Writer's Guide
Der
WG stammt von Sandra Gerth und sie hat ihn uns freundlicherweise zur Verfügung
gestellt, damit noch mehr Autoren von ihm profitieren können. Das Original
findet ihr in dieser Yahoo-Group unter
Files oder ihr könnt ihn auch der Einfachheit wegen über die hier im
Inhaltsverzeichnis angegebenen "Download"-Links herunterladen.
1. Allgemeines zu dieser Anleitung
Verfasser dieser Anleitung
Dieser „Writer’s
Guide“ wurde in erster Linie von Sandra Gerth geschrieben. Zu den Abschnitten über
Dateiformat, Textgestaltung und Planung hat Elke Löschner wertvolle Beiträge
geleistet.
Zur Anleitung selbst
Es gibt keine „beste“ Methode, Fanfics – oder
generell - zu schreiben. Vieles ist Geschmackssache und liegt im Ermessen des
Autors. Es gibt jedoch einige Prinzipien, an die man zumindest kennen sollte.
Ich werde versuchen, ein paar davon darzustellen, aber ihr solltet dabei immer
bedenken, dass es meist nur Richtlinien sind, innerhalb derer man einen gewissen
Spielraum hat. Man kann Geschichten nicht in ein Schema pressen.
Dies hier soll keine „Bibel“ für Autoren sein, sondern ein paar
Tipps und Anregungen von jemandem, der selbst genügend Fehler beim Schreiben
gemacht hat - und noch macht (Wenn ich eines beim Schreiben dieser Anleitung
gelernt habe, dann das!). Wenn jemand Fehler in den nachfolgenden Erklärungen
findet oder wenn ihr Verbesserungsvorschläge, Kritik oder weitere Fragen
habt, dann lasst es mich einfach wissen.
Wichtigste Hauptregel beim Fanfiction-Schreiben ist, Spaß dabei
zu haben!
Dies bitte bei den weiteren Erläuterungen immer im Auge behalten!
(Anmerkung der Administration: In dieser Anleitung wird meist das Fandom der
Serie "JAG
- Im Auftrag der Ehre" als Beispiel verwendet.)
2. Was ist überhaupt Fanfiction?
Klar, wissen wir eigentlich alle, aber hier noch mal eine kurze Definition (von
einer Englischlehrerin *g*): „Fanfiction can be defined as a style of
writing based on an existing novel, television show or comic book.“ Fanfiction
oder Fanfics (kurz: FFs) sind Geschichten (aber auch Gedichte, Skripts oder Lieder),
die Fans über Charaktere und Rahmenbedingungen schreiben, die sie nicht
selbst erschaffen haben, sondern die aus einer TV-Serie, einem Film, Comic oder
Buch stammen.
3. FORMalitäten
3.1. Dateienformat und Textgestaltung
a) Dateityp
In den meisten Archiven sind einfache Textdateien ohne Formatierungsinformationen
erwünscht ("plain text"). Auch in größeren Mailinglisten
empfiehlt sich das Textformat, da es auch in der Digest-Version (alle Mails eines
Tages werden dem Empfänger als eine große E-Mail geschickt) problemlos
angezeigt wird. Inhalte anderer Formate werden nämlich nicht in die Digest-Version übernommen,
was generell auch für E-Mail-Anhänge gilt.
Per Konvention sollten Textdateien einen Namen mit der Endung ".txt" tragen.
Erstellt man den Text nicht mit einem entsprechenden Texteditor wie z. B. "Wordpad", "PFE" o. ä.,
sondern mit einem Textverarbeitungsprogramm wie "MS Word", "Word
perfect" o. ä., so gibt es meist eine Möglichkeit, den Inhalt
beim Speichern als einfachen Text in einer Datei mit der Endung ".txt" abzulegen.
Wenn man hier noch Wahlmöglichkeiten hat, empfiehlt sich die Auswahl von "Nur
Text + Zeilenwechsel".
Die Zeilenlänge in einer Textdatei sollte ca. zwischen 60 und 72 Zeichen
pro Zeile liegen.
Wer auf "Digests" keine Rücksicht zu nehmen braucht und wem "plain
text" zu schmucklos ist, kann auch das HTML-Format verwenden, das von jedem
Webbrowser und von vielen E-Mail-Programmen unterstützt wird. Man kann es
mit einem Texteditor erstellen (etwas mühsam) oder einen speziellen HTML-Editor
benutzen (wie man ihn auch zur Gestaltung von Webseiten verwendet). Textverarbeitungsprogramme
wie "MS Word" bieten heute i. A. auch die Möglichkeit, den Text
als HTML-Datei (Endung ".html" oder ".htm") zu speichern.
Man erhalte sich aber immer auch die Originaldatei im ".doc"-Format
(o. ä. je nach Programm) für nachträgliche Änderungen.
b) Textgestaltung
In Textdateien gibt es keine speziellen Gestaltungsmöglichkeiten. Hervorhebungen
kann man hier z. B. durch GROSSSCHREIBUNG oder *besondere Zeichen* erreichen.
Der Schrifttyp ist z. B. ebenfalls nicht in der Datei kodiert und hängt
also nur davon ab, was beim Leser eingestellt ist. Hinweise zur Textgestaltung
mit Hilfe von Absätzen finden sich weiter unten ("Gliederung innerhalb
der Szenen").
Arbeitet man mit einem Textverarbeitungsprogramm oder HTML-Editor sollte man
auf einfache, klare Textgestaltung Wert legen. Komplizierte Funktionen von "MS
Word" und ähnlichen Programmen werden bei der Konvertierung nach HTML
eventuell verfälscht oder entfallen ganz, da HTML eigentlich nur die Textstruktur,
nicht aber das genaue Aussehen des Textes definiert. Sehr viel hängt dabei
letztlich von den Browser-Einstellungen des Lesers ab. Exotische Fonts, die niemand
auf seinem Rechner hat, werden dann z. B. durch einen Standardfont wie "Roman" oder "Arial" ersetzt.
Schriftattribute wie bold oder italic können aber ohne Bedenken, wenn auch
nicht zu reichlich, verwendet werden.
Generell sollte man sich bei der Gestaltung an das KIS-Prinzip halten: "keep
it simple". Weniger ist oft mehr.
Auf jeden Fall ist auf ein gut lesbares Format zu achten. Stellt im Word-Dokument
die Funktion „Blocksatz“ ein und schreibt nicht im „Fließtext“,
sondern macht regelmäßig Absätze!
3.2. Der „Kopf“ einer
Fanfic
An den Anfang jeder Fanfic gehören folgende Formalien, an die man sich – wenigstens
ungefähr - halten sollte (in Klammer sind optionale Angaben):
Titel:
Autor:
E-Mail:
( Ratings: )
Typ / Kategorie:
( Version: )
Episoden:
Inhalt:
Disclaimer:
Titel, Autor und E-mail-Adresse erklären sich eigentlich von selbst. Anmerkungen
zum Rest:
Ratings:
Das Rating in englischsprachigen Fanfics basiert auf dem amerikanischen
Film-Rating-System. Es wird in deutschen Fanfics kaum verwendet. Trotzdem hier
eine kurze Erklärung.
G: Für Kinder geeignet, enthält keine Kraftausdrücke, Sex oder
Gewalt.
PG: nur gelegentlich ein wenig Gewalt, Küsse oder Flüche, aber nicht
detailliert.
R: enthält Sex, Gewalt und Kraftausdrücke, nicht geeignet
für
Minderjährige.
NC-17: dasselbe wie R in noch stärkerem Ausmaß, nur für Erwachsene
geeignet.
(Anmerkung der Administration: Diese Ratings verwenden wir in unserem Archiv
nicht mehr, da sie dem Copyright der Motion
Picture Association of America unterliegen. Informationen über unsere
Alterskennzeichnung findet ihr in den Richtlinien.)
Typ / Kategorie:
Das Exlibris-Archiv unterscheidet zwischen zwei Schritten:
Schritt 1:
Die Geschichte sollte in eine der folgenden Kategorien passen:
|
C
|
Crossover
|
Benutzt Charaktere von JAG und einer anderen Serie, Film oder Buch. |
|
|
J
|
JAG-Story
|
Enthält hauptsächlich Action und Abenteuer. |
|
|
S
|
Story
|
Konzentriert sich mehr auf Interaktion zwischen den Charakteren als auf
Handlung. Enthält nicht viel Action oder Abenteuer. |
|
|
V
|
Vignette
|
In Ich-Form geschrieben; ein Charakter denkt über etwas nach. Kann
auch Dialog enthalten, aber keine Action / Abenteuer. Für gewöhnlich
sind Vignetten sehr kurz, meist nur eine Szene. |
Schritt 2:
Die Geschichte sollte in eine / mehrere der folgenden Kategorien
eingeordnet werden:
|
R
|
Romance
|
Es sollte angegeben werden, welche Personen beteiligt
sind, z.B. Harm/Meg; Harm/Mac; Mac/andere; AJ/Mac etc. |
|
|
H
|
Humor
|
Humorvolle Geschichte |
|
|
A
|
Angst
|
Die Hauptcharaktere erleben körperliche oder
emotionale Schmerzen; die Geschichte kann traurig oder beängstigend
sein. |
|
|
Ad
|
Adventure
|
Die Geschichte enthält viel Action; die Charaktere
können mit einem Fall beschäftigt sein. |
Wenn eure Geschichte nicht eindeutig in eine der Kategorien passt, ist das
nicht weiter schlimm. Es ist nur als Orientierungshilfe für die Leser
gedacht, weil z.B. nicht jeder gerne „H/M-Romance“ liest.
Version:
meint das Datum der letzten Änderung, z.B. November 2000
Wer
mag, kann auch das Datum der ersten Version permanent stehen lassen, sollte
es mal Streit geben, wer welche tolle Idee zuerst gehabt hat ... Nicht lachen,
das gibt es wirklich!
Episoden / Spoiler:
Bitte die Episoden angeben, auf die in der Fanfic Bezug
genommen wird, z.B. „Amerika wird erpresst“, „Der Verfolger“, „Boomerang,
Teil I“ etc. Wer sich die Spannung nicht verderben lassen will, weiß dann,
dass er die Geschichte besser nicht liest.
Inhalt:
Schreib ein paar Sätze zum Inhalt, die sagen, um was es geht,
den (potentiellen) Leser neugierig machen, aber auch noch nicht zuviel vorwegnehmen.
Disclaimer:
Hier sollte man deutlich machen, dass die Charaktere uns nicht
gehören; etwas in der Art wie: „Alle Rechte an der Fernseh-Serie
JAG und ihren Charakteren gehören Donald P. Bellisario, Belisarius Productions,
CBS und Paramount.“
Wenn man Lieder oder ähnliches in der Geschichte
verwendet, wäre es gut, hier den Verfasser und / oder Sänger zu nennen.
Sonstiges:
Evtl. Anmerkungen, Widmungen und Danksagungen.
4. Vor dem Schreiben
4.1. Recherchen
Vor das Schreiben der Fanfiction selbst hat der „liebe Gott“ eine
gründliche Recherche gestellt. Wenn man vorhat, über ein bestimmtes
Thema zu schreiben, dann sollte man sich vorher darüber informieren. Wer
z.B. keine Ahnung von Medizin und Anatomie hat, sollte vielleicht nicht unbedingt
eine Obduktion beschreiben, ohne sich erst ein wenig kundig zu machen. Am besten
ist es natürlich immer, sich Informationen aus erster Hand zu beschaffen,
aber wer hat schon (um beim Beispiel zu bleiben) immer gleich einen Arzt griffbereit
oder kann mal schnell nach Südamerika reisen, weil ein Teil der Geschichte
dort spielen soll?
Hilfreiche Informationsquellen sind hier Bibliotheken, Büchereien, Bekannte
(z.B. jemand, der denselben Beruf ausübt wie eure Hauptperson) und natürlich
das Internet. Zu Suchmaschinen und sonstigen Infoquellen siehe auch Teil 3
dieser Anleitung („Quellen übers und fürs Schreiben“).
Für manche Fanfics, v.a. solche, die sich auf die Beziehungen zwischen
den Personen konzentrieren, sind keine / kaum Recherchen nötig – jedenfalls
keine über ein bestimmtes Thema. Allerdings sollte man sich die Zeit nehmen,
sich einige JAG-Episoden wirklich aufmerksam anzusehen und statt auf die Handlung
mal darauf zu achten, wie die Personen handeln und sprechen. Beobachtet dabei
auch ihre Körpersprache und typisches Mienenspiel. Die Charakterisierungen
und die Art, wie Dialoge geschrieben werden, sollten wirklich auf der Serie
basieren, sonst ist es keine Fanfiction (siehe Punkt 2: Definition). Die Mimik
des Admirals kann man z.B. nicht auf dieselbe Weise beschreiben wie die von
Harm.
Will man über einen Fall, ein Verhör / Zeugenbefragung oder eine
Gerichtsverhandlung schreiben, sollte man sich vorher genau ansehen / anhören,
wie Personen in solchen Situationen sprechen und agieren. Vor Gericht ist die
Sprache formaler und es gibt bestimmte Formeln und feststehende „Redewendungen“,
die immer wieder vorkommen. Hilfreiche Episoden sind z.B. „Ein Held vor
Gericht“, „Rendezvous mit dem Tod“, „Blutige Entscheidung“ und „Sex
und Disziplin“.
4.2. Struktur & Plot
Thema:
Zu Planung und Struktur ein paar Gedanken von Elke, die ich in dem
Gesagten nur unterstützen kann:
Besonders gut werden nach meinem Eindruck Geschichten, bei denen sich der Autor
recht klar ist, was er mit seiner Geschichte ausdrücken, darstellen oder
erreichen will. Um sich darüber klar zu werden, hilft es vielleicht, wenn
man im Voraus versucht, die neue Geschichte in das oben skizzierte Klassifikationsschema
einzuordnen und zwischendurch überprüft, ob man sich noch im "Zielbereich" befindet.
Planen oder nicht Planen?
Eine Frage, die mir häufig gestellt wird, ist
die, ob ich am Anfang der Geschichte schon weiß, wie sie enden wird.
Die Antwort ist: Ja – aber natürlich habe ich noch nicht den genauen
Wortlaut im Kopf, nur die ungefähre Idee. Beispiel: Wenn ich also über
einen Mordprozess schreibe, so würde ich mir vorher überlegen, wer
der Mörder ist. Ich denke mir schon zu Anfang eine Grundhandlung aus und
bei langen Fanfics (> 50 Seiten; aber was für euch lang ist müsst
ihr selbst wissen) erstelle ich eine Art Gliederung, in der ich wichtige Ereignisse
stichpunktartig in der Reihenfolge, in der ich sie erzählen will, aufliste.
Das ist jedoch Geschmackssache und bleibt jedem selbst überlassen.
Raten würde ich nur, vorher einen ungefähren „Grundriss“ von
der Geschichten im Kopf zu haben. Auf diese Weise weiß man immer, wohin
das, was man da gerade schreibt, eigentlich führen soll und vermeidet,
dass man am Schluss die ganze Geschichte umschreiben muss, weil sonst nichts „passt“.
Vielleicht trägt es auch dazu bei zu verhindern, dass man – gerade
als „Anfänger“ – nach den ersten beiden Szenen dasitzt
und nicht mehr so recht weiter weiß.
Wie lang soll meine Story sein?
Diese Frage kann man nicht allgemeingültig
beantworten. Auf jeden Fall sollte die Geschichte nicht zu langatmig sein,
aber es sollten auch keine wesentlichen Dinge fehlen. Zur Orientierung: Ein
Buch besteht durchschnittlich aus 90.000 bis 125.000 Wörtern und jede
Szene ist durchschnittlich 1.000 bis 5.000 Wörter lang.
Plot: Plot ist die Struktur der Ereignisse in einer Geschichte und die kausale
Beziehung zwischen ihnen. Alle Ereignisse der Geschichte sollten wie eine Kette
miteinander verbunden sein, wobei jedes Ereignis die Folge des vorigen Ereignisses
und die Ursache des folgenden Ereignisses ist. Plotting bedeutet, Verbindungen
zwischen Ereignissen zu erschaffen und sie in der richtigen Reihenfolge anzuordnen.
Die Ereignisse sollten natürlich und unausweichlich aufeinanderfolgen
und auseinander hervorgehen.
Jedes Element (Namen, Ereignisse, Orte, Handlungen etc.) sollte nicht zufällig
sein, sondern eine Bedeutung haben. Man sollte sich immer fragen: Warum dieser
Ort/Name/Dialog etc. und nicht ein anderer? Jede Szene sollte mindestens einen
Zweck erfüllen: den Plot vorwärtsbewegen oder eine Person charakterisieren.
Bevor man eine Szene schreibt, sollte man wissen, warum sie überhaupt
geschrieben werden muss – welche Information enthält sie, die der
Leser braucht, oder welche Eigenschaft der Figuren wird enthüllt? Wenn
der Leser die Szene überspringen kann, ohne etwas Wesentliches zu verpassen,
sollte man die Szene löschen oder umschreiben.
Jede Geschichte hat 3 Teile: Anfang, Mitte und Schluss. Wissen wir ja alle,
aber sehen wir uns das noch mal etwas genauer an:
Der Beginn:
Ein guter Anfang ist wichtig. Er bestimmt, ob der Leser weiterliest
oder nach einer anderen Geschichte sucht.
Der Beginn sollte: ·
- Die Hauptperson(en) einführen
- Das Setting und die Zeit einführen: Kümmere dich also um das Wo, Wer,
Wann, Wie und Warum der Situation. Diese Fragen sollten in den ersten paar
Seiten beantwortet werden.
- Eine Krise oder ein Problem einführen
- Die
Neugierde des Lesers wecken mit etwas Ungewöhnlichem, Überraschendem
(„narrative hook“)
Es ist wichtig, den Leser gleich am Anfang zu fesseln. Um den Leser neugierig
zu machen und ihm zum Weiterlesen zu bringen, kann man mit einem „Hook“ beginnen,
d.h. einem Haken, der sich die Aufmerksamkeit des Lesers „angelt“.
Das bedeutet nicht unbedingt, dass man mit einem Mord, explodierenden Gebäuden
oder Actionszenen beginnen muss – ganz im Gegenteil: Es ist eher unratsam,
mit einer Actionszene zu beginnen, denn der Leser kennt die Hauptperson noch
nicht gut genug, so dass es ihm egal ist, ob der Hauptperson etwas geschieht
oder nicht.
Ein Hook kann alles sein, was das Interesse des Lesers weckt, etwas Mysteriöses, Überraschendes,
Schockendes. Der Charakter kann gerade dabei sein, etwas ihm völlig Neues
oder etwas Bedrohliches zu tun. Die Geschichte kann in einer Krise beginnen.
Hooks lassen sich auch durch eine interessante Dialogzeilen oder Charaktergedanken
erzeugen.
Auf jeden Fall sollte die Geschichte mitten im Geschehen beginnen. Widerstehe
der Versuchung, dem Leser erst lang und breit zu erklären, wie alles soweit
gekommen ist – die Erklärungen kommen später. Der Leser soll
anfangen, sich Fragen zu stellen: Wer ist diese Person? Warum ist sie in dieser
Situation? Wie geht es weiter? Man sollte der Hauptperson gleich in der ersten
Szene ein Problem zu überwinden, ein Konflikt zu lösen, ein Ziel
zu erreichen geben. Wie sie das tut ist dann der Plot der Geschichte. Eine
Person, die nicht unter Druck steht, erscheint statisch und gibt dem Leser
das Gefühl, dass das ganze Buch langweilig sein wird. Beginne deine Geschichte
also, kurz vor, während oder kurz nach dem verändernden Ereignis,
das das Leben des Charakters aus seinen gewohnten Bahnen wirft und ihn zum
Handeln zwingt.
