: Die
Person muss eine Entscheidung treffen. Vielleicht will er zwei Dinge, die sich
gegenseitig ausschließen (Familie vs. Karriere?) oder er muss eine Wahl
treffen zwischen zwei Dingen, die er beide nicht will.
- Individuum vs. Gesellschaft: z.B. der mittellose Junge, der sich in ein Mädchen
aus reicher Familie verliebt und damit gegen gesellschaftliche Normen verstößt
- Individuum vs. Naturgewalten: z.B. ein Kampf ums Überleben.
- Individuum vs. Individuum: z.B. Kommisar vs. Mörder. Konflikt zwischen
zwei Personen kann entstehen durch verschiedene soziale, kulturelle oder religiöse
Hintergründe, verschiedene Überzeugungen, verschiedene Loyalitäten,
gegensätzliche Persönlichkeiten, Altersunterschiede, gegensätzliche
Ziele, gemeinsames Ziel, das nur einer haben kann (Konkurrenz). Der Konflikt
zwischen Charakteren sollte nicht nur ein bloßes Missverständnis sein,
das durch ein Gespräch gelöst werden könnte. Etwas sollte die
Charaktere, zwischen denen ein Konflikt herrscht, zwingen, zusammen zu bleiben.
Sonst könnten sie sich ja aus dem Weg gehen, wenn sie sich nicht mögen.
Sind sie z.B. Geschäftspartner? Verwandt? Müssen zusammen arbeiten,
um ein gemeinsames Ziel zu erreichen? Sitzen sie gemeinsam auf einer Insel, in
einem Flugzeug etc. fest?
Der zentrale Konflikt muss bis zum Geht-nicht-mehr gesteigert werden („Gesetz
der Komplikation“). Die Situation verschlimmert sich immer mehr, bis eine
(friedliche) Lösung kaum noch möglich erscheint – und zwar als
Resultat der Bemühungen der Hauptperson(en). Jede Bemühung, das Problem
zu lösen und das Ziel zu erreichen, soll das Problem vergrößern
oder weitere Probleme schaffen. Jedes gelöste Problem sollte ein anderes,
schwierigeres Problem erzeugen. Alle Probleme sollen irgendwie verbunden sein
(z.B. in Kapitel 5 flieht die Hauptperson in schneebedeckte Berge, um dem Bösewicht
zu entkommen, in Kapitel 6 wird die Hauptperson fast von einer Lawine begraben…).
Innerer und externer Konflikt sollen zusammenhängen: Die Hindernisse, die
verhindern, dass der Charakter sein Ziel erreicht, müssen irgendwie mit
den seinen Schwächen und Fehlern zusammenhängen. Am Ende muss der Held
sich schließlich seinen Ängsten stellen, den inneren Konflikt überwinden,
sich verändert und kann dadurch den externern Konflikt lösen.
Die Lösung des Konflikts muss auf jeden Fall durch die Hauptperson geschehen,
nicht von außen (deus ex machina).
Für jede Szene kann man in der Planung folgendes Raster ausfüllen:
| |
I. |
Inhalt: Kurzer Inhalt der Szene/Kapitel |
| |
II. |
Ziele: Welche Ziele haben die Hauptpersonen in diesem Kapitel? |
| |
III. |
Probleme: Welche Hindernisse blockieren die Erreichung dieser Ziele? |
| |
IV. |
Einsatz: Was steht in der Szene auf dem Spiel? |
| |
V. |
Frühere Konflikte: Welche Konflikte aus früheren Kapiteln
wurden in diesem Kapitel gelöst oder haben sich verändert? Welche
Fragen wurden beantwortet? |
| |
VI. |
Lösungen: Wie kann man diese Probleme lösen? (Muss nicht
in diesem Kapitel geschehen) |
| |
VII. |
Hook: Mit welchen Cliffhanger endet das Kapitel, damit der Leser
unbedingt weiterlesen will? Was erwartet der Leser, was in der nächsten
Szene passiert? |
Spannung erzeugen:
- Um Spannung zu erzeugen, muss man zuallererst dafür sorgen, dass
die Personen und was mit ihnen geschieht dem Leser etwas bedeuten.
- Gib der Hauptperson in jeder Szene ein Ziel und Hindernisse, die
sie davon abhalten, es zu erreichen.
- Spannung entsteht, wenn der Leser will, dass etwas geschieht, es
aber (noch) nicht geschieht. Oder etwas geschieht, von dem der Leser nicht will,
dass es passiert. Der Schlüssel zu Spannung ist, dem Leser nicht das zu
geben, was er will – jedenfalls nicht gleich. Die Spannung muss ständig
erneuert werden.
- Spannung wird durch „Forshadowing“ erzeugt. Erzeuge das
Gefühl, dass eine Gefahr auf die Hauptperson zukommt. Lass die Person eine
Weile in Gefahr. Löse Probleme nicht sofort. Lass die Person die Gefahr
nicht überwinden, ohne sich einer neuen, größeren stellen zu
müssen
- Wenn die Hauptperson am Ende der Szene besser dasteht als zuvor,
sollte man neue Probleme und Wendungen andeuten, um die Spannung zu erhalten.
- Spannungserzeugend wirken auch Deadlines (z.B. 2 Tage Zeit, den Fall
zu lösen), eingebaute Hindernisse wie Verwundungen und das Überwechseln
auf einen parallelen Handlungsstrang gerade am Höhepunkt.
- Spannung wird auch erzeugt, indem man Kapitel / Szenen mit Cliffhangern
beendet. Man beendet die Szene vor ihrem eigentlichen Ende, gerade wenn der Leser
erwartet, dass jetzt das spannende Ereignis geschieht. Zwischen dieser Situation
und ihrer Auflösung liegen andere Szenen mit anderen POV-Charakteren (Subplots).
Am Ende einer Cliffhanger-Szene sollte man die Sätze kürzer, einfacher
machen, um das Tempo zu erhöhen. Der Effekt wird aber geringer, wenn man
jedes Kapitel so endet, deshalb sollte man Cliffhanger nur bei etwa der Hälfte
aller Kapitel verwenden. Ein Cliffhanger muss nicht unbedingt gleich zu Beginn
der nächsten Szene aufgelöst werden, den Leser zappeln zu lassen kann
die Spannung erhöhen.
- Wechsel zwischen verschiedenen Handlungssträngen. Beende eine Szene
an ihrem spannendsten Punkt und wechsle dann zu einer Szene an einem anderen
Ort, mit anderen Personen
- Hat man es mit einem Kriminalfall zu tun, kann man sich eine stimmige
Geschichte ausdenken, sie aber in weniger logischer Reihenfolge enthüllen
und erst am Ende ganz durchschaubar machen. Nach Ausdenken der Mordgeschichte
zum Opfer zurückkehren: wer könnte sonst noch wünschen, dass es
stirbt? Falsche Fährten („Red Herrings“) legen.
Auch unbekannte, räumlich begrenzte (z.B. Schiffsrumpf, Lagerhalle)
oder unübersichtliche (z.B. Karneval) Orte erzeugen Spannung.
- Viele Geschehnisse in kurzer Zeit erhöhen die Spannung.
- Spannungssteigernd sind auch physische Konflikte (Tod, Unfall, Verletzung
der Person, von Verwandten, Freunden etc.); Missverständnisse, Betrug und
Fehlplatzierungen (Ein Charakter ist an einem Ort oder in einer Situation, die
neu und / oder unangenehm für ihn ist, z.B. eine schüchterne Person
auf einer Party).
- Überrasche den Leser! Überleg dir, was du erwarten würdest,
was in einer bestimmten Szene als nächstes geschehen wird. Dann lass das
genaue Gegenteil geschehen.
- Spannung erzeugen kann man durch Verrätselung, durch das Erzeugen
von Ungewissheit und das Zurückhalten von Informationen vor dem Leser. Patricia
Highsmith nennt verschiedene Arten von Geheimnissen:
- Geheimnis des Grundes (Warum geschieht dies / tut die Person das?)
- Geheimnis des Objekts (Was hat es mit diesem Ding auf sich?)
- Geheimnis der Person (Was hat es mit dieser Person auf sich?)
- Geheimnis der Gefahr (Welche Gefahr droht?)
- Geheimnis des Verlaufs (Was wird weiter geschehen?)
- Geheimnis des Orts (Wo befinden wir uns?)
Der Spannungsverlauf innerhalb einer Szene sollte so aussehen: Am Anfang und
am Ende der Szene sollte die Anspannung hoch sein. Am Szenenbeginn wird oft der
Cliffhanger voriger Szenen aufgelöst. Nach jeder Szene sollten die Hauptpersonen
in Gefahr oder emotionaler Anspannung zurückbleiben. Eine Szene sollte nie
alle angeschnittenen Punkte völlig aufklären, sondern immer Fragen
hinterlassen und neugierig auf das Folgende machen. Der Leser sollte mit offenen
Fragen, ungelösten Problemen und Rätseln zurückbleiben, so dass
er weiterlesen muss.
Das Ende:
Höhepunkt des Konfliktes und seine Lösung. Am Ende kommt
es zum letzten großen Konflikt, in dem noch mal alles auf dem Spiel steht.
Alle Red Herrings und Hooks sollten aufgelöst werden. Ein Konflikt ohne
Auflösung („Den Rest kann der Leser sich ja denken“) ist unbefriedigend!
Nach dem Höhepunkt sollte man noch zeigen, was weiter mit den Charakteren
geschieht, damit der Leser sich nicht „hängen gelassen“ fühlt.