Anhäufungen von Informationen und seitenlange Beschreibungen der Umgebung
sind keine gute Eröffnung. In den ersten Kapiteln ist es eine gute Faustregel,
dem Leser nie mehr zu verraten, wie er unbedingt wissen muss, um die Spannung
aufrechtzuerhalten.
Man sollte am Anfang nicht zu viele neue Personen einführen, weil das
den Leser nur verwirrt und es ihm erschwert, Sympathien zu entwickeln und sich
mit den Figuren zu identifizieren.
Der Mittelteil:
Hier werden Charaktere, Handlung und Konflikte entwickelt.
Die Mitte der Geschichte kann eine knifflige Angelegenheit sein; hier kann
die Spannung leicht nachlassen. Baue eine unerwartete Wendung der Handlung
ein, eine Enthüllung über die Figuren. Lass den Leser in jedem Kapitel
eine neue, interessante Tatsache entdecken.
Wichtigster Begriff ist hier KONFLIKT! Der Plot besteht aus einer Reihe von
Konflikten / Problemen, die die Charaktere zu überwinden haben. Konflikt
ist der „Motor“ der Geschichte. Wenn alle Probleme gelöst
sind, ist die Geschichte vorbei.
Drei Arten von Konflikten:
- Individuum vs. Selbst = interner Konflikt: Die
Person muss eine Entscheidung treffen. Vielleicht will er zwei Dinge, die sich
gegenseitig ausschließen (Familie vs. Karriere?) oder er muss eine Wahl
treffen zwischen zwei Dingen, die er beide nicht will.
- Individuum vs. Gesellschaft: z.B. der mittellose Junge, der sich in ein Mädchen
aus reicher Familie verliebt und damit gegen gesellschaftliche Normen verstößt
- Individuum vs. Naturgewalten: z.B. ein Kampf ums Überleben.
- Individuum vs. Individuum: z.B. Kommisar vs. Mörder. Konflikt zwischen
zwei Personen kann entstehen durch verschiedene soziale, kulturelle oder religiöse
Hintergründe, verschiedene Überzeugungen, verschiedene Loyalitäten,
gegensätzliche Persönlichkeiten, Altersunterschiede, gegensätzliche
Ziele, gemeinsames Ziel, das nur einer haben kann (Konkurrenz). Der Konflikt
zwischen Charakteren sollte nicht nur ein bloßes Missverständnis sein,
das durch ein Gespräch gelöst werden könnte. Etwas sollte die
Charaktere, zwischen denen ein Konflikt herrscht, zwingen, zusammen zu bleiben.
Sonst könnten sie sich ja aus dem Weg gehen, wenn sie sich nicht mögen.
Sind sie z.B. Geschäftspartner? Verwandt? Müssen zusammen arbeiten,
um ein gemeinsames Ziel zu erreichen? Sitzen sie gemeinsam auf einer Insel, in
einem Flugzeug etc. fest?
Der zentrale Konflikt muss bis zum Geht-nicht-mehr gesteigert werden („Gesetz
der Komplikation“). Die Situation verschlimmert sich immer mehr, bis eine
(friedliche) Lösung kaum noch möglich erscheint – und zwar als
Resultat der Bemühungen der Hauptperson(en). Jede Bemühung, das Problem
zu lösen und das Ziel zu erreichen, soll das Problem vergrößern
oder weitere Probleme schaffen. Jedes gelöste Problem sollte ein anderes,
schwierigeres Problem erzeugen. Alle Probleme sollen irgendwie verbunden sein
(z.B. in Kapitel 5 flieht die Hauptperson in schneebedeckte Berge, um dem Bösewicht
zu entkommen, in Kapitel 6 wird die Hauptperson fast von einer Lawine begraben…).
Innerer und externer Konflikt sollen zusammenhängen: Die Hindernisse, die
verhindern, dass der Charakter sein Ziel erreicht, müssen irgendwie mit
den seinen Schwächen und Fehlern zusammenhängen. Am Ende muss der Held
sich schließlich seinen Ängsten stellen, den inneren Konflikt überwinden,
sich verändert und kann dadurch den externern Konflikt lösen.
Die Lösung des Konflikts muss auf jeden Fall durch die Hauptperson geschehen,
nicht von außen (deus ex machina).
Für jede Szene kann man in der Planung folgendes Raster ausfüllen:
| |
I. |
Inhalt: Kurzer Inhalt der Szene/Kapitel |
| |
II. |
Ziele: Welche Ziele haben die Hauptpersonen in diesem Kapitel? |
| |
III. |
Probleme: Welche Hindernisse blockieren die Erreichung dieser Ziele? |
| |
IV. |
Einsatz: Was steht in der Szene auf dem Spiel? |
| |
V. |
Frühere Konflikte: Welche Konflikte aus früheren Kapiteln
wurden in diesem Kapitel gelöst oder haben sich verändert? Welche
Fragen wurden beantwortet? |
| |
VI. |
Lösungen: Wie kann man diese Probleme lösen? (Muss nicht
in diesem Kapitel geschehen) |
| |
VII. |
Hook: Mit welchen Cliffhanger endet das Kapitel, damit der Leser
unbedingt weiterlesen will? Was erwartet der Leser, was in der nächsten
Szene passiert? |
Spannung erzeugen:
- Um Spannung zu erzeugen, muss man zuallererst dafür sorgen, dass
die Personen und was mit ihnen geschieht dem Leser etwas bedeuten.
- Gib der Hauptperson in jeder Szene ein Ziel und Hindernisse, die
sie davon abhalten, es zu erreichen.
- Spannung entsteht, wenn der Leser will, dass etwas geschieht, es
aber (noch) nicht geschieht. Oder etwas geschieht, von dem der Leser nicht will,
dass es passiert. Der Schlüssel zu Spannung ist, dem Leser nicht das zu
geben, was er will – jedenfalls nicht gleich. Die Spannung muss ständig
erneuert werden.
- Spannung wird durch „Forshadowing“ erzeugt. Erzeuge das
Gefühl, dass eine Gefahr auf die Hauptperson zukommt. Lass die Person eine
Weile in Gefahr. Löse Probleme nicht sofort. Lass die Person die Gefahr
nicht überwinden, ohne sich einer neuen, größeren stellen zu
müssen
- Wenn die Hauptperson am Ende der Szene besser dasteht als zuvor,
sollte man neue Probleme und Wendungen andeuten, um die Spannung zu erhalten.
- Spannungserzeugend wirken auch Deadlines (z.B. 2 Tage Zeit, den Fall
zu lösen), eingebaute Hindernisse wie Verwundungen und das Überwechseln
auf einen parallelen Handlungsstrang gerade am Höhepunkt.
- Spannung wird auch erzeugt, indem man Kapitel / Szenen mit Cliffhangern
beendet. Man beendet die Szene vor ihrem eigentlichen Ende, gerade wenn der Leser
erwartet, dass jetzt das spannende Ereignis geschieht. Zwischen dieser Situation
und ihrer Auflösung liegen andere Szenen mit anderen POV-Charakteren (Subplots).
Am Ende einer Cliffhanger-Szene sollte man die Sätze kürzer, einfacher
machen, um das Tempo zu erhöhen. Der Effekt wird aber geringer, wenn man
jedes Kapitel so endet, deshalb sollte man Cliffhanger nur bei etwa der Hälfte
aller Kapitel verwenden. Ein Cliffhanger muss nicht unbedingt gleich zu Beginn
der nächsten Szene aufgelöst werden, den Leser zappeln zu lassen kann
die Spannung erhöhen.
- Wechsel zwischen verschiedenen Handlungssträngen. Beende eine Szene
an ihrem spannendsten Punkt und wechsle dann zu einer Szene an einem anderen
Ort, mit anderen Personen
- Hat man es mit einem Kriminalfall zu tun, kann man sich eine stimmige
Geschichte ausdenken, sie aber in weniger logischer Reihenfolge enthüllen
und erst am Ende ganz durchschaubar machen. Nach Ausdenken der Mordgeschichte
zum Opfer zurückkehren: wer könnte sonst noch wünschen, dass es
stirbt? Falsche Fährten („Red Herrings“) legen.
Auch unbekannte, räumlich begrenzte (z.B. Schiffsrumpf, Lagerhalle)
oder unübersichtliche (z.B. Karneval) Orte erzeugen Spannung.
- Viele Geschehnisse in kurzer Zeit erhöhen die Spannung.
- Spannungssteigernd sind auch physische Konflikte (Tod, Unfall, Verletzung
der Person, von Verwandten, Freunden etc.); Missverständnisse, Betrug und
Fehlplatzierungen (Ein Charakter ist an einem Ort oder in einer Situation, die
neu und / oder unangenehm für ihn ist, z.B. eine schüchterne Person
auf einer Party).
- Überrasche den Leser! Überleg dir, was du erwarten würdest,
was in einer bestimmten Szene als nächstes geschehen wird. Dann lass das
genaue Gegenteil geschehen.
- Spannung erzeugen kann man durch Verrätselung, durch das Erzeugen
von Ungewissheit und das Zurückhalten von Informationen vor dem Leser. Patricia
Highsmith nennt verschiedene Arten von Geheimnissen:
- Geheimnis des Grundes (Warum geschieht dies / tut die Person das?)
- Geheimnis des Objekts (Was hat es mit diesem Ding auf sich?)
- Geheimnis der Person (Was hat es mit dieser Person auf sich?)
- Geheimnis der Gefahr (Welche Gefahr droht?)
- Geheimnis des Verlaufs (Was wird weiter geschehen?)
- Geheimnis des Orts (Wo befinden wir uns?)
Der Spannungsverlauf innerhalb einer Szene sollte so aussehen: Am Anfang und
am Ende der Szene sollte die Anspannung hoch sein. Am Szenenbeginn wird oft der
Cliffhanger voriger Szenen aufgelöst. Nach jeder Szene sollten die Hauptpersonen
in Gefahr oder emotionaler Anspannung zurückbleiben. Eine Szene sollte nie
alle angeschnittenen Punkte völlig aufklären, sondern immer Fragen
hinterlassen und neugierig auf das Folgende machen. Der Leser sollte mit offenen
Fragen, ungelösten Problemen und Rätseln zurückbleiben, so dass
er weiterlesen muss.
Das Ende:
Höhepunkt des Konfliktes und seine Lösung. Am Ende kommt
es zum letzten großen Konflikt, in dem noch mal alles auf dem Spiel steht.
Alle Red Herrings und Hooks sollten aufgelöst werden. Ein Konflikt ohne
Auflösung („Den Rest kann der Leser sich ja denken“) ist unbefriedigend!
Nach dem Höhepunkt sollte man noch zeigen, was weiter mit den Charakteren
geschieht, damit der Leser sich nicht „hängen gelassen“ fühlt.
Das sollte sich aber nicht zu lange hinziehen, sonst verliert sich die Wirkung
des Höhepunktes.
Eine Möglichkeit, die Geschichte zu beenden, ist die, in der Schlussszene
wieder an den Anfang zurückzukehren. Die Schlussszene kann am selben Ort
spielen wie die Anfangsszene oder bestimmte Themen, Handlungen oder Personen
wieder aufzugreifen. Der letzte Satz kann auch auf Thema oder Titel des Buches
anspielen.
Forshadowing
Vermeide plötzliche unerwartete, unlogische Wendungen der Geschichte.
Wenn irgendwann eine unerwartete Entdeckung gemacht werden soll, dann benutze „Forshadowing“.
Alle wichtigen Elemente sollten vorher irgendwie angekündigt bzw. angedeutet
werden. Man kann nicht plötzlich einen „weißen Hasen“ aus
dem Hut ziehen, um die Hauptperson zu retten.
Die Hinweise sollten natürlich nicht zu offensichtlich sein. Man sollte
nicht zuviel verraten, dem Leser aber eine Ahnung geben, wohin sich die Geschichte
bewegen könnte.
Das beste „Forshadowing“ bringt den Leser schließlich bei der
Enthüllung dazu zu sagen: “Ah, natürlich, klar... aber ich hab
es nicht vorausgesehen.“ Der Trick besteht darin, das entscheidende Element
zuvor so in die Geschichte einzubauen, dass dem Leser nicht sofort seine wirkliche
Bedeutung klar wird.
Das Prinzip lautet: Führe in die Irre, aber lüge nicht! Ein Beispiel
für eine Lüge gegenüber dem Leser sind Geschichten, in denen der
Fall dadurch gelöst wird, dass ganz am Schluss neue Beweise gefunden werden.
Besser ist es, den „Schlüssel“ schon früher in der Geschichte
einzubauen, seine Bedeutung dem Leser aber erst am Ende klarzumachen.
Vermeide “deus ex machina”-Enden, d.h. Lösungen, die von außen
kommen, wie z.B. wundersame Rettungen in letzter Sekunde. Die Hauptpersonen
müssen selbst eine Lösung finden. Zufälle sollten nie für
(höchstens gegen) die Hauptperson arbeiten. Der Charakter muss aktiv an
der Lösung des Konflikts arbeiten; es darf sich nicht von selbst lösen.
5. Das Schreiben
5.1. Allgemeines
Jedem von uns, der nicht gerade als Shakespeare auf die Welt gekommen ist,
stellt sich natürlich die Frage, ob und wie man das Schreiben lernen kann.
Die zwei besten Ratschläge, die ich dazu geben kann sind:
- Schreibe,
schreibe, schreibe! Practice makes perfect.
- Lese. Von gut geschriebenen
Geschichten, aber auch von Fehlern, die andere begehen, kann man viel lernen.
Schau dir Bücher und Fanfics, die du magst, an und frage dich, was dir
daran gefällt: Die Charaktere? Die Handlung? Die Dialoge?
5.2. Der Beginn der einzelnen Szenen
a) Beginn der Geschichte
Im Gegensatz zu dem, was wir so in der Schule übers Geschichten-Schreiben
gelernt haben, schreiben wir nicht für einen Leser ohne Vorwissen, sondern
man darf bei Fanfictions voraussetzen, dass die Leser die Serie und ihre Personen
bereits kennen. Man muss also nicht mehr alles erklären. Eine lange Erläuterung,
was z.B. das JAG-Corps ist, könnte unter Umständen eher langweilig
wirken.
Ich mache es trotzdem oft so, dass ich bei der ersten Nennung der Person nicht
anfange mit „Mac kam aus ihrem Büro...“, sondern mit „Major
Sarah MacKenzie kam aus ihrem Büro ...“ Das ist aber Geschmacks-
und Ansichtssache, denn jeder weiß ja schließlich, wer mit „Mac“ gemeint
ist.
b) Uhrzeit
Anmerkung der Administration: Dieser Teil, der unter anderem auch eine Tabelle
mit einer Auflistung von Zeitzonen enthielt, wurde entfernt. Wer ihn benötigt.
kann ihn in der zum Download angebotenen Datei finden.
c) Ortsangaben
Anmerkung der Administration: Hier entfällt die Aufzählung
der in der Serie JAG gebräuchlichen Orte. Wer sie benötigt, kann sie in der
zum Download angebotenen Datei finden.
5.3. Das Schreiben der einzelnen Szenen
a) Absätze
Innerhalb der Szenen ist es dringend anzuraten, nicht die ganze Story als Fließtext
zu schreiben, sondern den Text in Absätze zu gliedern. Gliederungskriterium
kann zum Beispiel Sprecher/Perspektivenwechsel sein.
Falsch:
„Tun Sie nichts Illegales, Rabb,“ warnte der Admiral. „Wer,
ich?“ entgegnete Harm unschuldig.
Richtig:
„Tun Sie nichts Illegales,
Rabb,“ warnte der Admiral.
„Wer, ich?“ entgegnete Harm unschuldig.
b) Stil
Die sogenannte „KAFKA-Regel“ steht z.B. für:
- Konkret
schreiben: Treffend und anschaulich schreiben; unscharfe Oberbegriffe vermeiden.
Keine abstrakten Wörter.
- Aktiv schreiben: Aktive statt passive
Verbform. Dynamische Verben statt schwerfälliger Substantive.
- Füllwörter
streichen, Floskeln ersetzen
- Kurz schreiben: Kurze Wörter statt «Silbenschleppzüge» verwenden.
Verschachtelte und überfrachtete Sätze vermeiden.
- Adjektive
sparsam verwenden: Lieber ausdrucksstarke Verben verwenden.
Mit bestimmten Wörtern ist es wie mit Gewürzen: Sparsam verwendet
geben sie der Geschichte Würze, zuviel davon kann sie verderben.
Sparsam umgehen sollte man u.a. umgehen mit:
Passivstrukturen:
Besser Aktiv
verwenden.
Beispiel:
Statt „Der Bleistift wurde zerbrochen” „Sie
zerbrach den Bleistift.“
Adjektive:
Manche Autoren leiden an „Adjektivitis“, eine Krankheit,
die sich durch das häufige Benutzen von Adjektiven auszeichnet.
„War(en)“ oder „ist“ / „sind“ sollten
sparsam benutzt werden (Faustregel: nicht mehr als viermal pro 250 Wörter).
Ein einziges ausdrucksstarkes Verb kann besser sein als war / ist + Adjektiv;
man sollte es aber auch nicht übertreiben und zu viele ausdrucksstarke
Verben verwenden.
Beispiel:
Statt „Er war traurig als er über den Flur ging.“ lieber „Mit
gesenktem Kopf schlich er über den Flur.“
Wenn man Adjektive benutzt, sollte man statt subjektiver, behauptender Adjektive
(wie z.B. gut, schrecklich, böse, toll, grauenhaft, fantastisch etc.)
lieber objektive, zeichnende Adjektive (wie z.B. groß, klein, kalt,
trocken, dunkel, schwer etc.) verwenden.
Geh durch den Text und schau dir Stellen an, an denen du zwei oder mehr Adjektive
benutzt hast, um ein Nomen zu beschreiben. Behalte nur das stärkere,
konkretere Adjektiv.
Adjektive sind erlaub, wenn sie (1) unterscheiden („Das blaue Kleid,
nicht das grüne!“), (2) zum Verständnis nötig sind (z.B. „sein
rechtes Auge zuckte“. Ohne das Adjektiv könnte man meinen, es
mit einem Einäugigen zu tun zu haben), (3) werten („Ein sehenswerter
Film!“) oder wenn sie (3) überraschen („Die Königin
fletschte huldvoll die Zähne“).
Adverbien:
Mit Adverbien ebenso sparsam umgehen. Wähle lieber ein Verb
oder Nomen, das die Sache genau trifft.
Beispiel:
Besser „er hastete“ als „er ging eilig“.
Keine unnötigen Adverbien verwenden, wenn das Verb allein genügt.
Beispiel:
Er kritzelte hastig die Zahlen aufs Papier.
‚Kritzelte’ impliziert schon, dass es hastig passiert, das Adverb
ist also unnötig.
Auf keinen Fall in einem Satz mehrere Adverbien verwenden.
Beispiel:
Er erhob
sich hastig und lief unruhig zum Fenster.
Schwache und statische Verben:
Hilfsverben (d.h. Formen von „sein“ und „haben“)
sind schwache Verben. Ebenso statisch wirken Verben wie z.B. sich befinden, liegen,
gehören, es gibt etc. Sie sollten durch lebendige, dynamische Verben ersetzt
werden
Beispiel:
Statt: Auf dem Marktplatz war eine ungeheure Menge.
Besser: Hunderte
von Menschen drängten sich auf dem Marktplatz.
Statt: Ein Pferd läuft über die Brücke.
Besser: Ein Pferd
donnert über die Brücke.
Wer sich schwer tut, solche bildhaften Verben zu finden, kann in einem Synonym-Lexikon
nachsehen (siehe Teil 3 des Writing Guides). Hier folgen einige Beispiele:
Synonyme für „schnell gehen“
breschen, eilen, fliegen, flitzen, galoppieren, hasten, hechten, jagen, joggen,
rasen, rauschen, rennen, sausen, schliddern, schlittern, springen, sprinten,
spurten, stürmen, traben, wetzen, wieseln
Synonyme für „langsam gehen“
auf Zehenspitzen gehen, bummeln, flanieren, sich die Füße vertreten,
gleiten, herumstreifen, hoppeln, hopsen, hüpfen, huschen, krabbeln,
kriechen, latschen, marschieren, spazieren, schleichen, schlendern, schlurfen,
schreiten, stampfen, stapfen, stelzen, steppen, stolzieren, tänzeln,
(auf und ab)tigern, trampeln, treten, trippeln, trödeln, trotten, walzen,
wandeln, wandern, waten, watscheln
Synonyme für „unsicher gehen“
hinken, humpeln, lahmen, pendeln, rutschen, schaukeln, schlenkern, sich schleppen,
schlingern, schliddern, schlittern, schwanken, schwingen, taumeln, torkeln,
wackeln, wanken.
Synonyme für „abbiegen“
abdrehen, einbiegen, einen Bogen machen, einschwenken, um die Ecke biegen
Synonyme für „abwenden“
abkehren, abrücken, umdrehen, umwenden, Rücken zukehren
Synonyme für „anhalten“
befassen, beschäftigen, hantieren, schuften, werkeln
Synonyme für „atmen“
Atem schöpfen, ausatmen, durchatmen, einatmen, einsaugen, hecheln, inhalieren,
keuchen, Luft holen, nach Luft ringen, prusten, röcheln, schnauben,
schnaufen
Synonyme für „aufrichten“
sich aufsetzen, aufstehen, aufstemmen, erheben, emporrichten
Synonyme für „ausmachen“
abdrehen, abschalten, abstellen, ausknipsen, ausschalten
Synonyme für „berühren“
anfassen, anrühren, antasten, antippen, befingern, befühlen, begrapschen,
betasten, betatschen, erfassen, ergreifen, fassen, hinlangen, packen, streicheln.
Synonyme für „binden“
fesseln, flechten, knoten, knüpfen, schlingen, schnüren, zusammenknüpfen
Synonyme für „essen“
beißen, dinieren, einnehmen, einverleiben, ernähren, frühstücken,
futtern, hinunterschlingen, hinunterwürgen, genießen, kauen, knabbern,
konsumieren, kosten, löffeln, mümmeln, nagen, naschen, nibbeln,
picken, picknicken, probieren, schlemmen, schlingen, schlucken, schmausen,
spachteln, speisen, stärken, tafeln, verdrücken, verputzen, verspeisen,
versuchen, vertilgen, verzehren, voll stopfen, zugreifen
Synonyme für „denken“
abwägen, bedenken, in Betracht ziehen, erwägen, sich Gedanken machen,
grübeln, kalkulieren, nachdenken, nachsinnen, reflektieren, sinnen, überlegen, Überlegungen
anstellen
Synonyme für „fahren“
anfahren, ansteuern, in Bewegung setzen, chauffieren, Kurs nehmen auf, lenken,
losfahren, lotsen, starten, steuern
Synonyme für „fallen“
den Halt verlieren, hinschlagen, stolpern, straucheln, stürzen, umkippen,
umknicken
Synonyme für „hören“
akustisch wahrnehmen, horchen, lauschen, ganz Ohr sein, die Ohren spitzen,
zuhören
Synonyme für „lachen“
auflachen, feixen, glucksen, grienen, grinsen, jauchzen, johlen, kichern,
lächeln, lachen, prusten, quietschen, schmunzeln, wiehern
Synonyme für „liegen“
sich aalen, ausstrecken, dehnen, räkeln, rekeln, ruhen
Synonyme für „regnen“
gießen, nieseln, plätschern, prasseln, rieseln, schauern, schütten,
sprühen, in Strömen regnen, tröpfeln
Synonyme für „schlafen“
dösen, einduseln, einnicken, nächtigen, ein Nickerchen machen,
ruhen, schlummern, schnarchen, träumen, übernachten
Synonyme für „schlagen“
balgen, dreschen, hauen, hämmern, kämpfen, keilen, klopfen, knüppeln,
ohrfeigen, pochen, prügeln, raufen, trommeln, vermöbeln
Synonyme für „schreiben“
aufzeichnen, krakeln, kritzeln, Notiz machen, notieren, pinseln, protokollieren,
schmieren, vermerken
Synonyme für „sehen“
anblicken, anstarren, anstieren, äugen, in Augenschein nehmen, im Auge
behalten, ausmachen, Ausschau halten, beäugen, begaffen, begutachten,
bemerken, beobachten, besichtigen, betrachten, blicken, den Blick heften/richten
auf, erkennen, erspähen, fixieren, gaffen, glotzen, gucken, kucken,
lugen, mustern, prüfen, registrieren, schauen, schielen, sehen, sichten,
spähen, starren, studieren, taxieren, wahrnehmen.
Synonyme für „sitzen“
hinsetzen, hocken, kauern, Platz nehmen, in Sessel sinken, thronen
Synonyme für „strecken“
aufrichten, ausstrecken, biegen, dehnen, lang machen, recken, straffen
Synonyme für „trinken“
bechern, Lippen benetzen, Durst löschen/stillen, sich erfrischen, hinunterspülen,
hinunterstürzen, (ein Glas) kippen, kosten, leeren, nippen, saufen,
schlucken, schlürfen, süffeln, zechen, zuprosten
Synonyme für „zappeln“
flattern, hampeln, kippeln, pendeln, schaukeln, schlenkern, schwingen, strampeln,
wackeln, wippen, zucken
Synonyme für „zeigen“
aufmerksam machen, deuten, weisen
Synonyme für „zittern“
beben, bibbern, flattern, frieren, frösteln, schaudern, schlackern,
schnattern, schlottern, sich schütteln
Ebenso Vorsicht geboten ist bei sogenannten Streckverben wie „Bekenntnis
ablegen“, „in Erwägung ziehen“, „Erkundigungen
einholen“, „Abhilfe schaffen“. Fast immer ist es besser,
stattdessen das kürzere Verb zu verwenden: bekennen, erwägen, erkundigen,
abhelfen etc.
Deskriptoren / Synonyme für Personen:
Man sollte den Namen einer Person
nicht durch ein halbes Dutzend verschiedener Deskriptoren ersetzen, das verwirrt
den Leser nur.
Wähle ein / wenige und bleibe dabei. Die Namen von Charakteren werden
nach einer Weile transparent, man liest flüssig darüber hinweg.
Benutzt man in der Geschichte jedoch ein Dutzend Synonyme für den Namen,
ist das für den Leser verwirrend. Wenn man Harm z.B. abwechselnd als „der
hochgewachsene Mann“, „der Anwalt“, „der Ex-Pilot“, „Macs
Partner“, „der dunkelhaarige Offizier“, „der Navy-Commander“ nennt,
ist dem Leser nicht mehr sofort klar, von wem die Rede ist. Wenn es nicht
einen Zweck erfüllt, sollte man Synonyme nur selten verwenden.
Wenn man solche Bezeichnungen verwendet, dann nur in einem Kontext, in dem
sie Sinn machen (z.B. sollte man Harm nicht als „der Anwalt“ bezeichnen,
wenn er gerade dabei ist, Mac ein romantisches Dinner zu kochen, denn das
ist nicht Teil seines Berufslebens).
Überflüssige / leere Wörter:
Nicht zu viele Wörter benutzen,
um eine Idee auszudrücken. Gibt es redundante Ausdrücke? Nimm das
Wort, das am besten passt, und streiche die anderen.
Füllwörter (gewissermaßen, einigermaßen, richtiggehend,
wirklich, ungemein, irgendwie, fast, auch, eigentlich, sehr, ziemlich…)
haben im Text nichts zu suchen.
Schachtelsätze:
Schachtelsätze sollten vermieden werden. Jeder
Nebensatz, der den Hauptsatz unterbricht, ist misstrauisch zu betrachten.
Das gilt v.a. auch für Relativsätze. Enthält der Einschub
mehr als 12 Silben (Faustregel), sollte er gekürzt oder umgeschriebne
werden.
Beispiel:
„Sie fanden eine Masse, deren Substanz mit einem Überzug
bedeckt war, der den Betrachtern, die erstaunt davor standen, leuchtend rot
erschien.”
Wenn man ein Wort – in diesem Fall die Masse – mit
einem Gerüst aus Relativsätzen beschreiben muss, sollte man besser
ein einzelnes Adjektiv aussuchen und einen Teil der Nebensätze streichen: „Sie
fanden eine Masse, deren Substanz mit einem leuchtend roten Überzug
bedeckt war. Die Betrachter standen staunend davor.“
Klischees:
Bitte mit Klischees wie „Ihr Herz setzte aus“ vorsichtig
umgehen!
Abstraktheit:
„Anwaltssprache“ ist natürlich ziemlich abstrakt,
klar. Aber wenn du eine Szene beschreibst, wähle lieber spezifische,
konkrete Wörter statt abstrakten, z.B. „Eiche“ statt „Baum“.
Einzelbenennungen sind immer besser als Oberbegriffe, z.B. kann man sich
einen Garten, in dem „Brennnesseln und Schachtelhalm“ wuchern,
besser vorstellen als einen Garten, in dem „Unkraut“ wuchert.
Variieren solltest du:
Satzstruktur:
Der Satzbau sollte variieren, z.B.
sollte nicht jeder Satz mit einem Subjekt (Harm, er, sie…) beginnen.
Es kann hilfreich sein, das erste Wort jedes Satzes zu markieren. Beispiel:
Der, Sie, Er, Sie, Als, Sie, Sie, .... Wenn zu viele Sätze z.B. mit
Sie” beginnen, lohnt es sich, sie umzuschreiben. Aufeinanderfolgende
Sätze sollten nicht mit demselben Wort beginnen.
Satzlänge:
Es ist nicht etwa so, dass kurze Sätze besser sind als
lange oder umgekehrt. Man sollte beides benutzen. Beide Satzformen erzeugen
eine verschiedene Atmosphäre, z.B. sollte man in Action-Szenen allzu
lange Sätze eher meiden. Bei der Darstellung von komplexen Zusammenhängen
bieten sich längere Sätze / Satzgefüge an.
Die meisten Autoren verwenden Sätze, die 1-26 Wörter lang sind,
d.h. die Durchschnittslänge ist 13 Wörter. Wenn mehrere Sätze
hintereinander stets dieselbe Länge haben, wird es langweilig.
Länge von Absätzen:
Top-Autoren schreiben Absätze, die 1-13
Zeilen lang sind.
Länge von Kapiteln / Szenen:
Kurze Kapitel können z.B. die Spannung
erhöhen.
Außerdem ist ein Wechsel vorteilhaft zwischen:
- actionreichen
und verweilenden Sequenzen
- gefühlsdichten und gefühlsneutralen
Situationen
- witzigen und ernsten Szenen
- Hauptplot und
Nebenhandlung
Beim Satzbau ansonsten zu beachten:
Hauptsachen gehören in Hauptsätze;
Nebensachen in Nebensätze! Die wichtigste Aussage gehört in den
Hauptsatz.
Beispiel:
Statt: Von Pech verfolgt wurde gestern eine Frau von
auswärts,
der die Hinterachse des Handwagens brach, so dass Dünger auf die Straße
fiel.
Besser: Pech hatte gestern eine Frau von auswärts. Als sie ihren mit
Dünger beladenen Handwagen über den Marktplatz zog, brach
die Hinterachse,
so dass die Ladung auf die Straße fiel.
Das stärkste Satzelement gehört ans Satzende, z.B. „Obwohl
er wusste, dass er in Sicherheit war, raste sein Herz.“, „Als
sie nach Hause kam, waren 6 Nachrichten auf ihrem Anrufbeantworter.“
Nebensätze sollen daher meistens angehängt werden: Die Hauptsache
ist gesagt, erläuternde Nebensachen dürfen folgen. Nachgestellte
Nebensätze dürfen länger werden als 12 Silben, sie dürfen
aber nicht beliebig lang werden, da man sonst das Verb am Ende des Satzes
aus den Augen verliert.
Manchmal kann man Nebensätze dem Hauptsatz auch voranstellen. Das ist
besser als ein eingeschobener Nebensatz. Aber auch vorangestellte Nebensätze
dürfen nicht die Hauptsache enthalten (die gehört in den Hauptsatz!),
können aber elegant dazu überleiten.
Beispiel:
Nicht so: „Unsere Koffer waren, als wir in Zürich
eintrafen, weg.“
Aber vielleicht so: „Als wir in Zürich eintrafen,
waren unsere Koffer weg.“
c) Erzählperspektiven
(POV = point of view)
Die Erzählperspektive ist eine mächtige schriftstellerische „Waffe“,
mit der man u.a. die Identifikation des Lesers mit der Hauptperson erreichen
kann, deshalb lohnt es sich, sich mit diesem für Anfänger oft schweren
Thema auseinander zu setzen.
Die Erzählperspektive ist der Standpunkt, von dem die Geschichte erzählt
wird; sie ist so etwas wie ein Maß der Distanz, mit dem man kontrollieren
kann, wie viel und welche Informationen der Leser erhält. Der POV-Charakter
ist die „Kameralinse“, durch die der Leser die Geschichte betrachtet.
Ein allwissender Erzähler erlaubt den weitesten Blickwinkel, die 1.Person-Erzähltechnik
den engsten. Jede Erzählperspektive hat ihre Vor- und Nachteile.
Erste Person / Ich-Erzähler (first person POV):
Eine an der Handlung teilnehmende Person erzählt die Geschichte, entweder
die Hauptfigur oder eine Nebenfigur, die sie gut kennt. Alles wird aus der
Sicht eines Ich-Erzählers beschrieben (Augenzeugenbericht), i.d.R. aus
Sicht der Hauptperson. Der Leser weiß und fühlt nur, was die Hauptperson
fühlt und denkt.
Diese Erzählform wird nicht oft benutzt, meines Wissens gibt es kaum
eine JAG-Fanfic, die in der ersten Person geschrieben wurde (korrigiert mich
bitte, wenn ich mich irre). In Star-Trek-Geschichten vermutlich etwas häufiger
(Logbücher). Wer eine gute Ich-Form-Geschichte lesen möchte und
nicht vor den X-Files zurückschreckt, dem empfehle ich „Dance
without sleeping“.
Vorteile:
- Identifikation mit der Person fällt dem Leser leichter.
- Es passiert seltener, dass der Autor versehentlich die Erzählperspektive
wechselt.
- Man kann „lügen“, den Leser täuschen.
Was der Charakter sagt, muss nicht wirklich so passiert sein, sondern ist
eine subjektive Ansicht.
Nachteile:
- Die Informationen, die man an den Leser weitergeben
kann, sind beschränkt.
Der Leser weiß nur, was der Erzähler
weiß, sieht, hört etc., nicht aber andere Personen.
- Man kann nur Szenen schreiben, in der der Erzähler / POV-Charakter vorkommt.
- Die Spannung kann vermindert werden, weil klar ist, dass der Protagonist die Geschichte überlebt.
- derCharakter, nicht der Autor erzählt
die Geschichte, d.h. sie sollte seine Persönlichkeit, Wortwahl, Lebenseinstellung
etc. reflektieren, nicht die des Autors.
- Da die erzählende
Person sich selbst nicht von außen sieht, ist mehr schriftstellerisches
Geschick für eine Beschreibung des Aussehens nötig. Die Figur kann
z.B. nicht sehen, wie sie rot wird, sie kann es nur fühlen. Die Person
in einen Spiegel sehen zu lassen, ist meist keine so gute Idee.
Dritte Person (third person POV):
Die meisten Geschichten werden in der dritten
Person (er, sie) geschrieben. Hier unterscheidet man wiederum drei Perspektiven
(euer Deutschlehrer hat das vielleicht anders genannt, aber für den
schreibt ihr die Geschichte ja nicht *g*):
Dritte Person, objektiver Erzähler:
Es wird nur erzählt, was man
durch eine Kamera sehen könnte; nicht jedoch, was die Charaktere fühlen
oder denken. Neutrale Beschreibung von Szenen, außerhalb einer Person,
z.B. Beschreibung einer Landschaft.
Dritte Person, allwissender / auktorialer Erzähler
(omniscient POV):
Der Erzähler ist wie ein „allwissender Gott“, der sieht,
was alle Personen fühlen, tun oder denken. Es kann auch in der Zeit
zurückgegangen werden, um von vergangenen Ereignissen zu berichten.
Beispiel:
Mac ahnte nicht, dass es der schlimmste Tag ihres Lebens
werden würde.
Nachteile:
- Keine so starke Identifikation mit einer Person;
es ist mehr Distanz vorhanden.
- Es ist schwerer, Spannung zu
erzeugen oder dem Leser Information vorzuenthalten.
- Zuviel Perspektivenwechsel
können für den Leser verwirrend sein.
Vorteile:
- Erlaubt dem Leser alles, was sich ereignet, zu sehen.
- Man
kann dem Leser Dinge mitteilen, die die Charaktere (noch) nicht wissen.
- Man kann die Person von außen beschreiben, gleichzeitig aber auch ihre
Gedanken sehen.
Dritte Person, begrenzt allwissender Erzähler (third
person, limited):
Verwendung der„Er“-Form. Es wird aus Sicht einer Figur erzählt.
Der Leser sieht, was eine Person weiß und fühlt. Ist vermutlich
die am meisten benutzte Erzählperspektive (in ca. 90% aller Bücher
und Geschichten).
Vorteile:
- stärkere Identifikation als bei einem allwissenden
Erzähler, da man sich auf eine Person beschränkt..
- Der
Leser weiß nur, was der POV-Charakter weiß. Das hat Vorteile
und kann z.B. dazu dienen, die Spannung zu erhöhen.
- Perspektivenwechsel
sind möglich; sie können die Spannung erhöhen.
Nachteile:
- Der Leser weiß nur, was die „Perspektivenperson“ weiß und
nimmt nur wahr, was die POV-Figur wahrnimmt. Man muss sich im Klaren darüber
sein, was die Figur, aus deren Sicht erzählt wird, wissen kann und was
nicht. Wenn Harm der POV-Charakter der Szene ist, kann man z.B. nicht schreiben: „Die
Vögel zwitscherten lebhaft, aber Harm war zu beschäftigt, um sie
zu hören.“ Der POV-Charakter und damit der Leser kann z.B. nicht
wissen:
- was hinter ihm oder weit entfernt vorgeht. Harm sieht z.B. an der Bar
des McMurphy’s, nicht, was Mac, irgendwo ganz hinten an einem Tisch,
trinkt; man kann es ihn höchstens vermuten lassen.
- was andere Personen
denken oder fühlen (das kann er nur aus dem Verhalten schließen):
Wenn aus Harms Perspektive erzählt wird, ist „Mac zog den Arm
an als habe sie Schmerzen“ besser als: „Mac zog den schmerzenden
Arm an.“
- was die Person, mit der er telefoniert, nebenher tut
- Gefühle aller Charaktere außer dem POV-Charakter sind
dem Leser nicht direkt zugänglich. Wenn also die Szene aus Macs POV
geschrieben ist, kann man nicht sagen „Harm war nervös“,
stattdessen kann man beschreiben, wie Harm auf und ab tigert, an seinem Uniformkragen
nestelt etc., so dass Mac – und der Leser – aus seinem Verhalten
schließen kann, dass er nervös ist.
- Die Figur, aus
deren Sicht erzählt wird, kann sich selbst nicht sehen, daher keine
langen Aussehensbeschreibungen. Physische Merkmale müssen anders erfahren
werden, z.B. durch das Nachfahren einer Narbe mit dem Finger. Ein POV-Charakter,
der sich selbst im Spiegel betrachtet, ist zu klischeehaft.
- Unabsichtliche
Perspektivenwechsel können vorkommen.
Beispiel:
X zitterte vor Zorn, Tränen liefen ihr übers Gesicht. „Raus,” flüsterte
sie, „gehen Sie raus!”