Das sollte sich aber nicht zu lange hinziehen, sonst verliert sich die Wirkung
des Höhepunktes.
Eine Möglichkeit, die Geschichte zu beenden, ist die, in der Schlussszene
wieder an den Anfang zurückzukehren. Die Schlussszene kann am selben Ort
spielen wie die Anfangsszene oder bestimmte Themen, Handlungen oder Personen
wieder aufzugreifen. Der letzte Satz kann auch auf Thema oder Titel des Buches
anspielen.
Forshadowing
Vermeide plötzliche unerwartete, unlogische Wendungen der Geschichte.
Wenn irgendwann eine unerwartete Entdeckung gemacht werden soll, dann benutze „Forshadowing“.
Alle wichtigen Elemente sollten vorher irgendwie angekündigt bzw. angedeutet
werden. Man kann nicht plötzlich einen „weißen Hasen“ aus
dem Hut ziehen, um die Hauptperson zu retten.
Die Hinweise sollten natürlich nicht zu offensichtlich sein. Man sollte
nicht zuviel verraten, dem Leser aber eine Ahnung geben, wohin sich die Geschichte
bewegen könnte.
Das beste „Forshadowing“ bringt den Leser schließlich bei der
Enthüllung dazu zu sagen: “Ah, natürlich, klar... aber ich hab
es nicht vorausgesehen.“ Der Trick besteht darin, das entscheidende Element
zuvor so in die Geschichte einzubauen, dass dem Leser nicht sofort seine wirkliche
Bedeutung klar wird.
Das Prinzip lautet: Führe in die Irre, aber lüge nicht! Ein Beispiel
für eine Lüge gegenüber dem Leser sind Geschichten, in denen der
Fall dadurch gelöst wird, dass ganz am Schluss neue Beweise gefunden werden.
Besser ist es, den „Schlüssel“ schon früher in der Geschichte
einzubauen, seine Bedeutung dem Leser aber erst am Ende klarzumachen.
Vermeide “deus ex machina”-Enden, d.h. Lösungen, die von außen
kommen, wie z.B. wundersame Rettungen in letzter Sekunde. Die Hauptpersonen
müssen selbst eine Lösung finden. Zufälle sollten nie für
(höchstens gegen) die Hauptperson arbeiten. Der Charakter muss aktiv an
der Lösung des Konflikts arbeiten; es darf sich nicht von selbst lösen.
5. Das Schreiben
5.1. Allgemeines
Jedem von uns, der nicht gerade als Shakespeare auf die Welt gekommen ist,
stellt sich natürlich die Frage, ob und wie man das Schreiben lernen kann.
Die zwei besten Ratschläge, die ich dazu geben kann sind:
- Schreibe,
schreibe, schreibe! Practice makes perfect.
- Lese. Von gut geschriebenen
Geschichten, aber auch von Fehlern, die andere begehen, kann man viel lernen.
Schau dir Bücher und Fanfics, die du magst, an und frage dich, was dir
daran gefällt: Die Charaktere? Die Handlung? Die Dialoge?
5.2. Der Beginn der einzelnen Szenen
a) Beginn der Geschichte
Im Gegensatz zu dem, was wir so in der Schule übers Geschichten-Schreiben
gelernt haben, schreiben wir nicht für einen Leser ohne Vorwissen, sondern
man darf bei Fanfictions voraussetzen, dass die Leser die Serie und ihre Personen
bereits kennen. Man muss also nicht mehr alles erklären. Eine lange Erläuterung,
was z.B. das JAG-Corps ist, könnte unter Umständen eher langweilig
wirken.
Ich mache es trotzdem oft so, dass ich bei der ersten Nennung der Person nicht
anfange mit „Mac kam aus ihrem Büro...“, sondern mit „Major
Sarah MacKenzie kam aus ihrem Büro ...“ Das ist aber Geschmacks-
und Ansichtssache, denn jeder weiß ja schließlich, wer mit „Mac“ gemeint
ist.
b) Uhrzeit
Anmerkung der Administration: Dieser Teil, der unter anderem auch eine Tabelle
mit einer Auflistung von Zeitzonen enthielt, wurde entfernt. Wer ihn benötigt.
kann ihn in der zum Download angebotenen Datei finden.
c) Ortsangaben
Anmerkung der Administration: Hier entfällt die Aufzählung
der in der Serie JAG gebräuchlichen Orte. Wer sie benötigt, kann sie in der
zum Download angebotenen Datei finden.
5.3. Das Schreiben der einzelnen Szenen
a) Absätze
Innerhalb der Szenen ist es dringend anzuraten, nicht die ganze Story als Fließtext
zu schreiben, sondern den Text in Absätze zu gliedern. Gliederungskriterium
kann zum Beispiel Sprecher/Perspektivenwechsel sein.
Falsch:
„Tun Sie nichts Illegales, Rabb,“ warnte der Admiral. „Wer,
ich?“ entgegnete Harm unschuldig.
Richtig:
„Tun Sie nichts Illegales,
Rabb,“ warnte der Admiral.
„Wer, ich?“ entgegnete Harm unschuldig.
b) Stil
Die sogenannte „KAFKA-Regel“ steht z.B. für:
- Konkret
schreiben: Treffend und anschaulich schreiben; unscharfe Oberbegriffe vermeiden.
Keine abstrakten Wörter.
- Aktiv schreiben: Aktive statt passive
Verbform. Dynamische Verben statt schwerfälliger Substantive.
- Füllwörter
streichen, Floskeln ersetzen
- Kurz schreiben: Kurze Wörter statt «Silbenschleppzüge» verwenden.
Verschachtelte und überfrachtete Sätze vermeiden.
- Adjektive
sparsam verwenden: Lieber ausdrucksstarke Verben verwenden.
Mit bestimmten Wörtern ist es wie mit Gewürzen: Sparsam verwendet
geben sie der Geschichte Würze, zuviel davon kann sie verderben.
Sparsam umgehen sollte man u.a. umgehen mit:
Passivstrukturen:
Besser Aktiv
verwenden.
Beispiel:
Statt „Der Bleistift wurde zerbrochen” „Sie
zerbrach den Bleistift.“
Adjektive:
Manche Autoren leiden an „Adjektivitis“, eine Krankheit,
die sich durch das häufige Benutzen von Adjektiven auszeichnet.
„War(en)“ oder „ist“ / „sind“ sollten
sparsam benutzt werden (Faustregel: nicht mehr als viermal pro 250 Wörter).
Ein einziges ausdrucksstarkes Verb kann besser sein als war / ist + Adjektiv;
man sollte es aber auch nicht übertreiben und zu viele ausdrucksstarke
Verben verwenden.
Beispiel:
Statt „Er war traurig als er über den Flur ging.“ lieber „Mit
gesenktem Kopf schlich er über den Flur.“
Wenn man Adjektive benutzt, sollte man statt subjektiver, behauptender Adjektive
(wie z.B. gut, schrecklich, böse, toll, grauenhaft, fantastisch etc.)
lieber objektive, zeichnende Adjektive (wie z.B. groß, klein, kalt,
trocken, dunkel, schwer etc.) verwenden.
Geh durch den Text und schau dir Stellen an, an denen du zwei oder mehr Adjektive
benutzt hast, um ein Nomen zu beschreiben. Behalte nur das stärkere,
konkretere Adjektiv.
Adjektive sind erlaub, wenn sie (1) unterscheiden („Das blaue Kleid,
nicht das grüne!“), (2) zum Verständnis nötig sind (z.B. „sein
rechtes Auge zuckte“. Ohne das Adjektiv könnte man meinen, es
mit einem Einäugigen zu tun zu haben), (3) werten („Ein sehenswerter
Film!“) oder wenn sie (3) überraschen („Die Königin
fletschte huldvoll die Zähne“).
Adverbien:
Mit Adverbien ebenso sparsam umgehen. Wähle lieber ein Verb
oder Nomen, das die Sache genau trifft.
Beispiel:
Besser „er hastete“ als „er ging eilig“.
Keine unnötigen Adverbien verwenden, wenn das Verb allein genügt.
Beispiel:
Er kritzelte hastig die Zahlen aufs Papier.
‚Kritzelte’ impliziert schon, dass es hastig passiert, das Adverb
ist also unnötig.
Auf keinen Fall in einem Satz mehrere Adverbien verwenden.
Beispiel:
Er erhob
sich hastig und lief unruhig zum Fenster.
Schwache und statische Verben:
Hilfsverben (d.h. Formen von „sein“ und „haben“)
sind schwache Verben. Ebenso statisch wirken Verben wie z.B. sich befinden, liegen,
gehören, es gibt etc. Sie sollten durch lebendige, dynamische Verben ersetzt
werden
Beispiel:
Statt: Auf dem Marktplatz war eine ungeheure Menge.
Besser: Hunderte
von Menschen drängten sich auf dem Marktplatz.
Statt: Ein Pferd läuft über die Brücke.
Besser: Ein Pferd
donnert über die Brücke.