Y ließ sich seine Überraschung über
Xs Verhalten nicht anmerken, er hatte ein ruhiges Abstreiten erwartet und
nicht etwas, was fast an Hysterie grenzte. Mit einem Schulterzucken wandte
er sich ab und ließ die Türe hinter sich zufallen.
Noch immer
zitternd sank X an der Wand nach unten und bedeckte weinend das Gesicht mit
beiden Händen.
Abschnitt 1:
Es ist unklar, wer der POV-Charakter ist. Die Tränen können
von Y gesehen oder von X gefühlt werden.
Abschnitt 2:
Hier ist Y der
POV-Charakter. X kann nicht wissen, welche Reaktion er erwartet hat.
Abschnitt
3:
X hat den Raum verlassen und kann nicht mehr sehen, was Y tut. Es wird
aus Ys Perspektive erzählt.
Wie erzähle ich überzeugend aus der Perspektive eines Charakters?
Alle Elemente einer Szene sollten von der Wahrnehmung und Denkweise des POV-Charakters,
aus dessen Perspektive sie erzählt wird, gefärbt sein. Die Wortwahl
sollte z.B. seinem beruflichen und kulturellen Hintergrund angepasst sein.
Auch Beschreibungen sollen immer durch die Sinne dieser Person erfolgen.
Dabei überlegt man sich, was diese spezielle Person in einem Raum wahrnehmen
würde – ein Musiker würde auf einer Party z.B. zuerst die
Hintergrundmusik bemerken, ein modebewusster Mensch die Kleidung der Gäste
und ein Techniker das Flackern des Lichts über dem Büffet.
Kein „Head Hopping“:
Man kann mehrere POV-Charaktere haben, aber innerhalb einer Szene sollte
die Erzählperspektive nicht wechseln. „Head Hopping” / „POV-Ping-Pong“,
d.h. das Springen von einem POV zum nächsten innerhalb einer Szene,
ist sehr verwirrend für den Leser.
Bevor man eine Szene schreibt, sollte man sich überlegen, aus wessen
Perspektive sie am besten geschrieben werden sollte. Wer wird die interessantesten
Gedanken und Reaktionen haben? Wähle in jeder Szene die Person als POV-Charakter,
die (emotional) am meisten von den Ereignissen betroffen ist.
Je kürzer die Geschichte, desto seltener sollte die Perspektive wechseln.
Der Perspektivenwechsel sollte optisch z.B. durch ein neues Kapitel angezeigt
werden. Dem Leser sollte schon zu Beginn der neuen Szene klar gezeigt werden,
aus wessen Sicht erzählt wird.
In den meisten Geschichten gibt es mehr als einen POV-Charakter; die Perspektive
kann – und sollte vielleicht sogar – innerhalb der Geschichte
wechseln (aber nicht innerhalb derselben Szene!). In eher kurzen Geschichten
sollte man die Anzahl der Personen, aus deren Perspektive erzählt wird,
nicht zu groß werden lassen.
d) Die Entwicklung von Charakteren
Man kann Charaktere / Figuren einteilen in:
- Platzhalter: Sie treten
auf, weil die Geschichte sie braucht, bleiben aber namenlos, z.B. Taxifahrer.
- Nebenfiguren: Sie haben ein kennzeichnendes Merkmal und Namen.
- Hauptfiguren:
Sie stehen im Zentrum der Geschichte. Man sollte nicht zu viele Hauptpersonen
wählen, weil man sie und ihre Beziehungen untereinander und mit den
anderen Figuren sonst nicht komplex und individuell genug entwickeln kann.
Nur eine Hauptperson kann auch schwer sein, weil viele Charakterisierungs-
und Dialogmittel wegfallen. Am üblichsten sind 2-3 Hauptfiguren.
Ein paar Tipps für die Darstellung von Charakteren:
Die ‚guten
Jungs’ (und ‚Mädels’):
Gib der Figur Stärken, aber auch Schwächen (z.B. Arroganz, Unsicherheit,
ein hitziges Temperament etc.), Unsicherheiten, Zweifel, Fehler, schlechte
Angewohnheiten, Dinge, die sie nicht können, und Widersprüchlichkeiten.
Perfekte Menschen gibt es nicht und in Romanen sind sie langweilig (Selbst
Superman hatte Kryptonit!). Charaktere brauchen gute und schlechte Eigenschaften,
um realistisch zu sein. Diese Schwächen sollten im Plot dann eine Rolle
spielen (Die Person muss sie überwinden, um den Konflikt zu lösen
und alles zu einem guten Ende zu bringen).
Gib den Charakteren unerwartete Eigenschaften und Talente. Frag dich, was
die Figur interessant macht. Was unterscheidet sie von anderen? Interessante
Charaktere müssen den Leser überraschen können. Charaktere
dürfen nicht zu vorhersagbar sein. Sie müssen manchmal überraschend
handeln – aber immer nur so, dass es noch glaubhaft ist. Überleg
dir einfach, was das Gegenteil von der Handlung ist, die man in der Situation
erwarten würde.
Die ‚bösen Buben’:
Was macht die Schurken hassens-/verachtenswert? Aus welchen Gründen
begehen sie Verbrechen? Auch die Schurken der Geschichte sollten ein paar
gute Eigenschaften haben (so ist z.B. Hannibal Lecter aus „Schweigen
der Lämmer“ ein Massenmörder, aber auch ein Gentleman). Vermeide
Schwarz-Weiß-Zeichnen: Keine Person ist völlig gut oder völlig
schlecht. Der Bösewicht denkt über sich nicht, dass er böse
ist. Sie tun Böses nicht um des Bösen Willen, sondern weil sie
glauben, dass es ihrer Sache dient.
Konflikte:
Gib der Figur Probleme, die es zu lösen gilt. Bau Hindernisse in die
Geschichte ein, die zeigen, welche Eigenschaften der Person ihr helfen oder
sie behindern. Wie gehen die Charaktere mit Konflikten und widrigen Umständen
um?
Motive:
Gib der Figur ein Motiv (oder mehrere). Was treibt die Person an? Was sind
die Gründe für ihr Handeln? Was will die Person? Liebe, beruflichen
Erfolg, Rache, den Respekt ihres Vaters... Ebenso möchte die Person
etwas vermeiden. Was macht der Person Angst? Schmerz, Krankheit, Armut, eine
Blamage? Eine alte Regel des Geschichtenerzählens ist die, dass der
Protagonist sich dem stellen muss, was er am meisten fürchtet, um das
zu bekommen, was er sich am meisten wünscht.
Entwicklung:
Die Figur sollte im Laufe der Geschichte eine Entwicklung durchmachen.
Biografie:
Erkunde den Hintergrund der Figur: Was ist ihr Beruf? Wo lebt sie? Wie ist
die Beziehung zur Familie? Was für Dinge besitzt sie? Wie sieht ihr
Haus, ihr Büro aus?
Die Figuren müssen eine Vergangenheit haben, die man dem Leser aber
nicht in einem großen Block servieren sollte. Präsentiere die
Charaktere langsam. Im richtigen Leben lernen wir Personen langsam, Stück
für Stück, kennen. Charaktere sollten auf dieselbe Weise eingeführt
werden.
Flashbacks sollen mit Vorsicht und an der richtigen Stelle benutzt werden,
weil sie den Erzählfluss unterbrechen. Man kann den Hintergrund der
Personen auch stückweise, z.B. durch Dialog oder inneren Monolog einfließen
lassen. Wenn man Flashbacks benutzt, sollten sie nicht allzu lange sein.
Kontrastierende Charaktere:
Die Persönlichkeit einer Figur kann man auch verdeutlichen, indem man
ihr eine Person gegenüberstellt, die völlig anders ist. Um z.B.
zu zeigen, wie ruhig eine Person ist, kann man sie einer Person begegnen
lassen, die sehr gesprächig und extrovertiert ist.
Kontraste und Gegensätze zwischen Charakteren, z.B. ihrem sozialen Hintergrund,
ihren Motivationen, Zielen, Werten und Einstellungen, erzeugen Konflikte
und Spannung.
Namen:
Namen sollten zur Person passen, ohne gleich klischeehaft zu wirken. Namen
haben Konnotationen („Nomen est omen“). Wir haben verschiedene
Bilder im Kopf, je nachdem, ob die Person Susanna heißt, Jayne, Marie-Ann
oder Brunhilde.
Gib den Charakteren Namen, die mit verschiedenen Buchstaben anfangen und
nicht zu ähnlich klingen, das hilft dem Leser, sie zu unterscheiden.
Hilfreich ist auch, die Länge der Namen zu variieren. Nenn die drei
männlichen Hauptpersonen also nicht Jack, Jeff und John und ihre Frauen
Betty, Betsy und Patty.
Quellen für Charakter-Namen können sein (siehe auch Teil 3 des
Writing Guides):
- Literaturverzeichnisse (Autorennamen) in Büchern
- Abspann
(Schauspieler/Rollennamen) in Filmen
- Geschichtsbücher
- Telefonbücher
- Die
Bibel · Fernsehzeitschriften
- Bücher mit Baby-Namen
Namen in Fantasy/SF:
Namen sollten einigermaßen aussprechbar und nicht
zu lang sein. Die Namen müssen zur Kultur passen. Die meisten Kulturen
haben bestimmte Namensregeln, z.B. bestimmte Bestandteile von Nachnamen (van,
Mac, ibn etc.) oder Namen, die nur für Männer oder nur für
Frauen sind. Zum Beispiel könnte es bestimmte Endungen für Frauen/Männer-Namen
geben. Häufig haben Namen eine Bedeutung. Personen mit schwierigen oder
langen Namen haben oft Spitznamen.
Physische Beschreibung:
Bei der Beschreibung des Aussehens von Personen sollte man nicht in „Personalausweis“-Beschreibungen
verfallen (Größe, Haarfarbe, Augenfarbe...). Die Größe
einer Person ist erwähnenswert, wenn sie ungewöhnlich (besonders
groß oder klein) oder für die Geschichte oder die Person irgendwie
von Bedeutung ist. Ansonsten sollte man lieber andere Merkmale beschreiben.
Dasselbe gilt für die Haar- und Augenfarbe. Erwähne die interessanten
Dinge.
Welche äußerlichen Merkmale würden einem Fremden zuerst an
der Figur auffallen?
Dies gilt auch für die Beschreibung der Kleidung einer Person: Besser
nur ein hervorstechendes Detail auswählen. Schreibe nicht, als würdest
du einen Vermisste-Person-Bericht ausfüllen!
Die äußerliche Beschreibung nicht zu detailliert machen, aber
auch keine zu großen Lücken lassen. Welche besonderen Merkmale
hat die Person? POV-Charaktere sollten weniger äußere Beschreibungen
haben als alle anderen Figuren, weil die Person sich selbst nicht von außen
sieht. Dies gilt v.a. für die Ich-Perspektive. Szenen, wo sich POV-Charaktere
im Spiegel betrachten, sind selten eine gute Idee.
Bei der Beschreibung sollte man nicht nur auf das äußerliche Aussehen
achten, sondern in erster Linie, wie dieses Aussehen das Verhalten und die
Beziehung zu anderen prägt, z.B. eine Wissenschaftlerin muss ständig
darum kämpfen, ernst genommen zu werden, weil sie wie ein blondes Model
aussieht. Was sagt die Art, wie sich der Charakter kleidet, über ihn
aus?
Statt eine statische Beschreibung des Aussehens ist es besser, möglichst
visuell zu beschreiben, wie eine Person geht, ihre Körperhaltung etc.
(z.B. läuft, als ob er gegen Gegenwind ankämpfen muss; duckt sich
unter Türe hindurch).
Möglichkeiten, eine Figur darzustellen:
- direkte Beschreibung
- Charakterisierung durch äußere
Erscheinung: Ist die Kleidung perfekt gebügelt oder trägt die Person
leger die obersten Knöpfe des Hemdes offen? Körpersprache/Haltung/Bewegungen:
sind sie steif und kontrolliert oder geschmeidig, lässig, ungeschickt?
- Beschreibung / Reaktion anderer Figuren auf die Person
- Charakterisierung durch
Gedanken, Ziele, Motive
- Charakterisierung durch Verhalten: wie
verhält sich die Person?
- Charakterisierung durch Dialog: wie
spricht die Person? Was eine Person sagt, wie sie es sagt etc., verrät
uns viel über die Person. Auch innerer Monolog kann viel über die
Person verraten.
- Charakterisierung durch Milieu und Umgebung:
wie hat die Person ihr Haus eingerichtet? Ist sie ordentlich oder unordentlich?
Show, don’t tell:
Vermeide es, dem Leser zu sagen, wie ein Charakter
ist, sondern lass es ihn durch seine Handlungen selbst herausfinden. Dem
Leser nicht vorschreiben „sie ist attraktiv, warmherzig, ein toller
Mensch“, sondern durch ihre Taten und Worte zeigen, dass sie liebenswert
ist oder die anderen Charaktere auf diesen Charakter reagieren lassen, so
dass der Leser selbst zu diesem Schluss kommen kann.
Charakter-Profile:
Um lebensecht wirkende Charaktere zu erschaffen, erstellen
manche Autoren Charakter-Profile. Charakter-Profile sind besonders in Geschichten
mit mehreren Hauptpersonen und wechselten Erzählperspektiven hilfreich.
Ein Charakter-Profil ist jedoch in erster Linie ein Hilfsmittel für
den Autor, es geht nicht darum, jede einzelne Information über einen
Charakter später irgendwie in die Geschichte einzubauen. Als Autor muss
man alles über einen Charakter wissen, damit man ihn in jeder Situation „typisch“ reagieren
lassen kann. Dabei ist es gleichgültig, ob alle Informationen später
in die Geschichte eingebaut werden oder nicht. Der Autor sollte sie jedoch
beim Schreiben immer im Hinterkopf haben, weil bestimmte Eigenschaften, Ereignisse
und Umstände das Verhalten und Fühlen der Figur beeinflussen, z.B.
reagiert Mac auf Gewalt gegen Frauen ganz anders als jemand, der eine glückliche
Kindheit hatte. Wichtig ist nicht die Auflistung einzelner Hintergrundinformationen,
sondern immer v.a. wie sie sich auf die Person und ihr Verhalten auswirken.
Ein Charakter-Profil könnte z.B. so aussehen:
Grundlegende Fakten:
Name:
Grund/Bedeutung des Namens?
Ist es ein häufiger oder ein ungewöhnlicher
Name?
Gibt der Name das Geschlecht zu erkennen?
Wie schwierig / leicht ist
die Aussprache?
Welche Spitznamen hat die Person? Warum?
Wie möchte
er / sie genannt werden?
Nationalität / ethnische Herkunft:
Wohnort und Adresse:
In welcher Umgebung lebt die Person?
Wie sieht ihre Heimatstadt aus?
Hat
die Person ein eigenes Haus oder mietet sie?
Wie sieht es in ihrer Wohnung
aus?
Welche Dinge in ihrem Haus charakterisieren die Person?
Geburtsort:
Geburtsdatum:
Sternzeichen:
Hobbys:
Wieso hat die Person nicht ein Hobby zum Beruf gemacht?
Wie kam die Person
zu dem Hobby?
Besitz:
Welches Eigentum hat die Person (z.B. Haus, Auto…)?
Was
bedeutet es der Person?
Welches ist der wertvollste Besitz der Person (im
materiellen, aber auch im nicht-materiellen Sinn)?
Beruflicher Hintergrund:
Ausbildung:
Welche Schul- und Berufsausbildung
hat die Person?
Wie beeinflusst das die Person?
Früherer Beruf:
Warum arbeitet er / sie nicht mehr in dem Beruf?
Jetziger Beruf:
Wie kam die Person zu dem Beruf?
Welche Rolle spielt der Beruf für
sie / ihn?
Lieblingsfach in der Schule:
‚Hassfach’ in der Schule:
War er/sie
unbeliebt oder beliebt in der Schule?
Handschrift:
Karrierepläne:
Ansehen
im Berufsleben:
Berufliche Erfolge und Misserfolge:
Gehalt:
Einstellung zu
Geld:
Sozioökonomischer Status:
Mit welchem Status wuchs die Person auf?
Welchen Status hat sie jetzt?
Verantwortung:
Welche Verantwortlichkeiten hat die Person? (z.B. Familie,
Beruf, Militär).
Wie beeinflusst das die Person?
Physische Merkmale:
Geschlecht:
Ist die Person männlich oder weiblich?
Wie beeinflusst das die Person?
Größe:
Wie groß ist die
Person und wie beeinflusst das ihr Verhalten? (z.B. unsicher, selbstbewusst,
abwehrend)
Gewicht:
Wie viel wiegt die Person; wie ist sie gebaut und wie
beeinflusst das ihr Verhalten? (z.B. stolz, selbstbewusst, schüchtern
etc.)
Alter:
Wie alt ist die Person?
Wie beeinflusst das ihre Persönlichkeit?
(z.B. verwöhnt, un-/geduldig, un-/erfahren, selbstbewusst)
Wie alt wirkt
die Person?
Wie alt fühlt sich die Person?
Gesichtszüge:
Was fällt besonders auf (z.B. kantiges Kinn, buschige
Augenbrauen etc.)?
Welchen Eindruck gewinnt man?
Hautfarbe:
Augen:
Welche
Augenfarbe hat die Person?
Trägt die Person eine Brille oder Kontaktlinsen?
Wie beeinflusst das die Person?
Haare:
Welche Haarfarbe hat die Person?
Wie
trägt die Person ihr Haar?
Hat die Person einen Bart?
Schuhgröße:
Händigkeit: Ist die Person Rechts- oder Linkshänder?
Besondere Merkmale:
Was fällt auf den ersten Blick auf?
Gesundheit /
Behinderungen:
Hat die Person physische Behinderungen?
Hat die Person psychische
Störungen?
Hat die Person Narben?
Hat die Person alte Verletzungen,
die sie beeinträchtigen?
Hat die Person sonstige Gesundheitsprobleme
(z.B. Diabetes, Asthma etc.)?
Wie beeinflusst das die Person?
Kleidung:
Wie kleidet sich die Person zuhause?
Was trägt sie im Berufsleben?
Trägt die Person Schmuck?
Typische Gesten / Körpersprache:
Hat
die Person typische Gesten?
Was ist ihre typische Körperhaltung (steif,
aufrecht, lässig)?
Wenn sie sitzt, benötigt sie dann eine Menge
Raum (ausgestreckte Beine und Arme…) oder bleiben Arme und Beine dicht
beim Körper?
Wie bewegt sich die Person (z.B. langsam, ungelenk, elegant)?
Sprachmuster:
Welche Sprache ist die Muttersprache der Person?
Welche Fremdsprachen
spricht sie?
Welche Merkmale hat die Sprache der Person, z.B. Akzent, Slang,
Dialekt, Wiederholungen, geübter Sprecher etc.
Wie klingt ihre Stimme?
Hat die Person Wörter/Phrasen, die sie häufig benutzt?
Spricht
die Person viel?
Einstellung zum eigenen Aussehen:
Was mag die Person an
ihrem Äußeren?
Was mag die Person nicht an ihrem Äußeren?
Persönlichkeit:
Selbstbild:
Wie sieht die Person sich selbst?
Fremdbild:
Wie wird die Person von anderen gesehen?
Portraitiertes Fremdbild:
Wie möchte
die Person gesehen werden?
Wie glaubt die Person, dass andere sie / ihn sehen?
Auftreten:
Wie selbstbewusst / unsicher ist die Person?
Ängste:
Was
will die Person unbedingt vermeiden? Warum?
Was tut die Person um dies zu
vermeiden?
Was war ihre größte Enttäuschung?
Hat die Person
Phobien?
Ziele, Motive:
Was möchte die Person unbedingt haben / erreichen?
Was würde die
Person gerne in ihrem Leben ändern?
Was war ihr größtes Erfolgserlebnis?
Eigenschaften:
Welche Persönlichkeitseigenschaften sind besonders typisch
für die Person und wie prägen sie ihr Verhalten? (z.B. schüchtern,
verantwortungsbewusst, ehrlich)
(An-)Gewohnheiten:
Welche besonderen Angewohnheiten hat die Person (z.B. Fingernägel kaufen,
Haare mit den Fingern zurückkämmen)?
Gegen welche Angewohnheiten
kämpft die Person schon seit Jahren vergebens?
Raucht die Person? Trinkt
sie Alkohol?
Welche Zu-Bett-geh-Rituale hat die Peson?
Ist er/sie ein Tag-
oder Nachtmensch?
Wann steht er auf?
Wann geht er zu Bett?
Hält sich
die Person viel im Freien auf?
Vorlieben:
Welche Vorlieben hat die Person?
Welche Musik mag sie?
Was ist ihr bevorzugtes
Getränk / Speisen?
Mag sie Tiere?
Mag sie Kinder?
Lieblingsfarbe?
Lieblingstier?
Hat Person ein Haustier?
Lieblingsbuch?
Lieblingsfilm?
Welches Auto fährt
die Person?
Sammelt der Charakter irgendetwas?
Welche Sportarten macht die
Person?
Welche Musikinstrumente spielt die Person?
Kann die Person singen?
Abneigungen:
Was mag die Person überhaupt nicht?
Was hasst sie?
Welche
Nahrungsmittel mag sie nicht?
Schwächen:
Was ist der größte
Fehler der Person (z.B. Unpünktlichkeit, Arroganz)?
Was kann die Person
nicht?
Stärken:
Was ist die beste Eigenschaft der Person?
Was mögen
andere am meisten an ihr?
Talente / Fähigkeiten:
Welche besonderen Fähigkeiten
und Talente hat die Person?
Wie beeinflusst das die Person?
Temperament:
ist die Person introvertiert oder extrovertiert?
Ist sie temperamentvoll
oder ruhig?
Emotional oder eher rational?
Pessimist/Optimist?
Emotionen:
Welche Gefühle sind am typischsten für die Person?
Welche lässt
er / sie am ehesten zu und welche nicht?
Was macht die Person wütend?
Was bringt sie zum Lachen und was zum Weinen?
Was macht die Person, wenn
sie nervös ist?
Was macht die Person, wenn sie gelangweilt ist?
Was
macht die Person verlegen?
Hat die Person Stimmungsschwankungen?
Wie zeigt
die Person Zuneigung/Liebe?
Weint die Person manchmal?
Kann sich die Person entschuldigen?
Wie geht die Person mit Problemen um?
Wie geht die Person um mit Wut / Traurigkeit / Veränderungen / Verluste?
Soziale Aspekte:
Bedeutung von Familie:
Wie interagiert er / sie mit den
Familienmitgliedern?
Wie wichtig sind die Familienmitglieder für die
Geschichte?
Welchen Familientraditionen fühlt sich die Person verpflichtet?
Gegen welche Familientraditionen kämpft die Person an?
Wer ist die wichtigste
Person in seinem/ihrem Leben?
Familienstand:
Ist die Person verheiratet? Ledig? Verwitwet?
Geschieden?
In einer festen Beziehung?
Eltern:
Wo lebt die Familie?
Name und Beruf der
Mutter:
Beziehung zur Mutter:
Name und Beruf des Vaters:
Beziehung zum Vater:
Geschwister:
Hat er / sie Geschwister?
Name, Beruf, Alter, Kinder und Partner
der Geschwister
Wie versteht die Person sich mit welchen Geschwistern?
Welchen
Einfluss hatte die Geburtenreihenfolge auf die Person (z.B. als Ältester
musste er früh Verantwortung tragen oder sie ist die verwöhnte
Jüngste)?
Altersabstand zwischen den Geschwistern?
Sonstige wichtige Familienmitglieder:
Kinder? Großeltern? Sonstige
Verwandte?
Kindheit:
Wie und wo ist die Person aufgewachsen?
Welche Kindheitserlebnisse
prägen die Person?
Frühere Beziehungen:
Welche Beziehungserfahrungen
hat er / sie früher gemacht?
Ex-Partner?
Warum ist er / sie nicht mehr
mit dem früheren Partner zusammen?
Momentane Beziehung:
Wie haben sie
sich kennen gelernt?
Freunde:
Hat die Person Freunde?
Wer sind sie (Name, Beruf etc.)?
Wie
sind die Freundschaften entstanden?
Wie interagiert er / sie mit den Freunden?
Feinde:
Wie ist die Feindschaft entstanden?
Haustiere:
Wie kam die Person
zu dem Haustier?
Soziales Verhalten:
Wie gesellig ist die Person?
Wie verhält
sich die Person gegenüber der Familie?
Wie verhält sich die Person
gegenüber Freunden?
Wie verhält sich die Person gegenüber
Fremden?
Berührt die Person andere oder vermeidet sie es?
Wie verhält sich die Person im Privatleben und wie im Beruf?
Wie verhält
sie sich gegenüber Vorgesetzten, Gleichgestellten und Untergebenen?
Ist die Person ein Anführer oder ein Gefolgsmann?
Religiöser Hintergrund:
Glaubt die Person an Gott?
Welche Rolle spielt
Religion in seinem Leben?
Rolle der Person für die Geschichte:
Rolle im Gesamtbild:
Welche Rolle
spielt die Person (Hauptperson, Feind, Partner)?
Beziehungen:
Beziehung zu
den anderen Hauptpersonen
Entwicklung:
Wie verändert sich die Person im Lauf der Geschichte?
e) Show, don’t tell
(Zeigen, nicht nur behaupten)
Ein wichtiges Prinzip ist, nicht nur zu erzählen („tell“),
was passiert, sondern es tatsächlich zu zeigen („show“),
mit Handlung und Dialog. Was bedeutet das?
Ganz einfach:
Zum einen solltest du nicht nur eine Inhaltsangabe von den
Geschehnissen geben.
Anstatt nur kurz ein früheres Ereignis zu nennen,
kann man es in einem Flashback zeigen oder eine eigene Szene daraus machen.
Wenn Harm Mac z.B. erzählt, wie Chegwidden auf etwas reagiert hat, könnte
es interessanter sein, tatsächlich zu zeigen, was der Admiral gesagt
/ getan hat.
Handlungen sprechen oft für sich und zeigen manchmal besser, wie jemand
sich fühlt.
Beispiel:
„Harm erzählte Mac von der Veranstaltung und sie beschloss,
ebenfalls teilzunehmen. Sie kam sogar vor ihm an und sie diskutierten darüber,
was das zu bedeuten hatte.“
Das ist doch nicht sehr anschaulich, oder? Stattdessen könnte man in
wörtlicher Rede angeben, was genau Harm Mac erzählte und wie, mit
welchen Worten, sie Macs frühe Ankunft diskutierten.
„Showing“ bedeutet außerdem, dass man etwas so anschaulich
beschreiben sollte, dass man es fast sehen kann. Versuche, die Beschreibungen
so konkret, sinnlich und bildhaft wie möglich zu machen. Abstrakte Wörter
sollte man vermeiden und so konkret und spezifisch wie möglich schreiben,
z.B. statt „Sie war wunderschön“ sollte man besser ihre
Augen oder ihr Haar beschreiben. Der Leser soll sehen können, was vor
sich geht. Liefere keine Deutungen, sondern überlass es dem Leser selbst,
die Schlussfolgerung aus dem Beschriebenen zu ziehen.
Beispiel I:
„Ich habe die Akten, die Sie wollten,“ sagte Bud.
Er trug einen Stapel Papier. vs.
„Ich habe die Akten, die Sie wollten,“ sagte
Bud. Er schielte über einen hohen Stapel Papier, den er auf den Armen
balancierte. Einige Blätter segelten zu Boden.
Beispiel II:
Telling:
Sie kochte sich einen Tee.
Showing: Sie füllte den Teekessel mit Wasser,
schob ihn auf den Herd und summte vor sich hin, während sie dem Brodeln
und Pfeifen des Kessels zuhörte.
Wie du siehst, nimmt das Zeigen mehr Platz ein als das Behaupten.
Zeige dem Leser, wie die Charaktere sich fühlen, erzähle
es nicht nur.
„Er war wütend” soll ersetzt werden von Beschreibungen,
wie die Person die Fäuste ballt etc. Man soll dem Leser nicht *sagen*,
dass jemand ängstlich, wütend, nervös etc. ist, sondern es
*zeigen* durch z.B. wütende Worte, wütendes Verhalten und wütendes
Aussehen. Der Leser soll eigene Schlussfolgerungen ziehen können, er
soll Augenzeuge sein, weil ihn das in die Geschichte hineinzieht.
Beispiele:
Mac sah verärgert aus. vs. Mac warf mit einem
verärgerten
Schnauben den Stift weg und klatschte die Akte auf den Tisch.
Bud war glücklich. vs. Bud sprang strahlend
von seinem Stuhl auf, wedelte mit seinen Prüfungsergebnissen
und umarmte Harriet.
Einige hilfsreiche Gefühle und Verhaltensweisen könnten z.B.
sein:
Angst:
räuspern, pfeifen, rauchen, sich am Ohr zupfen, Hände ringen,
mit Schlüssel klimpern, Fingernägel kauen, rumzappeln, Lippen anfeuchten,
Zittern, Blinzeln, schnelles Atmen, angespannte Schultern, feuchte Handflächen.
Frustration:
geballte Hände, mit Hand durch Haare fahren, sich den
Nacken reiben, Hände ringen.
Offenheit:
Lächeln, Blickkontakt,
offene Handflächen, nach vorne lehnen, Jacke aufknöpfen, sich jemandem
zudrehen.
Abwehr:
verschränkte Arme, Lippen zusammenpressen, kein Blickkontakt
Wut:
Wangenmuskeln
spielen, zusammengebissene Zähne, Hände in die
Hüften gestemmt, Kopf ruckt herum, geballte Fäuste, Stirnrunzeln,
zusammengekniffene Augen, zusammengepresste Lippen.
Ekel, Verachtung:
Mund
verziehen, verengte Augen, Kopfschütteln, Grimasse schneiden
Aber auch „Telling“ hat seinen Platz:
Zuviel “Showing” kann
auch schlecht sein, weil es den Leser u.U. mit zuviel unwichtigen, uninteressanten
Details überwältigt, wenn z.B. genau beschrieben wird, wie eine
Person sich anzieht und zur Arbeit fährt. Wie jemand wohin kommt, ist
langweilig (außer die Reise ist das Thema). Beschreibungen von Bus-,
Zug-, Autofahrten oder Flügen nur beschreiben, wenn sie wirklich wichtig
sind. Stattdessen sollen solche Handlungen in einem kurzen Satz zusammengefasst
werden. Immer dann, wenn ein Ereignis oder eine Handlung völlig unwichtig
ist oder etwas ist, was der Leser schon weiß, sollte man sie nicht
durch „Showing“ betonen.
f) Dialoge
Ein wichtiges und oft heikles Thema. In diesem Abschnitt werde ich nur ein
paar allgemeine Dinge zu Dialogen sagen; wie man die Zeichensetzung handhabt
folgt im nächsten Abschnitt.
Um das Schreiben von Dialogen zu üben, kannst du dir ansehen, wie die
Dialoge in guten Büchern oder Fanfics gestaltet wurde oder schreib dir
probeweise mal ein Transkript von einem Dialog aus einer JAG-Episode.
Wenn man Dialoge schreibt, sind vor allem vier Dinge zu beachten:
Die Dialoge sollten nicht zu formal sein, sondern sich
natürlich „anhören“.
Dialoge sollten authentisch klingen. Wenn man spricht, verwendet man keine „Schrift-Sprache“,
sondern Alltagssprache mit Verkürzungen, Auslassungen und manchmal auch
in unvollständigen Sätzen. Je nachdem, mit wem man sich gerade
unterhält, wird man nicht „Wie wäre es?“ sondern „Wie
wär’s?“ sagen.
Vermeide zu lange Abschnitte, in denen nur eine Person spricht. Die Durchschnittslänge
von Dialog, den eine Person spricht, ist zwei Zeilen. In normalen Gesprächen
unterbrechen sich Personen, antworten, fragen nach etc. Nach 3-4 Zeilen ununterbrochenen
Dialogs sollte man ihn durch Handlungen, Sprecherwechsel oder Gedanken unterbrechen.
Dialog soll kein Frage-Antwort-Frage-Antwort-Spiel sein. Charaktere beantworten
Fragen mit Ablenkungen, Gegenfragen, Vorwürfen etc.
Gedankenstriche oder Punkte (...) können z.B. anzeigen, wenn ein Satz
unterbrochen wird und machen die Unterhaltung lebendiger. Aber bitte sparsam
benutzen.
Beispiel:
„Das kannst du nicht tun! Das ist nicht –
„Fair?“ unterbrach
X, „Wer sagt denn, dass das Leben fair ist?“
Frag dich einfach bei jedem Satz, ob man das in einer Unterhaltung wirklich
so sagen würde. Wichtig ist aber, dass dies nur für die Gespräche,
nicht für den Nicht-Dialog-Teil gilt, dort sollte man in grammatikalisch
korrekten Sätzen schreiben.
Denke daran, dass Menschen atmen, während sie sprechen. Lies dir den
Dialog laut vor. Wenn du dabei außer Atem gerätst, setze Punkte,
unterbrich den Dialog, lass die Personen etwas tun, während sie sprechen.
Beschreibe auch die nonverbale Kommunikation: Gestik, Mimik, Berührungen,
Körperabstand, Blickkontakt. Personen sollten nicht stillsitzen und
nichts tun, während sie sprechen. Bring Bewegung hinein, z.B. lass die
Personen mit einem Kugelschreiber oder dem Telefonkabel spielen.
Dialoge sollte aber wiederum nicht zu natürlich
sein.
Obwohl Dialog
nicht zu formal sein darf, sollte man es mit der „natürlichen
Sprache“ nicht allzu sehr übertreiben. Dialog ist keine exakte
Wiedergabe der Sprechweise realer Personen. Dialog ist eine Annäherung
an wirkliche Sprache.
Nicht jeder Versprecher, jede Abschweifung, jede Wiederholung, jede grammatikalische
Unkorrektheit soll wiedergegeben werden. Bei Unterhaltungen wie „Ähm,
ja, also, das stimmt zwar, mmmh, aber, also...“ schaltet der Leser
ab.
‚Echos’ wie in realer Sprache, gehören nicht in Dialog.
Beispiel:
„Man, bin ich froh, dich zu sehen!“
„Ich bin
auch froh, dich zu sehen.“
Viel zu langweilig. Interessanter Dialog ist häufig oblique. Das bedeutet,
dass Charaktere nicht direkt auf Fragen antworten.
Beispiel I:
„Hi. Wie geht’s dir?“
„Oh, ich hab dich
gar nicht gesehen!“
Beispiel II:
„Hab ich Ihnen schon gesagt,
dass Sie wunderschön aussehen?“
„Darf ich Ihnen meinen
Ehemann vorstellen?“
Dialoge sollten den Persönlichkeiten der Charaktere entsprechen.
Jede Person sollte ihre eigene Sprechweise haben. Sieh dir ein paar Episoden
an und achte darauf, wie Harm, Mac etc. sprechen. Frage dich immer: Würde
Harm / Mac / AJ etc das wirklich und auf diese Weise sagen? Wenn ich einen
Dialog schreibe, versuche ich immer mir vorzustellen, wie die Person (Harm,
Mac...) die betreffenden Worte sagt (Wenn ich es mir nicht vorstellen kann,
stimmt entweder mit meiner Phantasie oder mit dem Satz etwas nicht).
Das Vokabular der Charaktere hängt von ihrem Bildungsstand, Alter, Herkunft
und Beruf ab. Dialog charakterisiert und soll den sozialen und kulturellen
Hintergrund einer Person wiederspiegeln.
Beispiel:
„Dürfte ich Ihren Namen erfahren?“ vs. „Hey,
du da, wie heißt du?“
Jede Person sollte ihr eigenes Sprachmuster haben: Hat er Sprachfehler? Spricht
er um den heißen Brei herum oder bringt er alles sofort auf den Punkt?
Spricht er viel oder wenig? Spricht er in einfachen oder komplexen Sätzen?
Spricht er witzig oder ernst? Macht er häufig Pausen oder unterbricht
sich selbst? Spricht er in abgehackten Sätzen? Welches Vokabular benutzt
er? Verwendet er Fachwörter? Hat er Lieblingswörter oder -ausdrücke,
die er häufig benutzt? Oder gibt es Wörter, die er nie verwendet
(hasst er z.B. Abkürzungen)? Benutzt er Fluch- und Schimpfwörter?
Die Dialoge müssen aber nicht nur zu den Personen, die sprechen, sondern
auch zu den Situationen, in denen sie sprechen, passen. Dialog beeinflusst
das Tempo der Geschichte und muss zur Szene passen, z.B. in Action-Szenen
sprechen die Menschen in kurzen Ausbrüchen. Langatmige Reden sind dann
nicht angebracht. Kurze Sätze erhöhen das Tempo. Dialog sollte
Emotionen verraten, z.B. wenn Personen aufgewühlt sind und sich z.B.
streiten, sprechen sie in kurzen, direkten Sätzen oder Fragmenten.
Jeder Dialog soll mindestens eine von drei Funktionen
erfüllen.
Dialoge sollten: die Handlung vorantreiben, die Personen charakterisieren
oder dem Leser Informationen geben. Außerdem kann Dialog längere
Passagen durchgehenden Textes auflockern. Jede Dialogzeile sollte relevant
sein; was sich der Leser nicht zusammenreimen kann, kann man kurz zusammenfassen.
Jedoch vorsichtig abwägen, wann das der Fall sein sollte, denn es gilt
immer noch: show, don’t tell.
Beispiel:
„Frank, das ist Sarah MacKenzie. Mac, das ist Frank.“
„Mac,
darf ich dir meine Mutter vorstellen? Mum, das ist Mac...“
“Granny,
das ist meine Partnerin, Sarah MacKenzie...“
„Hallo, Mrs. Burnett,” sagte
Mac lächelnd.
usw.
Stattdessen einfach erwähnen, dass Harm Mac
seiner Familie vorstellte.
Dialog sollte keine schon bekannte Information wiederholen.
Beispiel:
Sergeant
Meyers baute sich vor den Rekruten auf und erklärte, dass er für
die nächsten Wochen ihr Ausbilder sein würde. „Guten Morgen,
Soldaten! Für die, die es noch nicht mitbekommen haben, ich werde in
den nächsten Wochen euer Ausbilder sein!“
Auch soll ein Charakter
einem anderen nie etwas erzählen, was dieser schon weiß, nur damit
der Leser es auch erfährt.
Dialoge sollten nicht zu viele Redeerklärungen („tags“)
enthalten.
Dialog-Tags werden in vier Gruppen eingeteilt:
1.) Nichtexistierende Tags:
Den Dialog frei, ohne Redeerklärung, stehen zu lassen, ist – wo
das geht – immer am besten. Man muss nicht jeder Dialogzeile ein „sagte“ etc.
anhängen, oft weiß der Leser auch so, wer spricht. Damit dies
immer klar ist, wird mit einem Sprecherwechsel auch die Zeile gewechselt.
So wären es zu viele „tags“:
„Hallo,“ murmelte
Mac.
„Hi,” antwortete Harm.
„Haben Sie den Admiral schon
gesehen?“ wollte Mac wissen.
„Heute noch nicht,” gab Harm
zurück.
„Irgendeine Ahnung, wo er bleibt?“ erkundigte sich
Mac.
Wenn nur zwei Personen am Dialog beteiligt sind, sind nicht so viele Tags
nötig, um klar zu machen, wer etwas sagt. Bei mehr Sprechern werden
Tags notwendiger.