Wer sich schwer tut, solche bildhaften Verben zu finden, kann in einem Synonym-Lexikon
nachsehen (siehe Teil 3 des Writing Guides). Hier folgen einige Beispiele:
Synonyme für „schnell gehen“
breschen, eilen, fliegen, flitzen, galoppieren, hasten, hechten, jagen, joggen,
rasen, rauschen, rennen, sausen, schliddern, schlittern, springen, sprinten,
spurten, stürmen, traben, wetzen, wieseln
Synonyme für „langsam gehen“
auf Zehenspitzen gehen, bummeln, flanieren, sich die Füße vertreten,
gleiten, herumstreifen, hoppeln, hopsen, hüpfen, huschen, krabbeln,
kriechen, latschen, marschieren, spazieren, schleichen, schlendern, schlurfen,
schreiten, stampfen, stapfen, stelzen, steppen, stolzieren, tänzeln,
(auf und ab)tigern, trampeln, treten, trippeln, trödeln, trotten, walzen,
wandeln, wandern, waten, watscheln
Synonyme für „unsicher gehen“
hinken, humpeln, lahmen, pendeln, rutschen, schaukeln, schlenkern, sich schleppen,
schlingern, schliddern, schlittern, schwanken, schwingen, taumeln, torkeln,
wackeln, wanken.
Synonyme für „abbiegen“
abdrehen, einbiegen, einen Bogen machen, einschwenken, um die Ecke biegen
Synonyme für „abwenden“
abkehren, abrücken, umdrehen, umwenden, Rücken zukehren
Synonyme für „anhalten“
befassen, beschäftigen, hantieren, schuften, werkeln
Synonyme für „atmen“
Atem schöpfen, ausatmen, durchatmen, einatmen, einsaugen, hecheln, inhalieren,
keuchen, Luft holen, nach Luft ringen, prusten, röcheln, schnauben,
schnaufen
Synonyme für „aufrichten“
sich aufsetzen, aufstehen, aufstemmen, erheben, emporrichten
Synonyme für „ausmachen“
abdrehen, abschalten, abstellen, ausknipsen, ausschalten
Synonyme für „berühren“
anfassen, anrühren, antasten, antippen, befingern, befühlen, begrapschen,
betasten, betatschen, erfassen, ergreifen, fassen, hinlangen, packen, streicheln.
Synonyme für „binden“
fesseln, flechten, knoten, knüpfen, schlingen, schnüren, zusammenknüpfen
Synonyme für „essen“
beißen, dinieren, einnehmen, einverleiben, ernähren, frühstücken,
futtern, hinunterschlingen, hinunterwürgen, genießen, kauen, knabbern,
konsumieren, kosten, löffeln, mümmeln, nagen, naschen, nibbeln,
picken, picknicken, probieren, schlemmen, schlingen, schlucken, schmausen,
spachteln, speisen, stärken, tafeln, verdrücken, verputzen, verspeisen,
versuchen, vertilgen, verzehren, voll stopfen, zugreifen
Synonyme für „denken“
abwägen, bedenken, in Betracht ziehen, erwägen, sich Gedanken machen,
grübeln, kalkulieren, nachdenken, nachsinnen, reflektieren, sinnen, überlegen, Überlegungen
anstellen
Synonyme für „fahren“
anfahren, ansteuern, in Bewegung setzen, chauffieren, Kurs nehmen auf, lenken,
losfahren, lotsen, starten, steuern
Synonyme für „fallen“
den Halt verlieren, hinschlagen, stolpern, straucheln, stürzen, umkippen,
umknicken
Synonyme für „hören“
akustisch wahrnehmen, horchen, lauschen, ganz Ohr sein, die Ohren spitzen,
zuhören
Synonyme für „lachen“
auflachen, feixen, glucksen, grienen, grinsen, jauchzen, johlen, kichern,
lächeln, lachen, prusten, quietschen, schmunzeln, wiehern
Synonyme für „liegen“
sich aalen, ausstrecken, dehnen, räkeln, rekeln, ruhen
Synonyme für „regnen“
gießen, nieseln, plätschern, prasseln, rieseln, schauern, schütten,
sprühen, in Strömen regnen, tröpfeln
Synonyme für „schlafen“
dösen, einduseln, einnicken, nächtigen, ein Nickerchen machen,
ruhen, schlummern, schnarchen, träumen, übernachten
Synonyme für „schlagen“
balgen, dreschen, hauen, hämmern, kämpfen, keilen, klopfen, knüppeln,
ohrfeigen, pochen, prügeln, raufen, trommeln, vermöbeln
Synonyme für „schreiben“
aufzeichnen, krakeln, kritzeln, Notiz machen, notieren, pinseln, protokollieren,
schmieren, vermerken
Synonyme für „sehen“
anblicken, anstarren, anstieren, äugen, in Augenschein nehmen, im Auge
behalten, ausmachen, Ausschau halten, beäugen, begaffen, begutachten,
bemerken, beobachten, besichtigen, betrachten, blicken, den Blick heften/richten
auf, erkennen, erspähen, fixieren, gaffen, glotzen, gucken, kucken,
lugen, mustern, prüfen, registrieren, schauen, schielen, sehen, sichten,
spähen, starren, studieren, taxieren, wahrnehmen.
Synonyme für „sitzen“
hinsetzen, hocken, kauern, Platz nehmen, in Sessel sinken, thronen
Synonyme für „strecken“
aufrichten, ausstrecken, biegen, dehnen, lang machen, recken, straffen
Synonyme für „trinken“
bechern, Lippen benetzen, Durst löschen/stillen, sich erfrischen, hinunterspülen,
hinunterstürzen, (ein Glas) kippen, kosten, leeren, nippen, saufen,
schlucken, schlürfen, süffeln, zechen, zuprosten
Synonyme für „zappeln“
flattern, hampeln, kippeln, pendeln, schaukeln, schlenkern, schwingen, strampeln,
wackeln, wippen, zucken
Synonyme für „zeigen“
aufmerksam machen, deuten, weisen
Synonyme für „zittern“
beben, bibbern, flattern, frieren, frösteln, schaudern, schlackern,
schnattern, schlottern, sich schütteln
Ebenso Vorsicht geboten ist bei sogenannten Streckverben wie „Bekenntnis
ablegen“, „in Erwägung ziehen“, „Erkundigungen
einholen“, „Abhilfe schaffen“. Fast immer ist es besser,
stattdessen das kürzere Verb zu verwenden: bekennen, erwägen, erkundigen,
abhelfen etc.
Deskriptoren / Synonyme für Personen:
Man sollte den Namen einer Person
nicht durch ein halbes Dutzend verschiedener Deskriptoren ersetzen, das verwirrt
den Leser nur.
Wähle ein / wenige und bleibe dabei. Die Namen von Charakteren werden
nach einer Weile transparent, man liest flüssig darüber hinweg.
Benutzt man in der Geschichte jedoch ein Dutzend Synonyme für den Namen,
ist das für den Leser verwirrend. Wenn man Harm z.B. abwechselnd als „der
hochgewachsene Mann“, „der Anwalt“, „der Ex-Pilot“, „Macs
Partner“, „der dunkelhaarige Offizier“, „der Navy-Commander“ nennt,
ist dem Leser nicht mehr sofort klar, von wem die Rede ist. Wenn es nicht
einen Zweck erfüllt, sollte man Synonyme nur selten verwenden.
Wenn man solche Bezeichnungen verwendet, dann nur in einem Kontext, in dem
sie Sinn machen (z.B. sollte man Harm nicht als „der Anwalt“ bezeichnen,
wenn er gerade dabei ist, Mac ein romantisches Dinner zu kochen, denn das
ist nicht Teil seines Berufslebens).
Überflüssige / leere Wörter:
Nicht zu viele Wörter benutzen,
um eine Idee auszudrücken. Gibt es redundante Ausdrücke? Nimm das
Wort, das am besten passt, und streiche die anderen.
Füllwörter (gewissermaßen, einigermaßen, richtiggehend,
wirklich, ungemein, irgendwie, fast, auch, eigentlich, sehr, ziemlich…)
haben im Text nichts zu suchen.
Schachtelsätze:
Schachtelsätze sollten vermieden werden. Jeder
Nebensatz, der den Hauptsatz unterbricht, ist misstrauisch zu betrachten.
Das gilt v.a. auch für Relativsätze. Enthält der Einschub
mehr als 12 Silben (Faustregel), sollte er gekürzt oder umgeschriebne
werden.
Beispiel:
„Sie fanden eine Masse, deren Substanz mit einem Überzug
bedeckt war, der den Betrachtern, die erstaunt davor standen, leuchtend rot
erschien.”
Wenn man ein Wort – in diesem Fall die Masse – mit
einem Gerüst aus Relativsätzen beschreiben muss, sollte man besser
ein einzelnes Adjektiv aussuchen und einen Teil der Nebensätze streichen: „Sie
fanden eine Masse, deren Substanz mit einem leuchtend roten Überzug
bedeckt war. Die Betrachter standen staunend davor.“
Klischees:
Bitte mit Klischees wie „Ihr Herz setzte aus“ vorsichtig
umgehen!
Abstraktheit:
„Anwaltssprache“ ist natürlich ziemlich abstrakt,
klar. Aber wenn du eine Szene beschreibst, wähle lieber spezifische,
konkrete Wörter statt abstrakten, z.B. „Eiche“ statt „Baum“.
Einzelbenennungen sind immer besser als Oberbegriffe, z.B. kann man sich
einen Garten, in dem „Brennnesseln und Schachtelhalm“ wuchern,
besser vorstellen als einen Garten, in dem „Unkraut“ wuchert.
Variieren solltest du:
Satzstruktur:
Der Satzbau sollte variieren, z.B.
sollte nicht jeder Satz mit einem Subjekt (Harm, er, sie…) beginnen.
Es kann hilfreich sein, das erste Wort jedes Satzes zu markieren. Beispiel:
Der, Sie, Er, Sie, Als, Sie, Sie, .... Wenn zu viele Sätze z.B. mit
Sie” beginnen, lohnt es sich, sie umzuschreiben. Aufeinanderfolgende
Sätze sollten nicht mit demselben Wort beginnen.