2.) Weiche Tags:
Weiche Tags sind „sagte“, „fragte“ und „antwortete“,
manchmal auch „berichtete“ oder „bemerkte“. Für
den Leser sind sie fast transparent, er liest flüssig über sie
hinweg. Wenn der Kontext nicht deutlich macht, wer der Sprecher ist, benutze
ruhig „sagte er / sie“.
Tags kann man aber auch für seine Zwecke nutzen, wenn man z.B. eine
Pause beim Sprechen andeuten will:
„Nein,“ sagte er, „das werde ich nicht tun.“
3.) Harte Tags:
Harte Tags sind Wörter, die andeuten, wie ein Sprecher etwas sagt (knurrte,
schrie, brüllte, fauchte, flüsterte, zischte, murmelte). Über
solche auffälligeren Verben liest der Leser nicht einfach hinweg, er
bemerkt sie. Sie sollten sparsam verwendet werden, weil sie sonst ihre Wirkung
einbüßen. Lass deinen Charakter nichts „knurren“ etc,
es sei denn du willst dies wirklich betonen.
Die verschiedenen Verben verleihen dem Satz verschiedene Bedeutungen.
Beispiel:
„Sehr witzig, Commander!“ kicherte sie.
„Sehr
witzig, Commander!“ knurrte sie.
Auch Adverbien sollten sparsam benutzt werden. So wär’s zuviel
des Guten:
„Hallo,“ murmelte Mac leise.
“Hi,” antwortete
Harm fröhlich.
„Haben Sie den Admiral schon gesehen,” wollte
Mac neugierig wissen.
„Heute noch nicht,” gab Harm gleichgültig
zurück.
„Irgendeine Ahnung, wo er bleibt?“ erkundigte sich
Mac ungeduldig.
Man muss nicht immer explizit durch ein Adverb beschreiben, wie ein Charakter
etwas sagt. Dialog, Handlungen und Zeichensetzung (z.B. Ausrufezeichen) sollten
das auch so ausdrücken (show, don’t tell).
4.) Action Tags (= beats):
Action Tags, auch „beats“ genannt,
zeigen Handlungen während des Dialogs. Diese „Beats“ sollten
nicht zu lange sein, um den Dialog nicht zu stören.
Handlungen sollten immer Teil der Dialoge sein. „Beats“ helfen
nicht nur, den Sprecher zu identifizieren, sondern erinnern den Leser auch
daran, dass der Dialog zwischen lebenden Personen und nicht nur zwischen
körperlosen Stimmen stattfindet. „Beats“ zeigen nonverbale
Kommunikation und drücken Emotionen aus. Der Leser möchte wissen,
was der Sprecher mit den Händen tut, was er ansieht etc, wenn er spricht.
Beispiel:
„Hallo Mac, wollen Sie nicht reinkommen, wo Sie schon mal
da sind?“ Mit einem einladenden Lächeln hielt Harm ihr die Türe
auf.
Das Prinzip „show, don’t tell” erspart uns oft die Notwendigkeit,
ein „sagte er / sie wütend / ironisch...“ anzuhängen.
Anstatt „sagte er wütend“ zu verwenden, zeigt uns, wie sein
Gesicht rot anläuft, die Stimme sich verändert und er die Fäuste
ballt.
Wenn etwas ironisch gemeint ist, kannst du das durch den Ausdruck der Person
deutlich, es ist nicht nötig, ein „sagte er / sie ironisch“ anzuhängen.
Beispiel:
Mac schnitt eine Grimasse. „Oh ja, das wird sicher
lustig.“
Es ist also gut, Handlungen in den Dialog zu einbauen und den Dialog nicht
völlig „nackt“ stehen zu lassen (ein Syndrom, das „Talking
Heads“ genannt wird). Jedoch sollte man auch nicht ins andere Extrem
verfallen und den Dialog in jeder Zeile durch Handlungen unterbrechen, denn
das bremst nur die Konversation aus.
Die beste Lösung für dieses Dilemma liegt darin, sich ausdrucksstarke
Handlungen, die zur Bedeutung des Dialogs beitragen, zu beschreiben und nicht
nur ständig kleine, bedeutungslose Gesten (wie Nicken, Kopfschütteln,
Lächeln…), die eigentlich nur Füllsel sind.
Das FAD-Prinzip (Feeling – Action – Dialog):
Auf etwas, was der Gesprächspartner sagt, reagiert der Charakter zuerst
mit Gedanken oder Gefühlen (Feeling), dann reagiert er körperlich
darauf, z.B. trommelt er mit den Fingern, schnappt nach Luft, wird rot etc.
(Action) und dann erst antwortet er (Dialog).
Beispiel:
„Hey, Mac,“ Harm sah zur Türe herein, „deine vermisste
Akte ist wieder aufgetaucht!“
<Uff!> Mac fühlte, wie ihre
Knie nachgaben. Sie sank in ihren Schreibtischsessel. „Oh, Gott sei
Dank!“
Indirekter Dialog:
Indirekter Dialog (z.B. Er erzählte Mac, was der
Admiral gesagt hatte...) sollte mit Vorsicht benutzt werden. Er kann aber
verwendet werden, um Informationen zu geben, die notwendig sind aber nicht
wichtig genug, um eine Dialog-Szene zu rechtfertigen; um einen zuvor stattgefundenen
Dialog zusammenzufassen oder um eine lange Dialog-Szene zu unterbrechen.
Innerer Monolog:
Innerer Monolog bedeutet, dass ein Charakter etwas denkt
oder mit sich selbst spricht. Innerer Monolog sollte sparsam verwendet werden
und sich nicht über Seiten hinziehen, weil er ansonsten die Handlung
ausbremst. Besser ist, man teilt ihn in kleinere Stückchen auf.
Inneren Monolog kann man anzeigen durch Italics (kursive Schrift), aber auch
durch Anführungszeichen (oder beides zugleich). Beides sollte aber nicht
zu häufig verwendet werden, weil es sonst an Wirkung verliert.
Beispiel:
„Wirklich brillant, Rabb!“ dachte Harm. „Jetzt
brauche ich nur noch mal eine Waffe in seinem Gerichtssaal abfeuern und schon
wirft er mich raus.“
Wirklich brillant, Rabb! dachte Harm. Jetzt
brauche ich nur noch mal eine Waffe in seinem Gerichtssaal abfeuern und schon
wirft er mich raus..
Man kann internen Monolog aber auch einfach nur durch den Wechsel der Zeit
(Präsens statt Vergangenheit) und den Wechsel von der dritten zur ersten
(oder zweiten) Person anzeigen. Selbst das „dachte er /sie“ kann
man sich meist sparen. Der Kontext sollte klar machen, dass es Gedanken sind,
so dass man kein „dachte er/sie“ oder kursive Schrift braucht.
Beispiel:
Wirklich brillant, Rabb! Harm schnitt eine Grimasse. Jetzt brauche
ich nur noch mal eine Waffe in seinem Gerichtssaal abzufeuern und schon wirft
er mich raus.
Grundsätzlich hat man zwei Möglichkeiten, inneren Monolog zu präsentieren:
Entweder stellt man die Gedanken so dar, wie die Figur sie denkt, oder man
paraphrasiert die Gedanken nur. Kursive Schrift oder Anführungszeichen
verwendet man nur, wenn man die Gedanken wörtlich wiedergibt. In diesem
Fall sollte man Präsens (statt Vergangenheit) und die erste oder zweite
(statt der dritten) Person, d.h. „ich“ oder „du“ verwenden.
Beispiel:
„Wie kann sie jetzt noch etwas essen?“ fragte sich
Harm. Sie hatte eben zwei Beltway Burger gegessen.
Harm fragte sich, wie
sie jetzt noch etwas essen konnte. Sie hatte eben zwei Beltway Burger gegessen.
Noch etwas zu Anreden in Dialogen:
Lange Dialoge erfordern, dass man gelegentlich
deutlich macht, wer was sagt. Ein Weg dazu ist, den einen Charakter den anderen
mit dem Namen ansprechen zu lassen. Das sollte man jedoch nicht zu oft tun,
weil es in natürlichen Konversationen seltener vorkommt, als man denkt.
Bitte also auch sparsam mit direkten Anreden.
Das wäre zuviel:
„Hallo, Harm, wie lief es vor Gericht?”
„Oh,
gut, Mac, danke.”
„Sie sollten sich vor Richter Smith in Acht
nehmen, Harm.“
„Ich weiß, ich weiß, Mac.“
Wenn man Anreden benutzt, ist natürlich die Frage, welche. Wir sind
da bestimmten Beschränkungen unterworfen, z.B. duzen sich Harm und Mac – und
erst recht AJ und die Offiziere - in der deutschen Serie nicht. Harm und
Mac sprechen sich untereinander meist mit „Harm“ und „Mac“ an;
wenn sie den Rang benutzen, ist das meist ein Zeichen dafür, dass es
eine sehr förmliche Situation ist oder sie verärgert sind (Seht
euch mal „Ein Held vor Gericht“ an!). Anreden wie „Marine“ und „Ninjagirl“ bzw. „Bodyguard“ sowie „Flyboy“ / „Fliegerheld“ und „Sailor“ / „Seemann“ kommen
im TV äußerst selten vor; in Fanfics dafür um so häufiger.
Wenn sie mit Bud oder Chegwidden über einander sprechen, dann bezeichnet
Harm Mac meist als „Major MacKenzie“ und Mac Harm als „Commander
Rabb“. Chegwidden spricht Mac meist mit dem Rang an; manchmal aber
auch mit „Mac“. „Sarah“ nennt er sie nur einmal,
als sie jedoch schon gegangen ist und es nicht mehr hört. Auch Harm
hat sie nur zweimal „Sarah“ genannt („Goodbyes“ und „Boomerang“).
Chegwidden nennt Harm auch manchmal „Rabb“. Mac, Harm, Bud und
Harriet nennen Chegwidden so gut wie immer „Sir“, manchmal auch „Admiral“.
Bud spricht Harm und Mac mit „Ma’am“ und „Sir“ an
oder aber mit ihrem Rang. Chegwidden nennt ihn „Lieutenant“, „Lt.
Roberts“ oder „Mister Roberts“; alle anderen nennen ihn
meist Bud.
g) Zeichensetzung
Hier eine kleine Veranschaulichung, die zeigt, wieso korrekte Zeichensetzung überhaupt
wichtig ist. Beachtet bitte, dass die Wörter genau die gleichen sind,
nur die Zeichensetzung unterscheidet sich:
Brief-Version 1:
Dear John,
I want a man who knows what love is all about.
You are generous, kind, thoughtful. People who are not like you admit to
being useless and inferior.
You have ruined me for other men. I yearn for
you. I have no feelings whatsoever when we're apart. I can be forever happy.
Will you let me be yours?
Gloria
Brief-Version 2:
Dear John,
I want a man who knows what love is. All about
you are generous, kind, thoughtful people, who are not like you. Admit
to being useless and inferior.
You have ruined me. For other men, I yearn.
For you, I have no feelings whatsoever. When we're apart, I can be forever
happy. Will you let me be?
Yours,
Gloria
So, nun da das geklärt ist, kommen wir zu den einzelnen Satzzeichen:
Doppelpunkt:
Der Doppelpunkt (:) kündigt einen Zusatz zu einem bereits
vollständigen Satz an. Der Doppelpunkt betont das, was man einführen
will, weil der Leser vor dem Doppelpunkt zu einem Stop kommt. Nach Doppelpunkt
wird das nächste Wort groß geschrieben.
Beispiel:
Harm wollte nur eines: Gerechtigkeit. Mac hatte nur noch eines
im Sinn: Sie wollte nach Hause gehen und ein heißes Bad nehmen.
Semikolon:
Der Semikolon (;) trennt gleichwertige Sätze. Er drückt
einen höheren Grad der Abgrenzung aus als das Komma, aber einen niedrigeren
als der Punkt.
Doppelpunkt und Semikolon sollten nicht zu oft verwendet
werden. Überlege, ob man nicht zwei Sätze daraus machen könnte.
Ausrufe- und Fragezeichen:
Ausrufezeichen (!) sollten nicht zu häufig
verwendet werden, da sonst der betonende Effekt verloren geht. Auch mehrere
Fragezeichen sollten vermieden werden. Eines genügt.
Gedankenstrich:
Kündigt an, dass etwas Weiterführendes folgt,
meist etwas Unerwartetes. Im Dialog zeigen Gedankenstriche einen plötzlichen
Stop oder Unterbrechung an.
Beispiel:
Sie betrat das Zimmer und sah – Chris Ragle.
Ellipsen:
Ellipsen (…) zeigen eine Pause, ein Zögern oder
einen nichtbeendeten Satz. Wenn man den Satz wieder aufgreift und weiterspricht,
benutzt man drei Punkte. Bleibt der Satz unbeendet, macht man vier Punkte.
Beispiel:
„Ich weiß nicht, Harm. Ist das wirklich...sicher?“
Anführungszeichen & Dialoge:
Hier gibt es zwei Möglichkeiten:
1. Nach den englischen Regeln:
- Im englischen und nach den alten deutschen Regeln gilt, dass
keine drei Satzzeichen hintereinander stehen sollen. Wenn der Satz mit
Frage- oder Ausrufezeichen endet, benutzt man kein Komma – im Gegensatz
zu den neuen deutschen Regeln.
„Was zum Teufel tun Sie da, Commander?“ fragte
Chegwidden.
„Sind
Sie wirklich sicher?“ vergewisserte sie sich.
„Wegtreten,
Commander!“ befahl Chegwidden streng.
- Redeerklärung (d.h. das Verb) vor der wörtlichen Rede:
Er bat eindringlich: „Bleib.“
Er fragte: „Kommen Sie
mit?“
Er rief: „Komm her!“
- Redeerklärung hinter der wörtlichen Rede:
Bitte beachten,
dass nach der wörtlichen Rede kein Punkt gesetzt wird, erst am Schluss
des Gesamtsatzes.
„Ich habe keine Ahnung,“ gestand sie.
„Machen
wir Schluss für heute,“ seufzte sie.
- Eingeschobene Redeerklärung:
Das Komma steht innerhalb
der Anführungszeichen in der ersten Satzhälfte, in der zweiten
Satzhälfte vor den Anführungszeichen.
„Bud,“ rief Harm, „wo bleibt die
Akte?“
„Sie
haben wahrscheinlich Recht," gab Harm zu, "aber wir könnten
es zumindest versuchen.“
„Verdammt noch mal,“ grollte
Chegwidden, „soll ich Ihnen etwa noch einmal die Nase brechen?“
Steht die Redeerklärung zwischen zwei getrennten Sätzen und teilt
nicht wie oben einen Satz, macht man nach dem ersten Satz einen Punkt (bzw.
Frage- oder Ausrufezeichen).
„Du haben Sie gesagt,” protestierte
Mac. „Ich sagte 16 Uhr.“
2. Nach den neuen, deutschen Rechtschreibregeln:
Nach der Rechtschreibreform
hat sich die Zeichensetzung verändert; sie sieht nun folgendermaßen
aus:
- Nach der neuen Regel steht ein Komma auch nach Frage- und Ausrufezeichen:
„Was
zum Teufel tun Sie da, Commander?“, fragte Chegwidden.
- Redeerklärung vor der wörtlichen Rede:
Hier ändert
sich nichts:
Er bat eindringlich: „Bleib.“
Er fragte: „Kommen
Sie mit?“
Er rief: „Komm her!“
- Redeerklärung hinter der wörtlichen Rede:
Bitte beachten,
dass nach der wörtlichen Rede kein Punkt gesetzt wird, erst am Schluss
des Gesamtsatzes. Das Komma steht nach den Schlusszeichen.
„Da
kommt sie“, sagte er.
„Kommen Sie mit?“, fragte
er.
„Komm her!“, rief er.
- Eingeschobene Redeerklärung:
„Harm, bitte“,
sagte sie, „kommen Sie mit.“
Ich muss gestehen, dass ich – was Kommasetzung in Dialogen betrifft
- „immer noch“ nach den alten Regeln schreibe. Bin wohl schon
zu alt, um mich noch umzustellen ;-)
(Anmerkung der Administration: Bitte beachte, dass auf Fanfictionland
Wert darauf gelegt wird, dass neue und alte Rechtschreibung nicht vermischt
werden. Wir haben nichts dagegen, wenn jemand seine Geschichten lieber
in der alten Rechtschreibung schreibt - dann aber bitte nach allen Regeln
der alten Rechtschreibung!)
Anführungszeichen innerhalb von Anführungszeichen:
Will man innerhalb
einer wörtlichen Rede etwas anführen (z.B. um Ironie auszudrücken),
benutzt man sogenannte halbe Anführungszeichen.
Beispiel:
„Natürlich sind Sie hungrig, Mac, Sie hatten ja auch ‚nur‘ drei
Beltway Burger!“
Betonung / Hervorhebung von Wörtern:
Wörter können auf verschiedene
Weise betont bzw. hervorgehoben werden: Mit "Asteriks", nämlich
*so* oder durch GROßBUCHSTABEN. Ausrufezeichen sind zur Betonung
nicht immer angeraten.
Gedanken / Selbstgespräche:
Für die Darstellung von Gedanken
der Personen gibt es keine einheitliche Lösung. Einige Autoren schreiben
einfach ohne besondere Kennzeichen (wie z.B. Anführungszeichen) und
kennzeichnen nur durch ein „dachte Mac“, dass es Gedanken sind.
Manche benutzen Relationszeichen.
Beispiel:
<Schön wär’s!> dachte sich Mac.
Ich persönlich markiere Gedanken durch kursive Schrift (und Anführungszeichen),
aber das geht nur, wenn man htm/html-Dateien hat, nicht bei Text-Dateien.
h) Deskriptive Aspekte
Außer dynamischen Stilmitteln wie Dialog sollten immer auch genügend
statische Elemente benutzt werden, um eine Szene zum Leben zu erwecken.
Eine Falle, in die gerade Autoren mit viel Phantasie leicht hineinstolpern,
ist, dass sie ihre Geschichte fast bildlich wie einen Film vor Augen haben
und sich deshalb darauf beschränken, nur die "wesentlichen" Elemente,
also Handlungen und Dialoge, zu beschreiben. Dabei lassen sie leicht außer
Acht, dass der Leser meist ein bisschen mehr benötigt, um eine Szene
genauso bildlich vor sich zu "sehen". Zwar kennen die Leser von
Fanfictions die Hauptpersonen der Geschichte und einige typische Schauplätze
meist schon, aber dennoch wird eine gute Geschichte durch treffende Beschreibungen
von Stimmungen, Umgebungen, Kleidung, Mimik, Klängen usw. oft noch
anschaulicher.
Die richtige Balance finden:
Gibt man dem Leser zu wenige Details, wandert
er über eine “leere Bühne“, gibt man zu viele, wird
die Handlung ausgebremst und der Leser gerät in Versuchung, Absätze
zu überspringen oder die Geschichte ganz wegzulegen. Man sollte keine
Reiseführer schreiben, sonst überwältigt man den Leser mit
der Masse von Informationen und Beschreibungen. Das Problem des “Infodumping” ist
besonders häufig in Science Fiction/Fantasy-Werken, weil man seine
faszinierende neue Welt und ihre Geschichte erklären will. Alle Informationen über
die Welt sollten aber immer Teil der Handlung sein, nicht nur seitenlange
Beschreibungen. Selbst wenn man viele Details recherchiert hat, muss man
nicht alles davon in der Geschichte niederschreiben. Es gilt also, einen
Mittelweg zu finden. Große Absätze von Information oder Beschreibung
(“infodumps”) sind oft langweilig, besser ist es, sie Stückchenweise
in der Geschichte unterzubringen.
Beschreibe nicht wahllos alle Details, sondern die wichtigsten, die das
Setting am besten charakterisieren. Streu Beschreibungen nach und nach
ein, nicht alles auf einmal.
Das Setting:
Das Setting ist das „Wo“ und „Wann“ der
Geschichte. Was ist über Zeit und Ort bekannt? In welchem Jahr spielt
die Geschichte? Ist es Tag oder Nacht? Befindet man sich im Freien oder
in einem Gebäude? Wie ist das Wetter? Welche Personen sind anwesend?