Satzlänge:
Es ist nicht etwa so, dass kurze Sätze besser sind als
lange oder umgekehrt. Man sollte beides benutzen. Beide Satzformen erzeugen
eine verschiedene Atmosphäre, z.B. sollte man in Action-Szenen allzu
lange Sätze eher meiden. Bei der Darstellung von komplexen Zusammenhängen
bieten sich längere Sätze / Satzgefüge an.
Die meisten Autoren verwenden Sätze, die 1-26 Wörter lang sind,
d.h. die Durchschnittslänge ist 13 Wörter. Wenn mehrere Sätze
hintereinander stets dieselbe Länge haben, wird es langweilig.
Länge von Absätzen:
Top-Autoren schreiben Absätze, die 1-13
Zeilen lang sind.
Länge von Kapiteln / Szenen:
Kurze Kapitel können z.B. die Spannung
erhöhen.
Außerdem ist ein Wechsel vorteilhaft zwischen:
- actionreichen
und verweilenden Sequenzen
- gefühlsdichten und gefühlsneutralen
Situationen
- witzigen und ernsten Szenen
- Hauptplot und
Nebenhandlung
Beim Satzbau ansonsten zu beachten:
Hauptsachen gehören in Hauptsätze;
Nebensachen in Nebensätze! Die wichtigste Aussage gehört in den
Hauptsatz.
Beispiel:
Statt: Von Pech verfolgt wurde gestern eine Frau von
auswärts,
der die Hinterachse des Handwagens brach, so dass Dünger auf die Straße
fiel.
Besser: Pech hatte gestern eine Frau von auswärts. Als sie ihren mit
Dünger beladenen Handwagen über den Marktplatz zog, brach
die Hinterachse,
so dass die Ladung auf die Straße fiel.
Das stärkste Satzelement gehört ans Satzende, z.B. „Obwohl
er wusste, dass er in Sicherheit war, raste sein Herz.“, „Als
sie nach Hause kam, waren 6 Nachrichten auf ihrem Anrufbeantworter.“
Nebensätze sollen daher meistens angehängt werden: Die Hauptsache
ist gesagt, erläuternde Nebensachen dürfen folgen. Nachgestellte
Nebensätze dürfen länger werden als 12 Silben, sie dürfen
aber nicht beliebig lang werden, da man sonst das Verb am Ende des Satzes
aus den Augen verliert.
Manchmal kann man Nebensätze dem Hauptsatz auch voranstellen. Das ist
besser als ein eingeschobener Nebensatz. Aber auch vorangestellte Nebensätze
dürfen nicht die Hauptsache enthalten (die gehört in den Hauptsatz!),
können aber elegant dazu überleiten.
Beispiel:
Nicht so: „Unsere Koffer waren, als wir in Zürich
eintrafen, weg.“
Aber vielleicht so: „Als wir in Zürich eintrafen,
waren unsere Koffer weg.“
c) Erzählperspektiven
(POV = point of view)
Die Erzählperspektive ist eine mächtige schriftstellerische „Waffe“,
mit der man u.a. die Identifikation des Lesers mit der Hauptperson erreichen
kann, deshalb lohnt es sich, sich mit diesem für Anfänger oft schweren
Thema auseinander zu setzen.
Die Erzählperspektive ist der Standpunkt, von dem die Geschichte erzählt
wird; sie ist so etwas wie ein Maß der Distanz, mit dem man kontrollieren
kann, wie viel und welche Informationen der Leser erhält. Der POV-Charakter
ist die „Kameralinse“, durch die der Leser die Geschichte betrachtet.
Ein allwissender Erzähler erlaubt den weitesten Blickwinkel, die 1.Person-Erzähltechnik
den engsten. Jede Erzählperspektive hat ihre Vor- und Nachteile.
Erste Person / Ich-Erzähler (first person POV):
Eine an der Handlung teilnehmende Person erzählt die Geschichte, entweder
die Hauptfigur oder eine Nebenfigur, die sie gut kennt. Alles wird aus der
Sicht eines Ich-Erzählers beschrieben (Augenzeugenbericht), i.d.R. aus
Sicht der Hauptperson. Der Leser weiß und fühlt nur, was die Hauptperson
fühlt und denkt.
Diese Erzählform wird nicht oft benutzt, meines Wissens gibt es kaum
eine JAG-Fanfic, die in der ersten Person geschrieben wurde (korrigiert mich
bitte, wenn ich mich irre). In Star-Trek-Geschichten vermutlich etwas häufiger
(Logbücher). Wer eine gute Ich-Form-Geschichte lesen möchte und
nicht vor den X-Files zurückschreckt, dem empfehle ich „Dance
without sleeping“.
Vorteile:
- Identifikation mit der Person fällt dem Leser leichter.
- Es passiert seltener, dass der Autor versehentlich die Erzählperspektive
wechselt.
- Man kann „lügen“, den Leser täuschen.
Was der Charakter sagt, muss nicht wirklich so passiert sein, sondern ist
eine subjektive Ansicht.
Nachteile:
- Die Informationen, die man an den Leser weitergeben
kann, sind beschränkt.
Der Leser weiß nur, was der Erzähler
weiß, sieht, hört etc., nicht aber andere Personen.
- Man kann nur Szenen schreiben, in der der Erzähler / POV-Charakter vorkommt.
- Die Spannung kann vermindert werden, weil klar ist, dass der Protagonist die Geschichte überlebt.
- derCharakter, nicht der Autor erzählt
die Geschichte, d.h. sie sollte seine Persönlichkeit, Wortwahl, Lebenseinstellung
etc. reflektieren, nicht die des Autors.
- Da die erzählende
Person sich selbst nicht von außen sieht, ist mehr schriftstellerisches
Geschick für eine Beschreibung des Aussehens nötig. Die Figur kann
z.B. nicht sehen, wie sie rot wird, sie kann es nur fühlen. Die Person
in einen Spiegel sehen zu lassen, ist meist keine so gute Idee.
Dritte Person (third person POV):
Die meisten Geschichten werden in der dritten
Person (er, sie) geschrieben. Hier unterscheidet man wiederum drei Perspektiven
(euer Deutschlehrer hat das vielleicht anders genannt, aber für den
schreibt ihr die Geschichte ja nicht *g*):
Dritte Person, objektiver Erzähler:
Es wird nur erzählt, was man
durch eine Kamera sehen könnte; nicht jedoch, was die Charaktere fühlen
oder denken. Neutrale Beschreibung von Szenen, außerhalb einer Person,
z.B. Beschreibung einer Landschaft.
Dritte Person, allwissender / auktorialer Erzähler
(omniscient POV):
Der Erzähler ist wie ein „allwissender Gott“, der sieht,
was alle Personen fühlen, tun oder denken. Es kann auch in der Zeit
zurückgegangen werden, um von vergangenen Ereignissen zu berichten.
Beispiel:
Mac ahnte nicht, dass es der schlimmste Tag ihres Lebens
werden würde.
Nachteile:
- Keine so starke Identifikation mit einer Person;
es ist mehr Distanz vorhanden.
- Es ist schwerer, Spannung zu
erzeugen oder dem Leser Information vorzuenthalten.
- Zuviel Perspektivenwechsel
können für den Leser verwirrend sein.
Vorteile:
- Erlaubt dem Leser alles, was sich ereignet, zu sehen.
- Man
kann dem Leser Dinge mitteilen, die die Charaktere (noch) nicht wissen.
- Man kann die Person von außen beschreiben, gleichzeitig aber auch ihre
Gedanken sehen.
Dritte Person, begrenzt allwissender Erzähler (third
person, limited):
Verwendung der„Er“-Form. Es wird aus Sicht einer Figur erzählt.
Der Leser sieht, was eine Person weiß und fühlt. Ist vermutlich
die am meisten benutzte Erzählperspektive (in ca. 90% aller Bücher
und Geschichten).
Vorteile:
- stärkere Identifikation als bei einem allwissenden
Erzähler, da man sich auf eine Person beschränkt..
- Der
Leser weiß nur, was der POV-Charakter weiß. Das hat Vorteile
und kann z.B. dazu dienen, die Spannung zu erhöhen.
- Perspektivenwechsel
sind möglich; sie können die Spannung erhöhen.
Nachteile:
- Der Leser weiß nur, was die „Perspektivenperson“ weiß und
nimmt nur wahr, was die POV-Figur wahrnimmt. Man muss sich im Klaren darüber
sein, was die Figur, aus deren Sicht erzählt wird, wissen kann und was
nicht. Wenn Harm der POV-Charakter der Szene ist, kann man z.B. nicht schreiben: „Die
Vögel zwitscherten lebhaft, aber Harm war zu beschäftigt, um sie
zu hören.“ Der POV-Charakter und damit der Leser kann z.B. nicht
wissen:
- was hinter ihm oder weit entfernt vorgeht. Harm sieht z.B. an der Bar
des McMurphy’s, nicht, was Mac, irgendwo ganz hinten an einem Tisch,
trinkt; man kann es ihn höchstens vermuten lassen.
- was andere Personen
denken oder fühlen (das kann er nur aus dem Verhalten schließen):
Wenn aus Harms Perspektive erzählt wird, ist „Mac zog den Arm
an als habe sie Schmerzen“ besser als: „Mac zog den schmerzenden
Arm an.“
- was die Person, mit der er telefoniert, nebenher tut
- Gefühle aller Charaktere außer dem POV-Charakter sind
dem Leser nicht direkt zugänglich. Wenn also die Szene aus Macs POV
geschrieben ist, kann man nicht sagen „Harm war nervös“,
stattdessen kann man beschreiben, wie Harm auf und ab tigert, an seinem Uniformkragen
nestelt etc., so dass Mac – und der Leser – aus seinem Verhalten
schließen kann, dass er nervös ist.
- Die Figur, aus
deren Sicht erzählt wird, kann sich selbst nicht sehen, daher keine
langen Aussehensbeschreibungen. Physische Merkmale müssen anders erfahren
werden, z.B. durch das Nachfahren einer Narbe mit dem Finger. Ein POV-Charakter,
der sich selbst im Spiegel betrachtet, ist zu klischeehaft.
- Unabsichtliche
Perspektivenwechsel können vorkommen.
Beispiel:
X zitterte vor Zorn, Tränen liefen ihr übers Gesicht. „Raus,” flüsterte
sie, „gehen Sie raus!”
Y ließ sich seine Überraschung über
Xs Verhalten nicht anmerken, er hatte ein ruhiges Abstreiten erwartet und
nicht etwas, was fast an Hysterie grenzte. Mit einem Schulterzucken wandte
er sich ab und ließ die Türe hinter sich zufallen.
Noch immer
zitternd sank X an der Wand nach unten und bedeckte weinend das Gesicht mit
beiden Händen.
Abschnitt 1:
Es ist unklar, wer der POV-Charakter ist. Die Tränen können
von Y gesehen oder von X gefühlt werden.
Abschnitt 2:
Hier ist Y der
POV-Charakter. X kann nicht wissen, welche Reaktion er erwartet hat.
Abschnitt
3:
X hat den Raum verlassen und kann nicht mehr sehen, was Y tut. Es wird
aus Ys Perspektive erzählt.
Wie erzähle ich überzeugend aus der Perspektive eines Charakters?
Alle Elemente einer Szene sollten von der Wahrnehmung und Denkweise des POV-Charakters,
aus dessen Perspektive sie erzählt wird, gefärbt sein. Die Wortwahl
sollte z.B. seinem beruflichen und kulturellen Hintergrund angepasst sein.
Auch Beschreibungen sollen immer durch die Sinne dieser Person erfolgen.
Dabei überlegt man sich, was diese spezielle Person in einem Raum wahrnehmen
würde – ein Musiker würde auf einer Party z.B. zuerst die
Hintergrundmusik bemerken, ein modebewusster Mensch die Kleidung der Gäste
und ein Techniker das Flackern des Lichts über dem Büffet.
Kein „Head Hopping“:
Man kann mehrere POV-Charaktere haben, aber innerhalb einer Szene sollte
die Erzählperspektive nicht wechseln. „Head Hopping” / „POV-Ping-Pong“,
d.h. das Springen von einem POV zum nächsten innerhalb einer Szene,
ist sehr verwirrend für den Leser.
Bevor man eine Szene schreibt, sollte man sich überlegen, aus wessen
Perspektive sie am besten geschrieben werden sollte. Wer wird die interessantesten
Gedanken und Reaktionen haben? Wähle in jeder Szene die Person als POV-Charakter,
die (emotional) am meisten von den Ereignissen betroffen ist.
Je kürzer die Geschichte, desto seltener sollte die Perspektive wechseln.
Der Perspektivenwechsel sollte optisch z.B. durch ein neues Kapitel angezeigt
werden. Dem Leser sollte schon zu Beginn der neuen Szene klar gezeigt werden,
aus wessen Sicht erzählt wird.
In den meisten Geschichten gibt es mehr als einen POV-Charakter; die Perspektive
kann – und sollte vielleicht sogar – innerhalb der Geschichte
wechseln (aber nicht innerhalb derselben Szene!). In eher kurzen Geschichten
sollte man die Anzahl der Personen, aus deren Perspektive erzählt wird,
nicht zu groß werden lassen.
d) Die Entwicklung von Charakteren
Man kann Charaktere / Figuren einteilen in:
- Platzhalter: Sie treten
auf, weil die Geschichte sie braucht, bleiben aber namenlos, z.B. Taxifahrer.
- Nebenfiguren: Sie haben ein kennzeichnendes Merkmal und Namen.
- Hauptfiguren:
Sie stehen im Zentrum der Geschichte. Man sollte nicht zu viele Hauptpersonen
wählen, weil man sie und ihre Beziehungen untereinander und mit den
anderen Figuren sonst nicht komplex und individuell genug entwickeln kann.
Nur eine Hauptperson kann auch schwer sein, weil viele Charakterisierungs-
und Dialogmittel wegfallen. Am üblichsten sind 2-3 Hauptfiguren.
Ein paar Tipps für die Darstellung von Charakteren:
Die ‚guten
Jungs’ (und ‚Mädels’):
Gib der Figur Stärken, aber auch Schwächen (z.B. Arroganz, Unsicherheit,
ein hitziges Temperament etc.), Unsicherheiten, Zweifel, Fehler, schlechte
Angewohnheiten, Dinge, die sie nicht können, und Widersprüchlichkeiten.
Perfekte Menschen gibt es nicht und in Romanen sind sie langweilig (Selbst
Superman hatte Kryptonit!). Charaktere brauchen gute und schlechte Eigenschaften,
um realistisch zu sein. Diese Schwächen sollten im Plot dann eine Rolle
spielen (Die Person muss sie überwinden, um den Konflikt zu lösen
und alles zu einem guten Ende zu bringen).
Gib den Charakteren unerwartete Eigenschaften und Talente. Frag dich, was
die Figur interessant macht. Was unterscheidet sie von anderen? Interessante
Charaktere müssen den Leser überraschen können. Charaktere
dürfen nicht zu vorhersagbar sein. Sie müssen manchmal überraschend
handeln – aber immer nur so, dass es noch glaubhaft ist. Überleg
dir einfach, was das Gegenteil von der Handlung ist, die man in der Situation
erwarten würde.
Die ‚bösen Buben’:
Was macht die Schurken hassens-/verachtenswert? Aus welchen Gründen
begehen sie Verbrechen? Auch die Schurken der Geschichte sollten ein paar
gute Eigenschaften haben (so ist z.B. Hannibal Lecter aus „Schweigen
der Lämmer“ ein Massenmörder, aber auch ein Gentleman). Vermeide
Schwarz-Weiß-Zeichnen: Keine Person ist völlig gut oder völlig
schlecht. Der Bösewicht denkt über sich nicht, dass er böse
ist. Sie tun Böses nicht um des Bösen Willen, sondern weil sie
glauben, dass es ihrer Sache dient.
Konflikte:
Gib der Figur Probleme, die es zu lösen gilt. Bau Hindernisse in die
Geschichte ein, die zeigen, welche Eigenschaften der Person ihr helfen oder
sie behindern. Wie gehen die Charaktere mit Konflikten und widrigen Umständen
um?
Motive:
Gib der Figur ein Motiv (oder mehrere). Was treibt die Person an? Was sind
die Gründe für ihr Handeln? Was will die Person? Liebe, beruflichen
Erfolg, Rache, den Respekt ihres Vaters... Ebenso möchte die Person
etwas vermeiden. Was macht der Person Angst? Schmerz, Krankheit, Armut, eine
Blamage? Eine alte Regel des Geschichtenerzählens ist die, dass der
Protagonist sich dem stellen muss, was er am meisten fürchtet, um das
zu bekommen, was er sich am meisten wünscht.
Entwicklung:
Die Figur sollte im Laufe der Geschichte eine Entwicklung durchmachen.
Biografie:
Erkunde den Hintergrund der Figur: Was ist ihr Beruf? Wo lebt sie? Wie ist
die Beziehung zur Familie? Was für Dinge besitzt sie? Wie sieht ihr
Haus, ihr Büro aus?
Die Figuren müssen eine Vergangenheit haben, die man dem Leser aber
nicht in einem großen Block servieren sollte. Präsentiere die
Charaktere langsam. Im richtigen Leben lernen wir Personen langsam, Stück
für Stück, kennen. Charaktere sollten auf dieselbe Weise eingeführt
werden.
Flashbacks sollen mit Vorsicht und an der richtigen Stelle benutzt werden,
weil sie den Erzählfluss unterbrechen. Man kann den Hintergrund der
Personen auch stückweise, z.B. durch Dialog oder inneren Monolog einfließen
lassen. Wenn man Flashbacks benutzt, sollten sie nicht allzu lange sein.
Kontrastierende Charaktere:
Die Persönlichkeit einer Figur kann man auch verdeutlichen, indem man
ihr eine Person gegenüberstellt, die völlig anders ist. Um z.B.
zu zeigen, wie ruhig eine Person ist, kann man sie einer Person begegnen
lassen, die sehr gesprächig und extrovertiert ist.
Kontraste und Gegensätze zwischen Charakteren, z.B. ihrem sozialen Hintergrund,
ihren Motivationen, Zielen, Werten und Einstellungen, erzeugen Konflikte
und Spannung.
Namen:
Namen sollten zur Person passen, ohne gleich klischeehaft zu wirken. Namen
haben Konnotationen („Nomen est omen“). Wir haben verschiedene
Bilder im Kopf, je nachdem, ob die Person Susanna heißt, Jayne, Marie-Ann
oder Brunhilde.
Gib den Charakteren Namen, die mit verschiedenen Buchstaben anfangen und
nicht zu ähnlich klingen, das hilft dem Leser, sie zu unterscheiden.