Was sehen, hören, riechen diese Personen? Wie nehmen sie ihre Umgebung
wahr?
Dabei immer auch ans Wetter und die Jahreszeiten denken: Im Winter sollen
die Personen frösteln oder Schnee von ihren Füßen stampfen.
Settings zum Leben erwecken:
1.) Das Setting entdecken durch Bewegung:
Beschreibungen sollen nicht statisch sein, sondern Bewegungen beinhalten,
z.B. ist es besser, zu beschreiben, wie jemand auf dem glatten Marmorfußboden
ausrutscht und sich gerade noch an einem goldgerahmten Gemälde festhält,
anstatt einfach nur die prunkvollen Details des Raumes zu beschreiben.
Das gilt auch für Personenbeschreibungen. Auch hier sollte man Handlungen
einbauen.
Beispiel:
Statt: Er hatte schwarze Haare und trug ein blaues T-Shirt
mit Knopfleiste.
Besser: Er strich sich mit einer Hand durch das schwarze
Haar, während er mit der anderen unruhig am obersten Knopf seines
blauen T-Shirts herumnestelte.
Beschreibe das Setting, während der Charakter sich hindurchbewegt. Überlege,
welche Details die Figur sofort bemerken würde und welche erst später.
Beschreibe nicht, wie weich das Sofa ist, bevor die Person sich darauf
setzt. Benutzte aktive Verben, z.B. statt zu sagen „Ein schwerer
Eichenschreibtisch dominierte den Raum“ lass die Figur darum herumgehen
müssen. Statt nur zu sagen, dass der Kronleuchter hell leuchtet, lass
die Figur im Licht blinzeln.
2.) Das Setting entdecken durch die Erfahrung eines Charakters:
Bei Beschreibungen
nie „aus dem Kopf des POV-Charakter springen“. Denk immer daran,
durch wessen Sinne der Leser die Geschichte erlebt und welche Details er
bemerken würde. Welche Details du beschreibst, soll auch durch den
kulturellen, beruflichen und persönlichen Hintergrund des POV-Charakters
bestimmt werden. Was ein Mensch weiß, beeinflusst, was er sieht,
z.B. wüsste ein armer Handwerker nicht, ob der Teppich persisch oder
marokkanisch ist etc. Verschiedene Figuren nehmen dieselbe Umgebung verschieden
wahr, je nachdem, wie vertraut sie damit sind.
Ein Fischer nimmt die Küste anders wahr als ein Tourist. Der Fischer
beachtet den Wind und den Himmel, versucht daraus das Wetter vorherzusagen,
während ein Tourist sich Sorgen macht, dass der Sand seine neuen Schuhe
ruinieren könnte.
Erstell eine Liste mit sensorischen Details (Geräuschen, Gerüchen,
taktilen Eindrücken etc.), die in diesem Setting vorherrschen und
entscheide, was der POV-Charakter mit seinem speziellen kulturellen Hintergrund
bemerken würde.
3.) Das Setting entdecken durch die Stimmung des Charakters:
Was wir sehen
wird auch durch unsere Stimmung beeinflusst.
Eine Ruine sehen wir in abenteuerlustigen Stimmung anders als wenn wir
uns fürchten.
Statt Blüten sieht man dann die Dornen einer Hecke;
statt schafförmiger Wolken die Androhung von Regen und der Ruf eines
Falken erinnert nicht mehr an Freiheit sondern an Einsamkeit.
4.) Das Setting entdecken durch die Sinne:
Beschreibungen sollten alle
Sinne (Sehen, Hören, Schmecken, Riechen, Berührung, evtl. Schmerz)
miteinbeziehen. Der Leser soll die Umgebung und Handlungen spüren,
sehen, hören können. Wie riecht die Luft in der Gegend? Nach
Fisch, nach Nadelwald? Wie fühlt sich der Boden an? Eis? Sand? Schlamm?
Felsen? Was hört man? Verkehrslärm? Spielende Kinder? Hämmernde
Handwerker?
Verschiedene sensorische Eindrücke rufen verschiedene Reaktionen hervor.
Visuelle Eindrücke werden kognitiv verarbeitet. Wir treffen Entscheidungen
auf Grundlage dessen, was wir sehen. Emotionen werden eher von dem beeinflusst,
was wir hören. Man denke nur an Fingernägel, die über eine
Tafel kratzen. Gerüche wecken Erinnerungen, z.B. das Gebäck aus
der Kindheit.
Erstelle eine Liste von sensorischen Details (Geräusche, Gerüche,
taktile Eindrücke...), die man in dieser Umgebung vorfindet und entscheide
dann, welche die Figur wahrnimmt.
Wortwahl für lebendige Beschreibungen:
Lebendige, greifbare Beschreibungen
erhält man nicht, indem man viele Adjektive verwendet. Statt ein Verb
mit einem Adverb zu verwässern, sollte man ein möglichst ausdrucksstarkes
Verb verwenden, z.B. besser: „er hastete“ statt „er ging
eilig“.
Auch sollte man konkrete Wörter den abstrakten vorziehen, z.B. „Mango
und Papayas“ statt „exotische Früchte“. Verwende
anschauliche Beschreibungen, die „Bilder“ im Kopf des Lesers
auslösen, z.B. statt „Der Hund war riesig“ sage: „Der
Hund hatte die Größe eines Shetlandponys“.
Stattdessen sollte man keine überflüssigen Wörter verwenden,
sondern möglichst spezifische Wörter. Statt „Baum“ sollte
man lieber „Eiche“ oder „Fichte“ oder welches Bild
man beim Leser auch immer erzeugen möchte, verwenden.
Action-Szenen:
Action beinhaltet Bewegung. Wenn die Charaktere inmitten
einer Handlung sind, haben sie keine Zeit, genau über alles nachzudenken.
Daher sollte man als Autor die Action-Handlung nicht mit unnötigen
Erklärungen unterbrechen. Wenn man z.B. eine Verfolgungsjagd schreiben
will, wäre es besser, VOR dem Beginn der Verfolgung die Landschaft
zu beschreiben. Action-Szenen sind auch nicht unbedingt der richtige Platz,
um sich mit inneren Konflikten und Gedanken auseinander zusetzen. Mit solchen
Dingen kann man sich vor oder nach der Action-Szene befassen.
In Action-Szenen sollte man kürzere Sätze und häufige Absatzwechsel
verwenden. Action braucht ein hohes Erzähltempo. Man schreibt knapp,
verwendet Abbrüche und Auslassungen. Bremswörter, die Tempo herausnehmen,
meiden.
Beispiele für solche „Bremswörter“:
- „Während“ erzeugt
Gemächlichkeit. Wenn in einer Action-Szene Dinge gleichzeitig geschehen
sollen, sollte „gleichzeitig“, „zugleich“, „im
selben Moment“ verwendet werden.
- Damals, einst, zunächst,
ursprünglich = unterbrechen die laufende Erzählzeit, bremsen
das Tempo · „betrachten“ oder „mustern“ ist
langsamer als „ansehen“ · „fühlen“ oder „empfinden“ ist
langsamer als „(be)merken“
- „erzählen“ ist
langsamer als „berichten“ oder „informieren&ldquo
- „plötzlich“ für
etwas wirklich Heftiges oder Überraschendes reservieren, nicht überbenutzen.
i) Zeitform
Die meisten Geschichten sind in der Vergangenheitsform geschrieben. Gegenwartsform
ist zwar auch möglich, aber die Verwendung des Präsens ist kniffliger.
Wenn man sich aber mal für eine Zeit entschieden hat, dann sollte
man nicht ohne eine gute Begründung hin und her springen, sondern
die Zeit beibehalten.
Passiv-Formen sollte man eher meiden, obwohl es natürlich auch Ausnahmen
gibt („Die Verhandlung wurde vertagt“).
j) Flashback-Szenen
Rückblenden sind Szenen, die sich ereignet haben, bevor die Geschichte
begann. Flashbacks sollten nicht zu häufig benutzt werden, da sie
den Erzählfluss und den linearen Verlafu der Geschichte unterbrechen.
Wenn man diese Technik doch benutzen möchte, sollte man am Beginn
der Flashback-Szene ein paar Mal (etwa zweimal) das Perfekt benutzen („Sie
war früh ins Büro gekommen und hatte noch einmal die Akten durchgesehen…”),
dann aber zur einfachen Vergangenheit („Sie schlug den Aktendeckel
zu...“) übergehen. Am Ende der Flashback-Szene benutzt man wiederum
das Perfekt.
Flashbacks sollten niemals länger als eine Szene sein.
Während sich die Person an etwas erinnert, was Stunden, Tage, Wochen
oder sogar Jahre gedauert hat, sollte sie etwas tun, was die Zeit für
diese Erinnerung abdeckt. Wenn die Person nur ein paar Sekunden im Aufzug
fährt, kann sie sich nicht an ein ganzes Jahr erinnern.
k) Die neue Rechtschreibung
Ganz kurz ein paar der neuen Rechtschreibregeln zur ersten Orientierung:
Getrennt- und Zusammenschreibung
Generell wird in der neuen Rechtschreibung
eher getrennt geschrieben.
Verbindungen von einem Verb im Infinitiv (Grundform) mit einem zweiten
Verb werden getrennt geschrieben, z.B. sitzen bleiben (nicht: sitzenbleiben),
Rad fahren (statt: radfahren), spazieren gehen (nicht: spazierengehen).
Auch heißt es jetzt „aneinander fügen“ statt aneinanderfügen
Groß- und Kleinschreibung
Die Anredepronomen du und ihr werden (auch
in Briefen) kleingeschrieben, z.B. „Ich danke dir für deinen
Brief“ statt „Ich danke Dir für Deinen Brief“. Die
Anredeform „Sie“ und „Ihnen“ (wenn man jemanden
siezt) wird aber weiterhin großgeschrieben.
Die Wörter Angst, Bange, Leid, Schuld, Pleite werden nur noch in Verbindung
mit den Verben sein und werden kleingeschrieben, ansonsten schreibt man
sie groß, z.B. Schuld geben (statt: schuld geben) und Angst und Bange
machen (statt: angst und bange machen).
Zeichensetzung
Hauptsätze, die mit und bzw. oder verbunden sind, müssen
nicht durch ein Komma getrennt werden, z.B. „Peter malt ein Bild
und Anne schreibt einen Brief“ (statt: „Peter malt ein Bild,
und Anne schreibt einen Brief“
Beim erweiterten Infinitiv (Grundform) muss kein Komma gesetzt werden (es
darf aber zur besseren Lesbarkeit weiterhin gesetzt werden), z.B. „Er
versuchte verzweifelt seine Frau zu erreichen“ (statt: „Er
versuchte verzweifelt, seine Frau zu erreichen“)
Vor „wie“, „sowie“, „entweder – oder“ und „sowohl – als
auch“ wird kein Komma mehr gesetzt.
5.4. Das Ende der einzelnen
Szenen
Die einzelnen Szenen sollten in sich abgeschlossen sein und so enden, dass man
neugierig darauf ist, wie es wohl weitergehen wird.
Viele Fanfiction-Schreiber halten es so, dass sie zwischen einzelnen Szenen
eine Abtrennung platzieren.
Beispiel:
--------------------------------------------------------------------------------------
oder:
=========================================================
oder:
* * *
Übergänge zwischen Szenen:
Übergänge sollten möglichst
kurz gehalten werden. Zwischen zwei Szenen findet oft ein Sprung in Ort,
Zeit und POV-Charakter statt. Dennoch kann man für fließende Übergänge
sorgen, indem man das Ende der einen und den Beginn der nächsten Szene
mit einem Element verknüpft. Der letzte Satz der einen Szene enthält
dieselbe Emotion / Objekt / Ort / Wetter / Name wie der erste Satz der
folgenden Szene, z.B.:
1) Emotion:
Mac verabschiedete sich und lachte über Harms Abschiedswitz.
* * *
Sie lachte noch immer, als sie ihr Apartment erreichte.
2) Objekt:
Mac las den Drohbrief ein zweites Mal.
* * *
Sie hielt den Brief noch immer umklammert, als die Polizei eintraf.
3) Wetter:
Mac verließ das Haus und spürte erste Tropfen fallen.
* * *
Als sie den Parkplatz des Hauptquartiers erreichte, konnte sie
kaum noch etwas durch die Windschutzscheibe erkennen, so dicht fiel der
Regen.
4) Namen:
Der Admiral sagte Harm, dass seine nächste Klientin eine
Petty Officer Jennifer Lopez sein würde.
* * *
Jennifer Lopez stellte
sich als weniger spektakulär heraus als Harm erwartet hatte.
5) Orte:
„Seien Sie vorsichtig auf der Treppe,” warnte Harm,
als er ging.
* * *
Es war nicht die Treppe, die Bud zum Verhängnis wurde, sondern
der Fahrstuhl.
6) Gleiche (oder ähnliche) Worte:
„Lasst uns hoffen!“
*
* *
„Ich sehe keine Hoffnung mehr.“
6. Nach dem Schreiben
Am Ende der Geschichte sollte natürlich das Wörtchen „Ende“ stehen.
Editing / Überarbeiten:
Überarbeitungen nach dem eigentlichen
Schreiben der Geschichte sind sehr wichtig. Das Motto lautet: „Good
Writing is Mostly Rewriting“.
Leg dein Werk nach dem Fertigschreiben für eine Woche, besser sogar
für einen Monat, beiseite, bevor du es überarbeitest, damit du
Abstand gewinnen und die Story mit neuen Augen betrachten kannst. Lest
es euch ruhig laut vor. Besonders Wortwiederholungen, falsche Satzstellungen,
hölzerne Dialoge oder langweilige Stellen fallen so besser auf.
Besonders auf Rechtschreibung und Grammatik achten! Selbst das beste Rechtschreibprogramm
hilft uns nämlich nicht weiter, wenn wir Wörter verwechselt,
vergessen oder überflüssige hinzugefügt haben. Obwohl oft
gesagt wird, dass es bei Fanfics vor allem auf den Inhalt ankommt, ist
es doch mehr als anzuraten, auf Rechtschreibung, Tippfehler und Grammatik
zu achten. Niemand wird eine Geschichte lesen, auch wenn der Inhalt noch
so genial sein mag, wenn man Mühe hat, das Geschriebene zu lesen.
Lass die Geschichte mehrmals durch dein Rechtschreibprogramm laufen und
nimm für Wörter, die es nicht kennt, ein Wörterbuch zur
Hand.
Überarbeiten heißt jedoch nicht nur das Verbessern von Rechtschreib-
und Grammatik-Fehlern. Es können – und sollen – auch noch
inhaltliche Änderungen vorgenommen werden: Ist die Charakterisierung
lebendig genug? Gibt es POV-Fehler? Sind es zuviel oder zuwenig Beschreibungen?
Die Checkliste für Betareader kann genauso gut auch als Liste der
Punkte verwendet werden, auf die Autoren beim Überarbeiten achten
sollten.
Das Überarbeiten muss nicht in einem einzigen Durchgang geschehen.
Prinzipiell sind drei Korrekturebenen zu beachten:
- Story-Ebene:
- Prüfe den Zweck jeder Szene: Treibt die Szene
den Plot voran? Enthüllt sie wichtige Eigenschaften des Charakters?
Gibt sie wichtige Informationen? Szenen, die keinen Zweck haben, sollen
gelöscht werden. An welche Szenen kannst du dich erinnern? An welche
nicht? Lösche oder veränderte die Szenen, an die du dich nicht
erinnern konntest. An welchen Stellen wirst du beim Lesen unaufmerksamer,
weil die Spannung nachlässt?
- Beginnt die Story zum richtigen Zeitpunkt?
- Ist der Anfang der Geschichte nicht zu langatmig?
- Steigert sich die
Geschichte zu einem Höhepunkt?
- Charaktere: sind sie glaubhaft? Ist
ihre Motivation klar und nachvollziehbar? Verändert sich der Charakter
im Lauf der Geschichte ausreichend? Gibt es genug Konflikt zwischen den
Personen?
- Paragraph-Ebene:
- Beschreibungen: gibt es zu viele Beschreibungen,
so dass die Handlung gestoppt wird? Gibt es zuwenig Beschreibungen? Bemerken
die Charaktere Dinge, die sie aufgrund ihres Hintergrundes oder der Situation
wahrscheinlich gar nicht bemerken würden oder bemerken sie Dinge nicht,
die sie bemerken sollten? Wurden genug Details benutzt, um das Setting
lebendig werden zu lassen? Wurden alle 5 Sinne regelmäßig angesprochen?
- Wird zuviel behauptet (telling) anstatt gezeigt (showing)?
- POV: POV-Sprünge,
wird die Erzählperspektive gleich zu Beginn der Szene etabliert? Ist
die Sprache dem POV-Charakter angemessen?
- Dialoge: Gibt es unnötige
Tags? Wird der Dialog häufig genug durch Sprecherwechsel oder Handlungen
durchbrochen? Sind die Dialoge realistisch und fesselnd?
- Satz- und Wortebene:
- Redundante Wörter
- überflüssige
Adjektive und Adverbien
- stimmen die Zeitformen?
- zuviel Passivformen
- Füllwörter
- Schachtelsätze
- Zuwenig Satzbau-Variation
- Rechtschreibung & Grammatik
- Adverbien ausmerzen und stärkere
Verben suchen
- Überflüssige Wörter (z.B. „sehr“, „wirklich“)
löschen
Auf jeden Fall sollten viele dieser Überarbeitungen (auf jeden Fall
aber eine mehrmalige Rechtschreibprüfung!) geschehen, bevor man die
Story an den Betaleser weitergibt!
Beta-Reader:
Was ist ein Betaleser? Ein Betaleser (auch Betareader oder
Korrekturleser) ist nichts anderes als jemand, der Korrektur liest – und
das meint nicht nur Rechtschreibung und Grammatik.
Da man als Autor oft das liest, was man schreiben WOLLTE und nicht das,
was man tatsächlich geschrieben HAT, ist es empfehlenswert, die Geschichte
von einem Beta-Reader durchlesen zu lassen. Aufgabe des Beta-Readers ist
es auch, Diskontinuitäten wegen ausgelassener Handlungen, Ereignisse
oder Dialogteile zu erkennen. Dem Autor fällt so etwas naturgemäß oft
nicht auf, weil er immer das Gesamtbild im Kopf hat.
Suche dir jemanden, der die Geschichte durchliest, bevor du sie veröffentlichst.
Es sollte vielleicht nicht unbedingt dein größter Fan oder bester
Freund sein, sondern jemand, der dich unbarmherzig auf Fehler hinweist.
Hilfreich ist es sicher, wenn man jemanden wählt, der selbst Fanfiction
schreibt oder häufig liest. (Zitat der oben erwähnten Englischlehrerin: „Do
not pick a beta reader who never reads books, who got bad grades in english,
or who does not speak or write English.“) Natürlich sollte man
nie vergessen, dass es hilfreich und nicht negativ ist, wenn der Beta-Reader
auf Fehler aufmerksam macht.
Wo findet man einen Betaleser?
Ihr könnt jemanden fragen, der selbst
schreibt oder der viel liest; eine Mail an eine Mailing Liste schicken,
die Geschichte kurz vorstellen und anfragen, ob jemand sie betalesen würde,
oder ihr schließt euch einer Kritik/Schreibgruppe an (siehe Teil
3 des Writing Guides).
Frag den Betaleser immer zuerst, ob er Zeit hat, eine Geschichte von X
Seiten zu lesen, bevor du ihm oder ihr die Geschichte zuschickst, auch
wenn es ein Betaleser ist, mit dem du schon zuvor zusammengearbeitet hast!