Hilfreich ist auch, die Länge der Namen zu variieren. Nenn die drei
männlichen Hauptpersonen also nicht Jack, Jeff und John und ihre Frauen
Betty, Betsy und Patty.
Quellen für Charakter-Namen können sein (siehe auch Teil 3 des
Writing Guides):
- Literaturverzeichnisse (Autorennamen) in Büchern
- Abspann
(Schauspieler/Rollennamen) in Filmen
- Geschichtsbücher
- Telefonbücher
- Die
Bibel · Fernsehzeitschriften
- Bücher mit Baby-Namen
Namen in Fantasy/SF:
Namen sollten einigermaßen aussprechbar und nicht
zu lang sein. Die Namen müssen zur Kultur passen. Die meisten Kulturen
haben bestimmte Namensregeln, z.B. bestimmte Bestandteile von Nachnamen (van,
Mac, ibn etc.) oder Namen, die nur für Männer oder nur für
Frauen sind. Zum Beispiel könnte es bestimmte Endungen für Frauen/Männer-Namen
geben. Häufig haben Namen eine Bedeutung. Personen mit schwierigen oder
langen Namen haben oft Spitznamen.
Physische Beschreibung:
Bei der Beschreibung des Aussehens von Personen sollte man nicht in „Personalausweis“-Beschreibungen
verfallen (Größe, Haarfarbe, Augenfarbe...). Die Größe
einer Person ist erwähnenswert, wenn sie ungewöhnlich (besonders
groß oder klein) oder für die Geschichte oder die Person irgendwie
von Bedeutung ist. Ansonsten sollte man lieber andere Merkmale beschreiben.
Dasselbe gilt für die Haar- und Augenfarbe. Erwähne die interessanten
Dinge.
Welche äußerlichen Merkmale würden einem Fremden zuerst an
der Figur auffallen?
Dies gilt auch für die Beschreibung der Kleidung einer Person: Besser
nur ein hervorstechendes Detail auswählen. Schreibe nicht, als würdest
du einen Vermisste-Person-Bericht ausfüllen!
Die äußerliche Beschreibung nicht zu detailliert machen, aber
auch keine zu großen Lücken lassen. Welche besonderen Merkmale
hat die Person? POV-Charaktere sollten weniger äußere Beschreibungen
haben als alle anderen Figuren, weil die Person sich selbst nicht von außen
sieht. Dies gilt v.a. für die Ich-Perspektive. Szenen, wo sich POV-Charaktere
im Spiegel betrachten, sind selten eine gute Idee.
Bei der Beschreibung sollte man nicht nur auf das äußerliche Aussehen
achten, sondern in erster Linie, wie dieses Aussehen das Verhalten und die
Beziehung zu anderen prägt, z.B. eine Wissenschaftlerin muss ständig
darum kämpfen, ernst genommen zu werden, weil sie wie ein blondes Model
aussieht. Was sagt die Art, wie sich der Charakter kleidet, über ihn
aus?
Statt eine statische Beschreibung des Aussehens ist es besser, möglichst
visuell zu beschreiben, wie eine Person geht, ihre Körperhaltung etc.
(z.B. läuft, als ob er gegen Gegenwind ankämpfen muss; duckt sich
unter Türe hindurch).
Möglichkeiten, eine Figur darzustellen:
- direkte Beschreibung
- Charakterisierung durch äußere
Erscheinung: Ist die Kleidung perfekt gebügelt oder trägt die Person
leger die obersten Knöpfe des Hemdes offen? Körpersprache/Haltung/Bewegungen:
sind sie steif und kontrolliert oder geschmeidig, lässig, ungeschickt?
- Beschreibung / Reaktion anderer Figuren auf die Person
- Charakterisierung durch
Gedanken, Ziele, Motive
- Charakterisierung durch Verhalten: wie
verhält sich die Person?
- Charakterisierung durch Dialog: wie
spricht die Person? Was eine Person sagt, wie sie es sagt etc., verrät
uns viel über die Person. Auch innerer Monolog kann viel über die
Person verraten.
- Charakterisierung durch Milieu und Umgebung:
wie hat die Person ihr Haus eingerichtet? Ist sie ordentlich oder unordentlich?
Show, don’t tell:
Vermeide es, dem Leser zu sagen, wie ein Charakter
ist, sondern lass es ihn durch seine Handlungen selbst herausfinden. Dem
Leser nicht vorschreiben „sie ist attraktiv, warmherzig, ein toller
Mensch“, sondern durch ihre Taten und Worte zeigen, dass sie liebenswert
ist oder die anderen Charaktere auf diesen Charakter reagieren lassen, so
dass der Leser selbst zu diesem Schluss kommen kann.
Charakter-Profile:
Um lebensecht wirkende Charaktere zu erschaffen, erstellen
manche Autoren Charakter-Profile. Charakter-Profile sind besonders in Geschichten
mit mehreren Hauptpersonen und wechselten Erzählperspektiven hilfreich.
Ein Charakter-Profil ist jedoch in erster Linie ein Hilfsmittel für
den Autor, es geht nicht darum, jede einzelne Information über einen
Charakter später irgendwie in die Geschichte einzubauen. Als Autor muss
man alles über einen Charakter wissen, damit man ihn in jeder Situation „typisch“ reagieren
lassen kann. Dabei ist es gleichgültig, ob alle Informationen später
in die Geschichte eingebaut werden oder nicht. Der Autor sollte sie jedoch
beim Schreiben immer im Hinterkopf haben, weil bestimmte Eigenschaften, Ereignisse
und Umstände das Verhalten und Fühlen der Figur beeinflussen, z.B.
reagiert Mac auf Gewalt gegen Frauen ganz anders als jemand, der eine glückliche
Kindheit hatte. Wichtig ist nicht die Auflistung einzelner Hintergrundinformationen,
sondern immer v.a. wie sie sich auf die Person und ihr Verhalten auswirken.
Ein Charakter-Profil könnte z.B. so aussehen:
Grundlegende Fakten:
Name:
Grund/Bedeutung des Namens?
Ist es ein häufiger oder ein ungewöhnlicher
Name?
Gibt der Name das Geschlecht zu erkennen?
Wie schwierig / leicht ist
die Aussprache?
Welche Spitznamen hat die Person? Warum?
Wie möchte
er / sie genannt werden?
Nationalität / ethnische Herkunft:
Wohnort und Adresse:
In welcher Umgebung lebt die Person?
Wie sieht ihre Heimatstadt aus?
Hat
die Person ein eigenes Haus oder mietet sie?
Wie sieht es in ihrer Wohnung
aus?
Welche Dinge in ihrem Haus charakterisieren die Person?
Geburtsort:
Geburtsdatum:
Sternzeichen:
Hobbys:
Wieso hat die Person nicht ein Hobby zum Beruf gemacht?
Wie kam die Person
zu dem Hobby?
Besitz:
Welches Eigentum hat die Person (z.B. Haus, Auto…)?
Was
bedeutet es der Person?
Welches ist der wertvollste Besitz der Person (im
materiellen, aber auch im nicht-materiellen Sinn)?
Beruflicher Hintergrund:
Ausbildung:
Welche Schul- und Berufsausbildung
hat die Person?
Wie beeinflusst das die Person?
Früherer Beruf:
Warum arbeitet er / sie nicht mehr in dem Beruf?
Jetziger Beruf:
Wie kam die Person zu dem Beruf?
Welche Rolle spielt der Beruf für
sie / ihn?
Lieblingsfach in der Schule:
‚Hassfach’ in der Schule:
War er/sie
unbeliebt oder beliebt in der Schule?
Handschrift:
Karrierepläne:
Ansehen
im Berufsleben:
Berufliche Erfolge und Misserfolge:
Gehalt:
Einstellung zu
Geld:
Sozioökonomischer Status:
Mit welchem Status wuchs die Person auf?
Welchen Status hat sie jetzt?
Verantwortung:
Welche Verantwortlichkeiten hat die Person? (z.B. Familie,
Beruf, Militär).
Wie beeinflusst das die Person?
Physische Merkmale:
Geschlecht:
Ist die Person männlich oder weiblich?
Wie beeinflusst das die Person?
Größe:
Wie groß ist die
Person und wie beeinflusst das ihr Verhalten? (z.B. unsicher, selbstbewusst,
abwehrend)
Gewicht:
Wie viel wiegt die Person; wie ist sie gebaut und wie
beeinflusst das ihr Verhalten? (z.B. stolz, selbstbewusst, schüchtern
etc.)
Alter:
Wie alt ist die Person?
Wie beeinflusst das ihre Persönlichkeit?
(z.B. verwöhnt, un-/geduldig, un-/erfahren, selbstbewusst)
Wie alt wirkt
die Person?
Wie alt fühlt sich die Person?
Gesichtszüge:
Was fällt besonders auf (z.B. kantiges Kinn, buschige
Augenbrauen etc.)?
Welchen Eindruck gewinnt man?
Hautfarbe:
Augen:
Welche
Augenfarbe hat die Person?
Trägt die Person eine Brille oder Kontaktlinsen?
Wie beeinflusst das die Person?
Haare:
Welche Haarfarbe hat die Person?
Wie
trägt die Person ihr Haar?
Hat die Person einen Bart?
Schuhgröße:
Händigkeit: Ist die Person Rechts- oder Linkshänder?
Besondere Merkmale:
Was fällt auf den ersten Blick auf?
Gesundheit /
Behinderungen:
Hat die Person physische Behinderungen?
Hat die Person psychische
Störungen?
Hat die Person Narben?
Hat die Person alte Verletzungen,
die sie beeinträchtigen?