Posten in Teilen:
Es hat einige Nachteile, wenn man seine Fanfic postet,
bevor man sie beendet hat: Man nimmt sich die Möglichkeit, Szenen
später umzuschreiben. Außerdem merkt der Leser, wenn du noch
nicht so genau weißt, auf was das alles hinausläuft.
7. Fanfiction lesen: Wie
gebe ich konstruktive Kritik?
7.1. Für die Leser & Betaleser:
Wie man Kritik / Rückmeldung gibt
a) Ein paar Grundregeln
Das Motto für jeden Leser, der Feedback gibt, ist
oder sollte vielmehr sein Wie kann ich helfen? Deine
Aufgabe besteht nicht darin, dem Autor seine Fehler unter die
Nase zu reiben, sondern ihm zu helfen, sie in Zukunft zu vermeiden.
Ein paar Grundregeln, die es beim Geben von Feedback zu beachten
gibt:
Der Grundgedanke ist, dass Geschichte und Autor beide noch in
der Entwicklung stecken.
Es gibt keine Geschichten – und
keine Autoren -, die in jeder Hinsicht perfekt sind. Jegliche
Kommentare sollen zum Ziel haben, dem Schreiber zu helfen, ihm
eine neue Einsicht in seine Geschichte zu geben und Verbesserungsvorschläge
zu machen.
Ziel ist es, diese spezifische Geschichte und die schriftstellerischen
Fähigkeiten des Autors im Allgemeinen zu verbessern. Das
aber bitte sehr, ohne jedoch dabei sein Selbstwertgefühl,
seine Gefühle oder die Freude am Schreiben zu verletzen.
Was soll kritisiert werden? Auf welche Punkte sollte man
sich beziehen?
Alles, was dir an der Geschichte auffällt, kann hilfreich
sein. Wie war dein allgemeiner Eindruck? Sind die Dialoge glaubhaft?
Wie gut sind die Charaktere dargestellt? Ist die Geschichte verwirrend
oder gut organisiert? Sind dynamische und statische Elemente
gut ausbalanciert? Welche Ideen, Szenen und kleinen Dinge magst
du oder magst du nicht? Wie gefallen dir schriftstellerische
Techniken wie Stil, Perspektivenwahl usw.?
Keine Anmerkung, egal ob man etwas für gut oder für
schlecht hält, sollte einfach so in den Raum gestellt
werden. Begründungen, warum man zu dieser Auffassung gelangt,
sind hilfreicher. Alles sollte sich auf klare, spezifische Punkte
beziehen. Gib Beispiele aus dem Text an.
Unterscheiden muss man hier zwischen einem (kurzem) Feedback
und dem Beta-Readen, wo es schon mal passieren kann, dass zu
jedem Absatz ein Kommentar gemacht wird. Das sollte man unaufgefordert
natürlich nicht tun.
Versuche nicht, die Geschichte für den Autor zu schreiben.
Deine Aufgabe ist es, Vorschläge zu machen, nicht die ganze
Geschichte in eine völlig andere zu verwandeln.
Kritisiere nur die, die auch dazu aufgefordert haben.
Wenn jemand
nicht um Feedback bittet und du nicht sicher bist, ob er welches
haben möchte, dann frage vorsichtshalber erst nach.
Eine Geschichte, an der du überhaupt kaum Interesse hast und der du keinerlei
gute Seiten abgewinnen kannst, solltest du nicht kommentieren.
GANZ WICHTIG ist, dass kein Autor persönlich angegriffen
oder verletzt werden darf.
Die Einstellungen und Meinungen gegenüber der Geschichte
und gegenüber dem Autor sollten getrennt werden. Es wird
nicht der Autor, sondern seine Arbeit diskutiert.
Das bedeutet nicht, dass Feedback immer nur positiv sein muss;
Hinweise auf Fehler und Schwächen sind oft sogar hilfreicher.
Wichtig ist aber, dass hier der „Ton die Musik macht“. Jede
Kritik sollte immer höflich ausgedrückt und in
angemessenen Dosen gegeben werden. Keine Fanfic sollte übermäßig
kritisiert werden. Niemand kann etwas lernen, wenn er sich verletzt
und völlig überfordert fühlt. Feedback sollte immer
auch genügend Ermutigung beinhalten. Sag dem Autor ruhig auch,
wo er besondere Stärken und Talente hat, so dass er sie bewusster
ausbauen kann.
Formuliere deine Kommentare als Vorschläge und Anregungen,
nicht „Du solltest“ oder gar „du musst“.
Stell klar, dass es sich um deine Meinung handelt.
Lies dir dein Feedback noch mal in Ruhe durch und überdenke
es, bevor du es abschickst. Es kann auch sinnvoll sein, zuvor eine
Pause einzulegen, um die nötige Distanz zu bekommen.
Das Sandwich-Prinzip:
Beginne immer mit etwas Positivem. Selbst,
wenn die Story ziemlich schlecht sein sollte, versuche wenigstens
etwas zu finden, was gut ist. Wenn es im gesamten Werk nichts gibt,
was dir gefällt, gilt: „If you can't say anything nice,
don't say anything at all.“ Am besten verwendet man das Sandwich-Prinzip:
Beginne mit einem positiven Kommentar, erkläre dann, was nicht
so gut war (das Wichtigste / Schlimmste zuerst), und beende das
Feedback wieder mit etwas Positivem oder zumindest einem Dankeschön.
Sei konkret und konstruktiv!
Versuche, so klar und konkret wie
möglich zu sein. Keine Anmerkung, egal ob man etwas für
gut oder für schlecht hält, sollte einfach so „in
den Raum gestellt“ werden. Begründungen, warum man zu
dieser Auffassung gelangt, sind hilfreicher. Alles sollte sich
auf klare, spezifische Punkte beziehen. Gib Beispiele aus dem Text
an. *Erkläre*, warum dir etwas falsch oder unpassend erscheint
und schlage Lösungsmöglichkeiten und Alternativen vor.
Wer kann überhaupt Feedback geben?
Jeder kann Feedback geben,
dazu benötigt man keine besondere Ausbildung und muss auch
nicht unbedingt selbst schreiben. Man sollte einfach nur versuchen,
klar auszudrücken, was man denkt und fühlt. Unklare Kommentare
und Verallgemeinerungen sind nicht hilfreich. Versuche, so klar
und eindeutig wie möglich zu sein. An Beispielen zu verdeutlichen
hilft.
b) Was soll kritisiert
werden?
Auf welche Punkte sollte das Feedback sich beziehen?
Alles, was
dir an der Geschichte auffällt, kann hilfreich sein. Wie war
dein allgemeiner Eindruck? Welche Ideen, Szenen und kleinen Dinge
magst du oder magst du nicht? Sind die Dialoge glaubhaft? Wie gut
sind die Charaktere dargestellt? Ist die Geschichte verwirrend
oder gut organisiert? Wer sind deine Lieblingspersonen?
Es folgt eine umfangreiche Liste von Punkten, auf die man sich
beziehen kann. Sie ist eher für Betaleser gedacht als für
Leser, die Feedback geben möchten, aber letztere können
sich einfach ein paar der Punkte herauspicken:
Format:
War die Geschichte optisch gut lesbar?
Gab
es genügend Absätze?
Titel:
War der Titel passend und interessant?
Charaktere:
Waren die Personen interessant und glaubhaft?
Sind
die Motivationen der Charaktere stimmig?
Welche Person
war deine Lieblingsperson? Warum?
War der Antagonist
ein würdiger Gegner?
Gab es Personen, die zu flach,
zu wenig entwickelt waren?
Gab es etwas, was völlig ‚out-of-character’ also
uncharakteristisch für eine Person war?
Sind
die Hauptpersonen *zu* perfekt?
Passten die Namen zu
den Personen?
Waren die Informationen über die Personen konsistent
(oder hat z.B. Person X in Szene 1 blaue und in Szene 5 grüne
Augen)?
Wird der Hintergrund (Familie, Beruf etc) der
Personen klar genug? Gab es zuviel Hintergrund-Informationen?
Hat
die Hauptperson im Laufe der Geschichte einen Wandel / Veränderung
durchgemacht?
Werden zuviel Charaktergedanken gezeigt,
so dass das die Handlung ausbremst?
Sieht er noch so
aus und verhält er sich noch so wie zu Beginn des Buches?
Falls nein, wurde die Veränderung glaubhaft dargestellt oder
ist es ein Kontinuitätsfehler?
Dialog:
Gab es zu viele „Tags“? Oder gab es
zuwenig “tags” (so dass unklar ist, wer was sagt)?
Hatte jeder Charakter sein eigenes Sprachmuster?
War
der Dialog realistisch und lebhaft?
Waren Sprechweise
und Gesagtes glaubhaft, wenn man die Persönlichkeit der Personen
bedenkt?
Gab
es zuviel / zuwenig Dialog?
Wird der Dialog häufig
genug durch Sprecherwechsel oder Handlungen durchbrochen? Oder
zu oft? Zu selten?
POV:
Erschien die Erzählperspektive gut gewählt?
Gab
es POV-Sprünge (d.h. der Autor beschreibt Gedanken oder Gefühle
von jemand anderem als dem POV-Charakter)?
Wäre in
manchen Szenen ein anderer POV-Charakter besser gewesen?
Wurde
gleich am Beginn jeder Szene klar, wer der POV-Charakter ist?
Ist
Sprache und Beschreibung den POV-Charaktern angemessen?
Beschreibungen:
Werden regelmäßig alle 5 Sinne
beteiligt?
Wurde der Leser manchmal mit Informationen überhäuft,
so dass bestimmte Stellen langweilig waren?
Gab es zuviel
oder zuwenig Beschreibungen des Settings? · Wirkte das
Setting realistisch und lebensnah?
Wurde zuviel behauptet
(telling) statt gezeigt (showing)?
Bemerken die Charaktere
Dinge, die sie aufgrund ihres Hintergrundes oder der Situation
wahrscheinlich gar nicht bemerken würden oder bemerken sie
Dinge nicht, die sie bemerken sollten?
Wurden genug
Details benutzt, um das Setting lebendig werden zu lassen?
Plot / Szenen:
Was waren deine Lieblingsszenen? Warum?
Treiben
alle Szenen die Geschichte voran? Enthüllt sie wichtige Eigenschaften
des Charakters? Gibt sie wichtige Informationen?
War
die Anfangsszene fesselnd genug?
Waren Handlung und
Motive der Personen glaubhaft?
Ist es klar, welche Ziele
und Motive die Charaktere haben und welche Hindernisse sie davon
abhalten, diese zu erreichen?
War das Ende zu abrupt
oder zu hinausgezögert?
War das Ende zufriedenstellend
oder blieb etwas offen? Wurden alle Konflikte und Handlungsstränge
aufgelöst?
Ergibt sich das Ende aus den Handlungen
der Charaktere oder ist es die „Rettung von außen“ (deus
ex machina)?
Gab es langweilige Szenen?
Gibt es genug Konflikt
innerhalb und zwischen Personen? Sind sie glaubhaft?
Beginnt
die Geschichte am richtigen Punkt?
Endet die Geschichte
zum richtigen Zeitpunkt?
Gab es zu viele Flashbacks?
Gibt
es zu viele oder zu wenige Nebenhandlungen?
Steigert
sich die Geschichte zu einem Höhepunkt?
Stil / Grammatik:
Gibt es wiederkehrende Rechtschreib-
oder Grammatikfehler?
Werden anschauliche Nomen und
Verben benutzt?
Gibt es redundante oder unnötige
/ Füllwörter (fast, doch, ungefähr, irgendwie, eigentlich…)?
Ist der Satzbau genügend variiert?
Werden Adjektive,
Adverbien und Partizipien sparsam eingesetzt?
Verwendet
der Autor konstant dieselbe Zeitform?
Gibt es zuviel
Schachtelsätze?
Gibt es zuwenig Variationen im
Satzbau?
Was soll nicht kritisiert werden:
Inhalt und Handlung sollte man
auf keinen Fall kritisieren, außer es gibt logische Fehler
oder es ist einfach unglaubhaft – aber auf keinen Fall nur,
weil man sich selbst eine andere Handlung gewünscht hätte!
Versuche nicht, die Geschichte für den Autor zu schreiben.
Deine Aufgabe ist es, Vorschläge zu machen, nicht die ganze
Geschichte in eine völlig andere zu verwandeln.
c) „Technische“ Hilfe
für Betaleser
Alle Betareader, die ein Word-Dokument Korrektur lesen, haben die
Möglichkeit sich – und dem Autor – den Korrekturprozess
wesentlich zu erleichtern.
(Anmerkung der Administration: Die Ähnlichkeit der Darstellung
hier zu der in Word ist abhängig vom verwendeten Skin. Aus
technischen Gründen ist keine 1:1 Darstellung der Elemente von
Word möglich. Falls es nötig werden sollte, werden wir dieser Kategorie
Screenshots anfügen. Wer aber unbedingt alles in korrekter Form
sehen möchte, kann den Guide auch über den "Download"-Link im Inhaltsverzeichnis
herunterladen.)
In der Menüleiste finden sich:
- „Extras“ – „Änderungen
(nach)verfolgen“ (z.T.
muss man dann noch „Änderungen hervorheben“ markieren
und in der erscheinenden Dialogbox „Änderungen während
der Bearbeitung markieren“ aktivieren).
Alles, was der Betareader
jetzt im Text löscht oder verändert, wird farblich hervorgehoben.
Eingefügte Textstellen werden zudem unterstrichen, gelöschte
Textstellen werden durchgestrichen (oder erscheinen in einer „Sprechblase“ am
Seitenrand, je nach Windows-Version). Das sieht dann zum Beispiel
so aus:
| Diese Zeile wurde gelöscht |
| |
| Hier wurde der zweite, überflüssigee Buchstabe „e“ gelöscht. |
| |
| Diese Zeile wurde hinzugefügt |
| |
| Hier wurde der fehlende Buchstabe „e“ hinzugefügt. |
Der Strich am Seitenrand macht für den Autor sofort erkennbar,
dass der Betareader hier Änderungen vorgenommen hat.
- Unter „Extras“ – „Optionen“ – Registerkarte „Änderungen
verfolgen“ hat man bei Bedarf auch die Möglichkeit,
die Einstellungen für diese Korrekturzeichen zu ändern,
so z.B. die Korrekturfarbe
- Der Betareader kann zu einem Wort, Satz oder Absatz auch
Kommentare einfügen. Zunächst markiert man die Stelle
(Wort, Satz etc.), auf den der Kommentar sich beziehen soll. Dann
hat man zwei Möglichkeiten:
Man klickt unter dem Menüpunkt „Einfügen“ auf „Kommentar“.
Es öffnet sich eine Box, in die man den Kommentar einfach
eintippt. Die Kommentare erscheinen dann ebenfalls in einer Sprechblase
(oder in einem Kästchen, wenn man den Mauszeiger darauf richtet)
und der Bereich, auf den sich der Kommentar bezieht, wird markiert.
Man kann auch im Menüpunkt „Extras“ – „Anpassen“ in
der Registerkarte „Symbolleisten“ den Punkt „Überarbeiten“ anklicken.
Auf der Symbolleiste ist dann das Symbol „Neuer Kommentar“ immer
griffbereit.
- Wenn der Autor dann das überarbeitete Dokument bekommt,
kann er die einzelnen vorgenommenen Veränderungen ablehnen
oder akzeptieren. Das geht so:
Man richtet einfach den Mauszeiger auf die betreffende Überarbeitung
(z.B. das unterstrichene „e“ oben) bzw. auf die Sprechblase,
klickt einmal mit der rechten Maustaste und hat dann die Wahl zwischen „Löschen/Einfügen
annehmen“ und „Löschen/Einfügen nicht übernehmen“.
Anstelle der Maus kann man auch mit der Symbolleiste arbeiten.
Dazu klickt man unter „Extras“ – „Anpassen“ in
der Registerkarte „Symbolleisten“ den Stichpunkt „Überarbeiten“ an.
So hat man auf der Symbolleiste die beiden Optionen „Änderungen
annehmen“ und „Änderung ablehnen/Kommentar löschen“ immer
zur Hand.
- Der Autor kann auch Kommentare löschen. Wiederum gibt
es zwei Möglichkeiten: Mit der rechten Maustaste über
der Sprechblase des Kommentars klicken, dann „Kommentar löschen“ oder „Kommentar
bearbeiten“ wählen.
Wie bei Punkt 4.) beschrieben geht das auch über die Symbolleiste.
Mit den Symbolen „weiter“ und „zurück“ kann
man zwischen den einzelnen Kommentaren und Veränderungen hin-
und herwechseln.
7. 2. Für
die Schreiber: Wie man Kritik / Rückmeldung aufnimmt
Wenn das Motto für die Schreiber von Feedback ist „Wie
kann ich helfen?“, so lautet das Motto für die Empfänger
von Feedback „Wie / was kann ich daraus
lernen?“ Die
Grundidee von Feedback ist es, dass der Autor der Geschichte etwas
daraus lernt. Er (oder sie) erfährt, wo seine Schwächen,
aber auch seine Stärken liegen. Jeder Kommentar kann eine
Gelegenheit zum Lernen sein.
Ob man diese Gelegenheit nutzt und
was man aus dem Feedback macht, hängt ganz von einem selbst
ab: Man kann es benutzen, um seine Arbeit zu verbessern oder man
kann es ignorieren.
Ein paar Grundregeln, die es beim Empfang von Kritik zu beachten
gibt:
Deutlich sagen, ob Feedback erwünscht ist oder nicht.
Wenn
man seine Geschichte in Mailing Listen oder auf Webseiten veröffentlicht,
sollte man sich auf Feedback gefasst machen. Wer keine Kritik
haben möchte, der sollte das deutlich machen. Wer Feedback
möchte, sollte das ebenfalls klar machen.
Wenn die Leser
besonders Kommentare zu einem bestimmten Element (z.B. Dialoge,
Charaktere) geben oder vermeiden sollen, macht das bitte auch
deutlich. Lass den Leser auch wissen, falls dies dein erstes
Werk ist.
Zuwenig Rückmeldung?
Wenn du kein oder nur wenig Feedback erhältst, dann sei nicht
niedergeschlagen, es muss nicht unbedingt ein Hinweis darauf sein,
dass deine Geschichte nicht gelesen wurde oder niemandem gefallen
hat. Die meisten Geschichten erhalten nicht viel Feedback, denn
jedermanns Zeit ist knapp und die Autoren sind vielleicht damit
beschäftigt, ihre eigenen Geschichten zu schreiben.
GANZ WICHTIG ist es, Kritik niemals persönlich zu
nehmen!
Als Verfasser von Fanfiction sollte man lernen, die eigene Person,
sein Ego, von der Geschichte zu trennen. Man sollte kritisches
Feedback von persönlichen Angriffen unterscheiden können
und Kritik niemals persönlich nehmen. Nur weil jemand etwas “Schlechtes“ über
deine Geschichte sagt, heißt das nicht, dass er dich persönlich
angreift. Geh davon aus, dass deine „Kritiker“ gute
Absichten haben und dir nur helfen möchten.
Wenn du Feedback erhältst, nimm dir Zeit, um es gründlich
zu lesen. Wenn du dich angegriffen fühlst oder die Kommentare
nicht nachvollziehen kannst, dann mach eine Pause und lies es
danach noch mal. Vieles wird mit etwas objektiver Distanz klarer.
Benutze Feedback um deine Geschichte objektiv zu betrachten und
herauszufinden, wie man sie verbessern könnte. Weise Kritik
nicht sofort von der Hand, nur weil dir nicht gefällt, was
du hörst.
Wenn du kritisiert wirst, dann verwickle dich nicht in Verteidigungen
und Erklärungen. Akzeptiere einfach, wie deine Geschichte
auf die Leser gewirkt hat; das bedeutet nicht, dass er Unrecht
und du Recht hast oder umgekehrt.
Höflichkeit ist angesagt.
Damit verbunden ist ein höflicher Umgangston! Auch ein kurzes „Danke“ fürs
Feedback ist niemals falsch.
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