Hat die Person sonstige Gesundheitsprobleme
(z.B. Diabetes, Asthma etc.)?
Wie beeinflusst das die Person?
Kleidung:
Wie kleidet sich die Person zuhause?
Was trägt sie im Berufsleben?
Trägt die Person Schmuck?
Typische Gesten / Körpersprache:
Hat
die Person typische Gesten?
Was ist ihre typische Körperhaltung (steif,
aufrecht, lässig)?
Wenn sie sitzt, benötigt sie dann eine Menge
Raum (ausgestreckte Beine und Arme…) oder bleiben Arme und Beine dicht
beim Körper?
Wie bewegt sich die Person (z.B. langsam, ungelenk, elegant)?
Sprachmuster:
Welche Sprache ist die Muttersprache der Person?
Welche Fremdsprachen
spricht sie?
Welche Merkmale hat die Sprache der Person, z.B. Akzent, Slang,
Dialekt, Wiederholungen, geübter Sprecher etc.
Wie klingt ihre Stimme?
Hat die Person Wörter/Phrasen, die sie häufig benutzt?
Spricht
die Person viel?
Einstellung zum eigenen Aussehen:
Was mag die Person an
ihrem Äußeren?
Was mag die Person nicht an ihrem Äußeren?
Persönlichkeit:
Selbstbild:
Wie sieht die Person sich selbst?
Fremdbild:
Wie wird die Person von anderen gesehen?
Portraitiertes Fremdbild:
Wie möchte
die Person gesehen werden?
Wie glaubt die Person, dass andere sie / ihn sehen?
Auftreten:
Wie selbstbewusst / unsicher ist die Person?
Ängste:
Was
will die Person unbedingt vermeiden? Warum?
Was tut die Person um dies zu
vermeiden?
Was war ihre größte Enttäuschung?
Hat die Person
Phobien?
Ziele, Motive:
Was möchte die Person unbedingt haben / erreichen?
Was würde die
Person gerne in ihrem Leben ändern?
Was war ihr größtes Erfolgserlebnis?
Eigenschaften:
Welche Persönlichkeitseigenschaften sind besonders typisch
für die Person und wie prägen sie ihr Verhalten? (z.B. schüchtern,
verantwortungsbewusst, ehrlich)
(An-)Gewohnheiten:
Welche besonderen Angewohnheiten hat die Person (z.B. Fingernägel kaufen,
Haare mit den Fingern zurückkämmen)?
Gegen welche Angewohnheiten
kämpft die Person schon seit Jahren vergebens?
Raucht die Person? Trinkt
sie Alkohol?
Welche Zu-Bett-geh-Rituale hat die Peson?
Ist er/sie ein Tag-
oder Nachtmensch?
Wann steht er auf?
Wann geht er zu Bett?
Hält sich
die Person viel im Freien auf?
Vorlieben:
Welche Vorlieben hat die Person?
Welche Musik mag sie?
Was ist ihr bevorzugtes
Getränk / Speisen?
Mag sie Tiere?
Mag sie Kinder?
Lieblingsfarbe?
Lieblingstier?
Hat Person ein Haustier?
Lieblingsbuch?
Lieblingsfilm?
Welches Auto fährt
die Person?
Sammelt der Charakter irgendetwas?
Welche Sportarten macht die
Person?
Welche Musikinstrumente spielt die Person?
Kann die Person singen?
Abneigungen:
Was mag die Person überhaupt nicht?
Was hasst sie?
Welche
Nahrungsmittel mag sie nicht?
Schwächen:
Was ist der größte
Fehler der Person (z.B. Unpünktlichkeit, Arroganz)?
Was kann die Person
nicht?
Stärken:
Was ist die beste Eigenschaft der Person?
Was mögen
andere am meisten an ihr?
Talente / Fähigkeiten:
Welche besonderen Fähigkeiten
und Talente hat die Person?
Wie beeinflusst das die Person?
Temperament:
ist die Person introvertiert oder extrovertiert?
Ist sie temperamentvoll
oder ruhig?
Emotional oder eher rational?
Pessimist/Optimist?
Emotionen:
Welche Gefühle sind am typischsten für die Person?
Welche lässt
er / sie am ehesten zu und welche nicht?
Was macht die Person wütend?
Was bringt sie zum Lachen und was zum Weinen?
Was macht die Person, wenn
sie nervös ist?
Was macht die Person, wenn sie gelangweilt ist?
Was
macht die Person verlegen?
Hat die Person Stimmungsschwankungen?
Wie zeigt
die Person Zuneigung/Liebe?
Weint die Person manchmal?
Kann sich die Person entschuldigen?
Wie geht die Person mit Problemen um?
Wie geht die Person um mit Wut / Traurigkeit / Veränderungen / Verluste?
Soziale Aspekte:
Bedeutung von Familie:
Wie interagiert er / sie mit den
Familienmitgliedern?
Wie wichtig sind die Familienmitglieder für die
Geschichte?
Welchen Familientraditionen fühlt sich die Person verpflichtet?
Gegen welche Familientraditionen kämpft die Person an?
Wer ist die wichtigste
Person in seinem/ihrem Leben?
Familienstand:
Ist die Person verheiratet? Ledig? Verwitwet?
Geschieden?
In einer festen Beziehung?
Eltern:
Wo lebt die Familie?
Name und Beruf der
Mutter:
Beziehung zur Mutter:
Name und Beruf des Vaters:
Beziehung zum Vater:
Geschwister:
Hat er / sie Geschwister?
Name, Beruf, Alter, Kinder und Partner
der Geschwister
Wie versteht die Person sich mit welchen Geschwistern?
Welchen
Einfluss hatte die Geburtenreihenfolge auf die Person (z.B. als Ältester
musste er früh Verantwortung tragen oder sie ist die verwöhnte
Jüngste)?
Altersabstand zwischen den Geschwistern?
Sonstige wichtige Familienmitglieder:
Kinder? Großeltern? Sonstige
Verwandte?
Kindheit:
Wie und wo ist die Person aufgewachsen?
Welche Kindheitserlebnisse
prägen die Person?
Frühere Beziehungen:
Welche Beziehungserfahrungen
hat er / sie früher gemacht?
Ex-Partner?
Warum ist er / sie nicht mehr
mit dem früheren Partner zusammen?
Momentane Beziehung:
Wie haben sie
sich kennen gelernt?
Freunde:
Hat die Person Freunde?
Wer sind sie (Name, Beruf etc.)?
Wie
sind die Freundschaften entstanden?
Wie interagiert er / sie mit den Freunden?
Feinde:
Wie ist die Feindschaft entstanden?
Haustiere:
Wie kam die Person
zu dem Haustier?
Soziales Verhalten:
Wie gesellig ist die Person?
Wie verhält
sich die Person gegenüber der Familie?
Wie verhält sich die Person
gegenüber Freunden?
Wie verhält sich die Person gegenüber
Fremden?
Berührt die Person andere oder vermeidet sie es?
Wie verhält sich die Person im Privatleben und wie im Beruf?
Wie verhält
sie sich gegenüber Vorgesetzten, Gleichgestellten und Untergebenen?
Ist die Person ein Anführer oder ein Gefolgsmann?
Religiöser Hintergrund:
Glaubt die Person an Gott?
Welche Rolle spielt
Religion in seinem Leben?
Rolle der Person für die Geschichte:
Rolle im Gesamtbild:
Welche Rolle
spielt die Person (Hauptperson, Feind, Partner)?
Beziehungen:
Beziehung zu
den anderen Hauptpersonen
Entwicklung:
Wie verändert sich die Person im Lauf der Geschichte?
e) Show, don’t tell
(Zeigen, nicht nur behaupten)
Ein wichtiges Prinzip ist, nicht nur zu erzählen („tell“),
was passiert, sondern es tatsächlich zu zeigen („show“),
mit Handlung und Dialog. Was bedeutet das?
Ganz einfach:
Zum einen solltest du nicht nur eine Inhaltsangabe von den
Geschehnissen geben.
Anstatt nur kurz ein früheres Ereignis zu nennen,
kann man es in einem Flashback zeigen oder eine eigene Szene daraus machen.
Wenn Harm Mac z.B. erzählt, wie Chegwidden auf etwas reagiert hat, könnte
es interessanter sein, tatsächlich zu zeigen, was der Admiral gesagt
/ getan hat.
Handlungen sprechen oft für sich und zeigen manchmal besser, wie jemand
sich fühlt.
Beispiel:
„Harm erzählte Mac von der Veranstaltung und sie beschloss,
ebenfalls teilzunehmen. Sie kam sogar vor ihm an und sie diskutierten darüber,
was das zu bedeuten hatte.“
Das ist doch nicht sehr anschaulich, oder? Stattdessen könnte man in
wörtlicher Rede angeben, was genau Harm Mac erzählte und wie, mit
welchen Worten, sie Macs frühe Ankunft diskutierten.
„Showing“ bedeutet außerdem, dass man etwas so anschaulich
beschreiben sollte, dass man es fast sehen kann. Versuche, die Beschreibungen
so konkret, sinnlich und bildhaft wie möglich zu machen. Abstrakte Wörter
sollte man vermeiden und so konkret und spezifisch wie möglich schreiben,
z.B. statt „Sie war wunderschön“ sollte man besser ihre
Augen oder ihr Haar beschreiben. Der Leser soll sehen können, was vor
sich geht. Liefere keine Deutungen, sondern überlass es dem Leser selbst,
die Schlussfolgerung aus dem Beschriebenen zu ziehen.
Beispiel I:
„Ich habe die Akten, die Sie wollten,“ sagte Bud.
Er trug einen Stapel Papier. vs.
„Ich habe die Akten, die Sie wollten,“ sagte
Bud. Er schielte über einen hohen Stapel Papier, den er auf den Armen
balancierte. Einige Blätter segelten zu Boden.
Beispiel II:
Telling:
Sie kochte sich einen Tee.
Showing: Sie füllte den Teekessel mit Wasser,
schob ihn auf den Herd und summte vor sich hin, während sie dem Brodeln
und Pfeifen des Kessels zuhörte.
Wie du siehst, nimmt das Zeigen mehr Platz ein als das Behaupten.
Zeige dem Leser, wie die Charaktere sich fühlen, erzähle
es nicht nur.
„Er war wütend” soll ersetzt werden von Beschreibungen,
wie die Person die Fäuste ballt etc. Man soll dem Leser nicht *sagen*,
dass jemand ängstlich, wütend, nervös etc. ist, sondern es
*zeigen* durch z.B. wütende Worte, wütendes Verhalten und wütendes
Aussehen. Der Leser soll eigene Schlussfolgerungen ziehen können, er
soll Augenzeuge sein, weil ihn das in die Geschichte hineinzieht.
Beispiele:
Mac sah verärgert aus. vs. Mac warf mit einem
verärgerten
Schnauben den Stift weg und klatschte die Akte auf den Tisch.
Bud war glücklich. vs. Bud sprang strahlend
von seinem Stuhl auf, wedelte mit seinen Prüfungsergebnissen
und umarmte Harriet.
Einige hilfsreiche Gefühle und Verhaltensweisen könnten z.B.
sein:
Angst:
räuspern, pfeifen, rauchen, sich am Ohr zupfen, Hände ringen,
mit Schlüssel klimpern, Fingernägel kauen, rumzappeln, Lippen anfeuchten,
Zittern, Blinzeln, schnelles Atmen, angespannte Schultern, feuchte Handflächen.
Frustration:
geballte Hände, mit Hand durch Haare fahren, sich den
Nacken reiben, Hände ringen.
Offenheit:
Lächeln, Blickkontakt,
offene Handflächen, nach vorne lehnen, Jacke aufknöpfen, sich jemandem
zudrehen.
Abwehr:
verschränkte Arme, Lippen zusammenpressen, kein Blickkontakt
Wut:
Wangenmuskeln
spielen, zusammengebissene Zähne, Hände in die
Hüften gestemmt, Kopf ruckt herum, geballte Fäuste, Stirnrunzeln,
zusammengekniffene Augen, zusammengepresste Lippen.
Ekel, Verachtung:
Mund
verziehen, verengte Augen, Kopfschütteln, Grimasse schneiden
Aber auch „Telling“ hat seinen Platz:
Zuviel “Showing” kann
auch schlecht sein, weil es den Leser u.U. mit zuviel unwichtigen, uninteressanten
Details überwältigt, wenn z.B. genau beschrieben wird, wie eine
Person sich anzieht und zur Arbeit fährt. Wie jemand wohin kommt, ist
langweilig (außer die Reise ist das Thema). Beschreibungen von Bus-,
Zug-, Autofahrten oder Flügen nur beschreiben, wenn sie wirklich wichtig
sind. Stattdessen sollen solche Handlungen in einem kurzen Satz zusammengefasst
werden. Immer dann, wenn ein Ereignis oder eine Handlung völlig unwichtig
ist oder etwas ist, was der Leser schon weiß, sollte man sie nicht
durch „Showing“ betonen.
f) Dialoge
Ein wichtiges und oft heikles Thema. In diesem Abschnitt werde ich nur ein
paar allgemeine Dinge zu Dialogen sagen; wie man die Zeichensetzung handhabt
folgt im nächsten Abschnitt.
Um das Schreiben von Dialogen zu üben, kannst du dir ansehen, wie die
Dialoge in guten Büchern oder Fanfics gestaltet wurde oder schreib dir
probeweise mal ein Transkript von einem Dialog aus einer JAG-Episode.
Wenn man Dialoge schreibt, sind vor allem vier Dinge zu beachten:
Die Dialoge sollten nicht zu formal sein, sondern sich
natürlich „anhören“.
Dialoge sollten authentisch klingen. Wenn man spricht, verwendet man keine „Schrift-Sprache“,
sondern Alltagssprache mit Verkürzungen, Auslassungen und manchmal auch
in unvollständigen Sätzen. Je nachdem, mit wem man sich gerade
unterhält, wird man nicht „Wie wäre es?“ sondern „Wie
wär’s?“ sagen.
Vermeide zu lange Abschnitte, in denen nur eine Person spricht. Die Durchschnittslänge
von Dialog, den eine Person spricht, ist zwei Zeilen. In normalen Gesprächen
unterbrechen sich Personen, antworten, fragen nach etc. Nach 3-4 Zeilen ununterbrochenen
Dialogs sollte man ihn durch Handlungen, Sprecherwechsel oder Gedanken unterbrechen.
Dialog soll kein Frage-Antwort-Frage-Antwort-Spiel sein. Charaktere beantworten
Fragen mit Ablenkungen, Gegenfragen, Vorwürfen etc.
Gedankenstriche oder Punkte (...) können z.B. anzeigen, wenn ein Satz
unterbrochen wird und machen die Unterhaltung lebendiger. Aber bitte sparsam
benutzen.
Beispiel:
„Das kannst du nicht tun! Das ist nicht –
„Fair?“ unterbrach
X, „Wer sagt denn, dass das Leben fair ist?“
Frag dich einfach bei jedem Satz, ob man das in einer Unterhaltung wirklich
so sagen würde. Wichtig ist aber, dass dies nur für die Gespräche,
nicht für den Nicht-Dialog-Teil gilt, dort sollte man in grammatikalisch
korrekten Sätzen schreiben.
Denke daran, dass Menschen atmen, während sie sprechen. Lies dir den
Dialog laut vor. Wenn du dabei außer Atem gerätst, setze Punkte,
unterbrich den Dialog, lass die Personen etwas tun, während sie sprechen.
Beschreibe auch die nonverbale Kommunikation: Gestik, Mimik, Berührungen,
Körperabstand, Blickkontakt. Personen sollten nicht stillsitzen und
nichts tun, während sie sprechen. Bring Bewegung hinein, z.B. lass die
Personen mit einem Kugelschreiber oder dem Telefonkabel spielen.
Dialoge sollte aber wiederum nicht zu natürlich
sein.
Obwohl Dialog
nicht zu formal sein darf, sollte man es mit der „natürlichen
Sprache“ nicht allzu sehr übertreiben. Dialog ist keine exakte
Wiedergabe der Sprechweise realer Personen. Dialog ist eine Annäherung
an wirkliche Sprache.
Nicht jeder Versprecher, jede Abschweifung, jede Wiederholung, jede grammatikalische
Unkorrektheit soll wiedergegeben werden. Bei Unterhaltungen wie „Ähm,
ja, also, das stimmt zwar, mmmh, aber, also...“ schaltet der Leser
ab.
‚Echos’ wie in realer Sprache, gehören nicht in Dialog.
Beispiel:
„Man, bin ich froh, dich zu sehen!“
„Ich bin
auch froh, dich zu sehen.“
Viel zu langweilig. Interessanter Dialog ist häufig oblique. Das bedeutet,
dass Charaktere nicht direkt auf Fragen antworten.
Beispiel I:
„Hi. Wie geht’s dir?“
„Oh, ich hab dich
gar nicht gesehen!“
Beispiel II:
„Hab ich Ihnen schon gesagt,
dass Sie wunderschön aussehen?“
„Darf ich Ihnen meinen
Ehemann vorstellen?“
Dialoge sollten den Persönlichkeiten der Charaktere entsprechen.
Jede Person sollte ihre eigene Sprechweise haben. Sieh dir ein paar Episoden
an und achte darauf, wie Harm, Mac etc. sprechen. Frage dich immer: Würde
Harm / Mac / AJ etc das wirklich und auf diese Weise sagen? Wenn ich einen
Dialog schreibe, versuche ich immer mir vorzustellen, wie die Person (Harm,
Mac...) die betreffenden Worte sagt (Wenn ich es mir nicht vorstellen kann,
stimmt entweder mit meiner Phantasie oder mit dem Satz etwas nicht).
Das Vokabular der Charaktere hängt von ihrem Bildungsstand, Alter, Herkunft
und Beruf ab. Dialog charakterisiert und soll den sozialen und kulturellen
Hintergrund einer Person wiederspiegeln.
Beispiel:
„Dürfte ich Ihren Namen erfahren?“ vs. „Hey,
du da, wie heißt du?“
Jede Person sollte ihr eigenes Sprachmuster haben: Hat er Sprachfehler? Spricht
er um den heißen Brei herum oder bringt er alles sofort auf den Punkt?
Spricht er viel oder wenig? Spricht er in einfachen oder komplexen Sätzen?
Spricht er witzig oder ernst? Macht er häufig Pausen oder unterbricht
sich selbst? Spricht er in abgehackten Sätzen? Welches Vokabular benutzt
er? Verwendet er Fachwörter? Hat er Lieblingswörter oder -ausdrücke,
die er häufig benutzt? Oder gibt es Wörter, die er nie verwendet
(hasst er z.B. Abkürzungen)? Benutzt er Fluch- und Schimpfwörter?
Die Dialoge müssen aber nicht nur zu den Personen, die sprechen, sondern
auch zu den Situationen, in denen sie spr |